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Ganztagsschule trotz Einwänden

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Für die Einführung der offenen Ganztagsschule (OGTS) ausgesprochen haben sich die Peitinger Gemeinderäte. Und zusätzlich hinter verschlossenen Türen auch noch einen Träger festgelegt.

Peiting – Eigentlich sollten die Eltern profitieren, momentan ist jedoch die Stimmung am Brodeln. „Mit uns redet keiner, wir werden nicht gefragt“, ärgert sich Tanja Schleich (43). Bislang habe es auch noch keine Infoveranstaltung gebeben. Viele Eltern wüssten noch gar nicht, dass die Kinderbetreuung im Rahmen der Ganztagsschule nicht zeitlich flexibel ist. „Wir können unsere Kinder nicht abholen, wann wir wollen. Das ist schlecht für Hobbys. Dann gibt’s eben keinen Trachtenverein, oder Fußball mehr“, ärgert sie sich. Außerdem betreue die OGTS an vier Tagen, „wir brauchen aber fünf“.

Wie berichtet, sehen sich die Familien vor einem weiteren Problem: Wie soll der Nachwuchs in den Ferien betreut werden? Denn die Caritas hat zum neuen Schuljahr die Betreuung im Kinderhort St. Michael geschlossen. 18 Kinder sind davon betroffen. Vor allem berufstätige Mütter fühlen sich übergangen. „Wir erfahren erst Anfang Mai, ob im Hort der Kinderhilfe noch etwas frei ist und wir unterkommen“, so Schleich weiter.

Zwei Umfragen hat es zum Bedarf für die Ganztagsschule in Peiting gegeben. Die eine fiel „mau“ aus, wie Hauptamtsleiter Stefan Kort sagte. Eine weitere, die von den Schulen durchgeführt wurde, habe ganz andere Ergebnisse gezeigt. An der Alfons-Peter-Grundschule gab es 20 Anmeldungen für eine kurze Gruppe bis 14 Uhr und 41 für eine lange bis 16 Uhr. An der Lentner-Schule waren es 27 für die kurze und 19 für die lange. „Soviel Zulauf hat uns überrascht“, sagte Bürgermeister Michael Asam. Die Antragstellung der Schulen müsse bis Ende April erfolgen, mit einem Genehmigungsbescheid könne die Gemeinde dann Ende Juni/Anfang Juli rechnen.

Muss der Schulsprengel geändert werden?

Und dann gibt es viel zu tun. Denn während es in der Lentner-Schule Platz für die Betreuung gibt, wird es in der Alfons-Peter-Schule eng. Container aufzustellen, damit hatte nicht nur Herbert Salzmann (SPD) „ein Problem“, zumal seines Empfindens nach die Schülerzahlen zurückgegangen sind. 30 000 Euro Miete kosten solche Container im Jahr, davon könne man einen Neubau unterhalten, sagte der Rathauschef. Alles in allem einigte man sich darauf, alle Räume auszulasten, bis klar ist, ob sich ein Neubau lohnt.

Diesem Vorgehen pflichtete Jochen Böhm, Leiter der Mittelschule, bei. Dort wurde vor fünf Jahren die Ganztagsschule eingeführt. „Wir merken, dass der Zulauf vom Personal abhängig ist“,so Böhm. 16 bis 25 Jugendliche würden im Schnitt betreut. „Wir sind das langsam angegangen und ich finde, dass man zunächst alle Ressourcen nutzen sollte, bevor man anbaut.“ Norbert Merk (CSU) merkte an, dass man über den Schulsprengel nachdenken müsse – wenn in einer Schule mehr Platz ist, als in der anderen, wäre die Umverteilung eine Möglichkeit.

Vorschläge, die Erna Lindauer, Rektorin Alfons-Peter-Grundschule, die Zornesröte ins Gesicht trieb. Sie erhob sich aus den Zuschauerreihen und stellte klar: „Wenn es keine zusätzlichen Räume gibt, mache ich die Betreuung nicht. Ich möchte keinen Pfusch von Anfang an.“ Für die Raum-Regelung sei der Marktrat zuständig, wischte Asam den Einwand weg.

Die Kosten für solch ein Ganztagsangebot sind laut Marktkämmerer Christian Hollrieder überschaubar. Es handle sich nur um die Bezahlung des Personals „und no a bissl was“.

Der Träger

Auch ein Träger ist für die OGTS schon gefunden. Wie berichtet, hatte die Caritas ihren Hut in den Ring geworfen. Ebenso auch die Kinderhilfe Oberland. „Wir haben uns dann für letztere entschieden“, so Michael Asam auf Nachfrage. Zwar habe die Caritas in dem Bereich mehr Erfahrung – sie bietet im Landkreis neun weitere Betreuungsformen an – die Kinderhilfe sei vor allem aber fachlich und pädagogisch qualifiziert. Sie ist Mitglied der Diakonie, gehört zu Herzogsägmühle. In Peiting betreibt die Kinderhilfe bereits mehrere Einrichtungen.

Rubriklistenbild: © dpa

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