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Viele seiner alten Postkarten hat Gunnar Prielmeier laminieren und vergrößern lassen. Sie waren vor zwei Jahren in einer Ausstellung zu sehen.

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Peitinger sammelt alte Postkarten - und steht vor einem Rätsel

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Der Peitinger Gunnar Prielmeier frönt einer besonderen Leidenschaft. Der 60-Jährige sammelt alte Postkarten aus seinem Heimatort. Über 400 der rechteckigen Zeitzeugnisse hat Prielmeier mittlerweile zusammengetragen. Sie bieten spannende Einblicke in die Vergangenheit der Marktgemeinde.

Peiting – Gunnar Prielmeier sitzt am großen Esstisch in seinem Haus. Behutsam blättert der 60-Jährige durch einen Stapel laminierter Bilder, den er aus einem Pappkarton hervorgeholt hat. Es sind vergrößerte Aufnahmen alter Postkarten, die der Peitinger mit emsiger Leidenschaft sammelt. Sie alle haben eines gemein: Jede von ihnen erzählt eine ganz eigene Geschichte aus der Vergangenheit der Marktgemeinde.

Alles begann vor zehn Jahren, als sich Gunnar Prielmeier eine besondere Gelegenheit bot. Ein Peitinger bot seine Sammlung alter Postkarten aus dem Altlandkreis zum Kauf an. Das Interesse des Lehrers für Pflegeberufe war sofort geweckt. Die Historie seine Heimatorts habe ihn schon immer interessiert, sagt der 60-Jährige. Wie zum Beweis zeigt er auf die fünf Bände der Peitinger Chronik, in der Altbürgermeister Karl Fliegauf die jüngere Geschichte der Marktgemeinde zusammengetragen hat. Akribisch hat sie Prielmeier studiert, vor allem die darin enthaltenen Fotos faszinieren ihn. Weniger wegen den darauf abgebildeten Menschen, sondern um der Gebäude willen. „Es sind die Häuser, die bleiben.“

Gunnar Prielmeier besitzt über 400 alte Postkarten: So kam der Peitinger zu seiner Sammelleidenschaft

700 Euro investierte Prielmeier in die gesammelten Werke des Peitinger Postkartenliebhabers. Rund 1000 Exemplare wechselten den Besitzer. „Eigentlich haben mich nur die Peitinger interessiert“, sagt Prielmeier. 150 Postkarten ließen sich der Marktgemeinde zuordnen. Damit war die Sammelleidenschaft des 60-Jährigen entfacht. 250 weitere Postkarten mit Peitinger Motiven hat Prielmeier seitdem aufgetrieben. Die meisten Geschäfte fädelt Prielmeier über das Internet ein. Je nach Zustand und Motiv werden die Postkarten dort zwischen einem und 40 Euro gehandelt. Manche Karten haben einen langen Weg hinter sich, ehe sie in den Ordnern des Peitingers landen. Hamburg, Österreich – selbst in den USA ist der 60-Jährige schon fündig geworden. Die ältesten Exemplare stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Manche Karten sind nie abgeschickt worden, andere geben Einblick in das Leben ihrer Verfasser – sofern sich die Texte entziffern lassen. Viele sind in altdeutscher Schrift verfasst, andere in Steno. „Die Sprache muss man erst wieder lernen“, sagt Prielmeier.

„Gruss von der Schlossberghütte“ verschickte 1897 ein gewisser Bernhard. Ein Beweis, dass die 2015 abgebrannte Hütte früh ein beliebtes Ausflugsziel war.

Doch um den Inhalt geht es dem Peitinger gar nicht so sehr. Vielmehr interessieren ihn die abgebildeten Motive. Er greift zu einer Schwarz-Weiß-Ansicht. Sie zeigt eine Häuserzeile. Man kann einen Tengelmann-Laden erkennen, ebenso eine Esso-Tankstelle vor einem Autohaus. „Wissen Sie, wo das ist?“, fragt Prielmeier, ehe er einen Tipp gibt. „Der Wegweiser verrät’s.“ Es ist die Kreuzung am Weilheimer Hof, die heute nicht nur wegen des Kreisverkehrs ganz anders aussieht als auf der Aufnahme aus den Jahren um 1960. Die Geschäfte sind längst verschwunden, ebenso wie das „Schalk-Haus“, das sich rechts im Hintergrund erkennen lässt. „Es wurde für die Verbreiterung der Straße abgerissen“, erklärt Prielmeier. Aber noch heute heiße die Stelle unter den Einheimischen Schalk-Eck.

Hätten Sie’s erkannt? So sah die Kreuzung am Weilheimer Hof früher einmal aus.

Peitinger sammelt alte Postkarten: „Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit“

Es sind Geschichten und Einblicke wie diese, die Prielmeier ins Erzählen kommen lassen. Wenn er alte Motive von Straßenzügen auf Postkarten entdecke, dann fange er an, jedes Detail zu untersuchen. Welche Gebäude sind darauf zu sehen? wie haben sie sich über den Lauf der Zeit verändert? Gibt es sie heute überhaupt noch? „Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit“, sagt der 60-Jährige schmunzelnd. Oft verbergen sich hinter den Häusern ganze Familiengeschichten.

Wie heute waren auch schon früher Luftbilder ein beliebtes Postkartenmotiv. Sie zeigen am deutlichsten, wie rasant sich die Marktgemeinde in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Prielmeier zeigt auf eine Aufnahme aus dem Flugzeug. „Da war die Basiliwiese noch am Ortsrand“, sagt er, während er auf die freie Fläche neben dem Wellenfreibad deutet. Gut zu erkennen seien auch die direkt daneben liegenden Barracken, in denen damals Kriegsflüchtlinge wohnten.

Peitinger sammelt alte Postkarten: Manche Motive wurden besonders oft fotografiert

Manche Objekte wurden über den Lauf der Zeit besonders oft fotografiert. Die frühere Mädchenschule etwa, das Rathaus, die Lourdes-Grotte. Auch der Blick vom Kalvarienberg hinab, sei einbeliebtes Motiv gewesen, hat Prielmeier festgestellt. Nicht immer nahmen es die Ersteller mit der Wahrheit genau. Auf einer Postkarte, die den Gasthof Lamprecht zeigt, sind im Hintergrund Berge zu sehen, die aus der gewählten Perspektive des Malers gar nicht da sein dürften, erklärt der 60-Jährige grinsend.

Auf manchen Bildern finden sich auch Dinge, die über die Jahre aus der Öffentlichkeit verschwunden sind wie der Brunnen am Hauptplatz. Prielmeier zeigt eine Postkarte, auf der dieser gut zu erkennen ist. „Leider ist er verschütt gegangen“, bedauert der 60-Jährige. Dafür konnte Prielmeier dank seiner Postkarten ein anderes Rätsel lösen. Auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1908 waren steinerne Stempen vor dem ehemaligen Gasthof Zur Post zu erkennen. Im Doswald in Schongau entdeckte sie der Peitinger vergangenes Jahr durch Zufall wieder. Sie sollen bald an ihren angestammten Platz vor dem heutigen Sparkassenhaus zurückkehren.

Bilderrätsel: Wer kennt diese alten Peitinger Häuser?

Zuerst war Gunnar Prielmeier skeptisch, als er seine beiden neuesten Errungenschaften auspackte. Doch mittlerweile ist er überzeugt, dass es sich bei den Aufnahmen auf den alten Postkarten um Peitinger Gebäude handelt. Fotografiert worden seien sie kurz nach dem Ersten Weltkrieg, doch ob und falls ja wo sie stehen, habe er noch nicht herausgefunden, sagt Prielmeier. Deshalb hofft er jetzt auf Hilfe durch die Leser der Schongauer Nachrichten.

Wo steht dieses Haus? Das möchte der Peitinger Gunnar Prielmeier gerne wissen.

Hinweise nimmt er unter 0176/55908465 entgegen. Als Belohnung winkt eine kleine Überraschung.

Auch bei diesem alten Peitinger Haus weiß Gunnar Prielmeier nicht wo es steht.

Lesen Sie auch: Die Herzogsägmühle ist um eine Attraktion reicher. Dort wurde jetzt eine Schaukel für Rollstuhlfahrer in Betrieb genommen. Es ist die erste im Landkreis Weilheim-Schongau und zugleich ein weiterer Schritt, um Barrieren für Menschen mit Behinderung abzubauen.

Außerdem interessant: Am Mittwoch um 16.40 Uhr kommt die Nachricht: Ralf Schnabel ist am Nordkap angekommen. Mit dem E-Bike war er 28 Tage lang unterwegs - fürs Gemeinwohl.

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

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