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Waldbegehung bei Birkland: Sonja Scheurer (Revierleiterin Schongau-Ost im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), Andreas Schmid (Waldbesitzervereinigung Schongau) zeigen die Pfahlwurzel einer jungen Weißtanne.

Gemeinsame Begehung mit Waldbesitzervereinigung Schongau

Heimische Tanne sichert unsere Zukunft

Die Weißtanne ist im Alpenvorland heimisch, kommt mit verschärften Klimabedingungen klar und bietet dem Ökosystem Wald einen sicheren Überbau. Wenn man ihr jetzt empor hilft. Darum ging es jetzt bei einer Waldbegehung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Waldbesitzervereinigung Schongau.

Birkland – Einen Kilometer südlich von Birkland stehen an die zehn Waldbesitzer unter riesigen, alten Weißtannen und staunen. Nicht häufig sieht man Tannen, die so alt sind – etwa 150 Jahre. Und Samen produzieren. Und einen gleichbleibend starken Stamm haben, selbst, wenn man den Kopf in den Nacken legt, nach oben schaut und ihn mit Blicken verfolgt.

Die Fichte fällt mit der Klimaerwärmung aus

„Mit der Klimaerwärmung wird die Fichte, die 90 Prozent unserer Wälder ausmacht, kubikkilometerweise ausfallen“, erklärt Sonja Scheurer, Schongauer Försterin im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Weilheim. Denn die Fichte hat tellerförmige Wurzeln. Deshalb kommt sie nicht mit dem prognostizierten Klimaszenario in 50 bis 100 Jahren klar.

Denn: Stürme, Hitze und Niederschlagsmengen an drei Tagen, wie man sie heute nur in drei Monaten kennt, sind im Jahr 2100 an der Tagesordnung. „Die Weißtanne aber hat eine Pfahlwurzel. Sie kommt durch die härtesten Lehmböden durch und ist gut verankert gegen den Sturm“, so Scheurer.

Waldbesitzer sollen ihren Wald klimatolerant machen

Das Land fördert Waldbesitzer, die heute ihren Wald zukunftstauglich klimatolerant machen. Und zwar mit einheimischen, nicht exotischen Bäumen. 1100 Euro gibt es pro Hektar Wald, den man zu einem Drittel in Weißtanne, Buche und Ahorn umwandelt.

Die Weißtanne ist jedoch schwierig zu pflanzen: Zum einen mag sie keine Freiflächen, da sie sonst der Spätfrost leicht heimsuchen kann. Sie braucht stattdessen Baumgruppen. In die lehmigen Böden ist außerdem ihre Pfahlwurzel schlecht einzupflanzen, die sie aber, gerade gewachsen, dringend braucht, um in 100 Jahren möglichen Orkanen zu trotzen. Das Beste sei daher, die natürliche Aussamung zu unterstützen, so Scheurer.

Die Gruppe bei der Waldbegehung wandert weiter zum nächsten kleinen Wunder: Ein weitflächiges Areal mit 100 Prozent Weißtannen, alle Bäume auf ungefähr 1,30 Metern Höhe. Ein solch großes Areal vor Wild-Verbiss zu schützen, sei nicht leicht, sagt die Försterin. Daher gibt es rote und blaue Plastikklemmen, die man zwei Mal im Jahr hochschieben muss. Und das so lange, bis die Bäume aus der dem Reh zugänglichen Zone von 1,30 Metern Höhe hinausgewachsen sind. Das kann bis zu sechs Jahre dauern – oder länger.

Ein Waldbesitzer hat jedoch eine andere Möglichkeit gefunden: Er hat seinen Bruder Josef Schilcher beauftragt, der Jäger ist, die natürlich ausgesamten Weißtannen zu schützen. „Wenn man sich als Waldbesitzer mit den Jägern abstimmt, kann man eine Synergie erzielen“, sagt Josef Schilcher. „Einmal für eine Stunde in den Wald fahren und mit einem erlegten Reh nach Hause kommen, so geht das hier jedoch nicht.“

Viel Zeit, Geduld und Nachsicht gehören dazu, das Gebiet das ganze Jahr über zu beobachten, Spuren zu lesen. Das Wild nicht um des Schießens Willen zu jagen, sondern zum Schutz bestimmter Pflanzen und Baumgruppen. In diesem Fall der Weißtanne. Das wäre ein günstiger Lösungsweg, den Scheurer vorschlägt.

Die Menschen informieren und zum Handeln bewegen

Die Behörden und die Waldbesitzervereinigung Schongau (WBV), ein forstwirtschaftlicher Dienstleister in Peiting, haben dafür viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn 50 Prozent der Wälder befinden sich in Privatbesitz. 1300 Waldbesitzer betreut Andreas Schmid von der WBV. Informieren müssen er und seine Mitstreiter, und die Menschen zum Handeln bewegen.

Für die, die ihren Wald nicht selber bewirtschaften möchten, übernimmt Schmid die ausführende Arbeit. In Polling, Peißenberg, Wielenbach, Tannenberg, Altenstadt und einigen weiteren Gebieten gibt es alte Weißtannen, die gesund sind und samen können. Sie gehören etabliert.

Die Kunst ist, den „Brotbaum“ Fichte, nach deren günstigem Preis die Industrie fragt, zu halten und den „Baum der Zukunft“, die Weißtanne, parallel wachsen zu lassen. Die Weißtanne hat nach den Worten der Experten in der Holzverwendung viele Möglichkeiten, auch wenn sie länger trocknet als die Fichte. Blockhäuser, Dachstühle und Möbel, sogar das Nischensegment Geigenbau seien auf die Weißtanne gekommen: „Die Japaner importieren Weißtanne, weil sie das weiße Holz, das nicht nachdunkelt, für ihre Totentafeln brauchen“, erklärt Andreas Schmid.

An den Stegen des Walchensees sieht man eine weitere Verwendung: Das Holz der Weißtanne ist unter Ausschluss von Sauerstoff langlebig. Circa 200 Jahre hält es.

Kathrin Schäfer


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