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An den tragischen Tod des damals zehnjährigen Georg Bleichner vor 75 Jahren erinnert das Kreuz im Biotop am Unterfeldweg in Peiting. 

Granate tötet zehnjährigen Peitinger

Schlichtes Holzkreuz erinnert an schlimmes Unglück vor 75 Jahren

Den 29. Mai des Jahres 1945 werden Franz und Siegfried Bleichner aus Peiting nie vergessen. An diesem Tag verunglückte ihr Bruder Georg in der Nähe ihres Elternhauses durch eine explodierende Granate, auf die er versehentlich getreten war. Bei der Granate handelte es sich wohl um einen Blindgänger vom Sperrfeuer in der Nacht vom 27. auf den 28. April kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in der Region.

Peiting– Unweit des Nordbahnhofs in Peiting entstand in den vergangenen Jahrzehnten am Unterfeldweg ein idyllisches kleines Erholungsgebiet mit einer Schrebergartengemeinschaft und einem kleinen Wäldchen. Dass dies neben dem künftigen Baugebiet Drosselstraße als grüne Lunge erhalten bleibt, darüber freuen sich nicht nur die Anlieger der „Vogelsiedlung“, sondern auch die Immen, die dort in zwei Bienenhäusern beheimatet sind.

Mit ausschlaggebend war für den Grundstücksbesitzer Franz Bleichner die Kindheitserinnerung an den tragischen Unfalltod seines Bruders Georg, der damals zehn Jahre alt war: Knapp nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren an jenem 29. Mai 1945 die drei Buben Georg, Franz (sieben Jahre) und Siegfried (vier Jahre) damit beschäftigt, vom nahe des Elternhauses gelegenen Kartoffelacker Steine zu klauben. Ihr Vater Xaver hatte ihn umgegraben, bevor er im Kohlenbergwerk zur Schicht einfuhr.

Kurz nachdem Georg zwischendurch zum Austreten ins Gebüsch ging, gab es eine gewaltige Explosion. „Mein Bruder Siegfried und ich liefen zu Georg und sahen ihn da leblos liegen“, erinnert sich Franz Bleichner noch gut an den Schrecken. Sie eilten sofort zur Mutter, die dann zur Unglücksstelle kam und den Gendarmerieposten Peiting alarmierte.

„Der Knabe lag in stark verstümmelten Zustand in unmittelbarer Nähe eines 15 bis 20 Zentimeter tiefen Sprengtrichters im Durchmesser von rund 70 Zentimetern. Neben erheblichen Verletzungen am linken Knie steckte in der Brust des leblosen Körpers ein offenbar von einer Granate herrührendes, zusammengeknülltes, etwa faustgroßes Blechstück.“ So steht es im Polizeibericht.

Geschoss stammte vermutlich von SS-Flakstellung am Galgenbichl 

Franz Bleichner vermutet, dass der Blindgänger von der SS stammte, die gegenüber der Bahnlinie am Galgenbichl eine Flakstellung aufgebaut hatten und in Richtung Schongau schossen. Von dort her kamen die Amerikaner.

Peitings damaliger Bürgermeister Heinrich Barnsteiner notierte in seinem Tagebuch, dass noch am 28. April SS-Trupps die Bevölkerung wegen der Weiß-Beflaggung bedroht hatten. Wie er berichtet auch der damalige Peitinger Pfarrer Edmund Eimann, dass Peiting vom 27. April von nachts 22 Uhr bis Samstagfrüh um 6 Uhr mit Artilleriesperrfeuer belegt und rund 15 Häuser beschädigt wurden. Als am Sonntag darauf ein Amerikaner gleich 2385 damalige Reichsmark in den Klingelbeutel warf, wurde diese Summe zum größten Teil an die Schadenleider verteilt. „Übrigens beharren viele bei der Meinung, dass jenes Sperrfeuer nicht von den Amerikanern herrührte, sondern von der SS“, vermerken Eimann und Barnsteiner.

Dieser Ansicht ist ebenso Franz Bleichner, der sich noch gut an die Paletten mit Granaten bei der Flakstellung erinnern kann. Ihn verwundert bis heute, dass die Granatsplitter nicht sichergestellt wurden.

Heute erinnert ein schlichtes von Kapellmesner Josef Hiemer geschaffenes Holzkreuz an den tragischen Unfalltod des damals zehnjährigen Georg Bleichner. Es stand einst im Friedhof bei Maria Egg und wurde nach Neugestaltung der Grabstätte an den Ort des Geschehens versetzt.

Bruder Franz pflanzte dazu drei Birken. Leider wurde die Christusfigur schon zweimal mutwillig zerstört, so dass man vorerst nur noch ein schlichtes Kreuz belassen hat. 

 GERHARD HEISS

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