Für diese Form des Neubaus hat sich der Gemeinderat am Dienstag entschieden.

Marktgemeinderat Peiting

Geplanter Marienheim-Neubau: Standort sorgt für Diskussionen

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Ein Neubau auf der grünen Wiese soll den Verbleib des Marienheims in Peiting sichern. Der angedachte Standort gegenüber des neuen Friedhofs hat am Dienstag im Gemeinderat für eine hitzige Debatte gesorgt – vor den Augen der zahlreich erschienenen Anwohner. Die stehen dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Peiting – Vor Sitzungsbeginn war erstmal Stühleschleppen angesagt. Rund 50 Besucher drängten in den Sparkassensaal, darunter viele Anwohner aus dem Wohngebiet an der Bühlachstraße. Wie berichtet, soll dort, gegenüber des neuen Friedhofs, auf einem gemeindlichen Grundstück der Neubau für das in die Jahre gekommene Marienheim an der Bahnhofstraße entstehen. So hatte es der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen beschlossen. Die Gemeinde stellt dabei nur den Grund, Bauherr ist die Arbeiterwohlfahrt, die die Trägerschaft des Marienheims übernehmen soll. In der Sitzung am vergangenen Dienstag sollte es nun erstmals öffentlich um die Frage gehen, wie eine Bebauung auf der bislang für eine Friedhofserweiterung vorgesehenen Fläche aussehen könnte. Ein erster Vorschlag war im Gremium durchgefallen. „Wir haben den Architekten deshalb gebeten, noch andere Varianten zu entwickeln“, sagte Bürgermeister Michael Asam.

Die große Herausforderung, die es für das Architekturbüro „Höss Amberg & Partner“ bei der Planung für den Neubau des Marienheims zu stemmen galt, war die Topografie. Das auserwählte Gelände gegenüber des neuen Friedhofs steigt von West nach Ost stetig an. Bei solch einem Höhenunterschied bestehe die Schwierigkeit, dass ein Gebäude für 70 Personen entweder in der Erde verschwinde oder zu hoch werde, sagte Architekt Peter Flickinger. Drei Varianten hatten er und sein Team ausgearbeitet. 

Architekt stellt drei verschiedene Varianten vor

Die erste sah zwei ineinander verzahnte, u-förmige Gebäude vor mit einem schützenden Innenhof, in dem sich die Bewohner frei bewegen könnten. Nachteil: „Es wird sehr breit.“ Noch wuchtiger fiel der zweite Vorschlag aus, der drei längliche Gebäudeteile vorsah. Zudem würde der Innenraum in diesem Fall eher Krankenhauscharakter haben, wies Flickinger hin. „Für das Klientel der Einrichtung ist das keine Ideallösung.“ 

Auf diesem Hanggelände gegenüber des Friedhofs soll das neue Marienheim entstehen.

Blieb noch Variante drei. Diese brachte mit ihrer Bauform aus Architektensicht die meisten Vorteile mit sich. Dank der s-förmigen Anordnung fiele hier der Eingriff ins Gelände am geringsten aus, und es ließe sich sowohl ein beschützender Innenhof verwirklichen, als auch ein Gartenhof mit überdachtem Wandelgang. Nicht vermeiden ließe sich allerdings auch in dieser Variante, dass das Gebäude Richtung Wohnbebauung drei Geschosse aufweise.

Angst, dass es mit neun Metern Höhe zu wuchtig wirke, wie Hermann Mödl (BVP) kritisierte („Das erschlägt einen“), müsse man aber nicht haben, betonte Flickinger. Schließlich stehe das Gebäude im Gelände. Geparkt werden soll laut Planung auf einer Stellfläche nördlich des Gebäudes. Auf Anregung von Thomas Elste (Grüne) soll allerdings noch der Bau einer Tiefgarage geprüft werden. Ein Vorstoß, den auch Norbert Merk (CSU) begrüßte, um weniger Fläche zu versiegeln.

Neubau am alten Standort gefordert

In der folgenden Diskussion ging es freilich weniger um die drei Varianten, als um den Standort an sich. „Es ist wichtig, dass die Einrichtung erhalten bleibt, aber noch wichtiger wäre es, dass sie an der jetzigen Stelle bleiben kann“, sagte Alfred Jocher (Unabhängige). Von den Besuchern gab’s dafür donnernden Applaus, den sich der Rathauschef sofort verbat. „Wir sind hier nicht im Wirtshaus, sondern wollen eine sachliche Diskussion führen.“

Man habe alle Möglichkeiten geprüft für einen Abriss und Neubau auf dem jetzigen Gelände. „Das wäre sicher die vernünftigste Lösung. Leider geht es nicht.“ Sowohl eine ersatzweise Unterbringung der Bewohner im früheren Krankenhaus Peißenberg als auch das Aufstellen von Containern sei in den vergangenen Monaten untersucht worden. Ersteres sei an den nicht geeigneten Räumlichkeiten gescheitert, zweiteres an den immensen Kosten. „Solche Container kosten 1,2 Millionen Euro.“

Thomas Elste (Grüne) schlug vor, dass die Gemeinde die zusätzlichen Kosten für eine solche Lösung übernehmen könne, schließlich plane man ja für die nächsten 40 Jahre. Da dürfe man nicht nur schauen, was am günstigsten sei, argumentierte er. Da der Bau nicht Sache der Gemeinde sei, könne man die Kosten für die Container nicht einfach umlegen, antwortete Asam. Für Gerhard Heiß (CSU) kam ein Abriss ohnehin nicht in Frage. Das Marienheim sei ein ortsprägendes Gebäude. „Das ist erhaltenswert.“

Dass ein Umzug in einen Interimsbau auch aus therapeutischer Sicht problematisch wäre, gab Einrichtungsleiter Franz Straif zu bedenken. „Das ist eine große Strapaze für die Bewohner und aus meiner Sicht unrealistisch.“

Was passiert mit dem AWO-Seniorenzentrum?

Auch Herwig Skalitza (CSU) bedauerte, dass der Wunsch nach einem Verbleib im Ortszentrum nicht umsetzbar sei. Während man aber beim Marienheim gut mit der Randlage leben könne, wäre dies im Fall des AWO-Seniorenzentrums ein Problem. Denn auch für diese Einrichtung läuft die Betriebserlaubnis in absehbarer Zeit aus, es muss neu gebaut werden. Skalitzas Vorschlag: Warum das Altenheim nicht auf dem Grundstück des Marienheims errichten? „Das überrumpelt mich jetzt“, sagte Cornelia Emili, Vorsitzende des AWO-Bezirksverbands, die der Sitzung beiwohnte. Man werde dies prüfen, versprach sie. Davor müsste die Gemeinde das Grundstück freilich erst einmal erwerben. Mit der Eigentümergesellschaft sei bereits gesprochen worden. „Sie würden es uns anbieten“, so Asam. Damit sei auch ausgeschlossen, dass es zum Spekulationsobjekt werde.

Als kompletter Gegner eines Neubaus am Bühlach zeigte sich Andreas Barnsteiner. Wegen des schwierigen Bodens und der Eingriffe ins Gelände sei das ganze eine teure Sache. „In einem solchen Bereich hat so ein Gebäude nichts verloren.“ Auch ärgerte den BVP-Rat, dass ein solch einschneidendes Projekt im Hauruckverfahren wegen des Termindrucks – die Betriebserlaubnis läuft im August 2022 ab – durchgedrückt werde. Diesen Vorwurf wies Asam jedoch von sich. Man habe ausführlich über das Grundstück gesprochen und mit großer Mehrheit entschieden“, sagte Asam. „Da muss man bei der Wahrheit bleiben.“ Auch Norbert Merk (CSU) und Herbert Salzmann (SPD) erinnerten an den Grundsatzbeschluss, der hinter verschlossenen Türen gefallen war.

Deutliche Mehrheit gibt grünes Licht

Am Ende votierte das Gremium gegen zwei Stimmen für die Variante drei. Weil die Skepsis unter den Anliegern groß ist, wie sich während der Sitzung zeigte, plant die Gemeinde laut Bürgermeister für sie eine Informationsveranstaltung. Der Gedankenaustausch mit Einrichtungsleiter Franz Straif werde am 26. November im Marienheim stattfinden, kündigt Asam an. Generell bräuchten die Anwohner aber keine Bedenken wegen der Bewohner des Neubaus zu haben, zumindest in diesem Punkt waren sich die Räte einig.

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