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Leckeres aus dem Napf gibt es für die Igel-Mama und das Igel-Kind bei Brigitte Schmitt in Schongau. Es muss aber das richtige Futter sein.

Ratschläge vom Experten

Igel im Garten? Diese Tipps sollten Sie beherzigen

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Herbstzeit – Igelzeit. Zahlreiche Igel-Bilder aus Gärten im Landkreis haben die Redaktion in den vergangenen Tagen erreicht. Doch wie füttert man einen Igel richtig? Wann darf und sollte man einen Igel ins Haus holen? Und wann ist ärztlicher Rat vonnöten?

Peiting – Sie sind ja so süß, die kleinen zarten Kinder-Igelchen, die gerade im heimischen Garten herumwuseln. Die brauchen doch bestimmt ein bisschen leckere Milch zum Großwerden. „Nein, bloß keine Milch!“, warnt Tierarzt Michael Schneider, der eine Praxis in Altenstadt betreibt. Dass der Igel Milch liebt: ein Ammenmärchen. Stattdessen bekommt er davon Durchfall.

Stattdessen empfiehlt der Tiermediziner Igelfutter. „Wem das zu teuer ist, der kann auch Katzenfutter bereitstellen – nass oder trocken.“ Ein Nachteil: Daran könnte auch des Nachbars Schmusetiger Gefallen finden.

Schneider betont, wie wichtig es gerade in diesem Jahr ist, die Igel im eigenen Garten aufzupäppeln: „Die Igel haben in diesem Jahr erst sehr spät zum zweiten Mal geworfen.“ Schneider führt das auf den nass-kalten Monat Mai zurück. Die Folge: Viele Igel-Babys werden den Winter nicht überleben, wenn der Mensch hier nicht eingreift.

Schneider füttert gerade selbst zwei Igel auf der Terrasse. „Einer hat sogar schon an der Jalousie geklopft.“ So niedlich das klingt, so ernst ist es dem Mediziner zu betonen, dass ein Igel nur ins Haus geholt werden darf, wenn er unter 500, 600 Gramm wiegt, krank oder verletzt ist. Schließlich steht der Igel unter Naturschutz.

Bei einer Altenstadterin kommt diese Igelfamilie regelmäßig zur „Brotzeit“.

Schneider hat in Sachen Igel schon so einiges erlebt. Das 250-Gramm-Packerl zum Beispiel, das er zwei Tage vor Weihnachten im Garten unterm Vogelhaus gefunden und gepäppelt hat. „Die Tage hat mir jemand ein Igelchen mit nur 90 Gramm in die Praxis gebracht.“ Schneider verlangt für die Behandlung von Igeln nichts, so handhabt der Tierarzt das übrigens bei allen Wildtieren.

Wer sich tatsächlich einen Igel ins Haus holen möchte, der kann eine Kiste oder einen Käfig in einen Raum stellen, der mindestens zehn Quadratmeter hat und dem Igel genug Platz für nächtliche Exkursionen lässt. Davor sollte er einmal entwurmt werden, ebenso müssen Flöhe oder Zecken entfernt werden. Igel-Liebhaber sollten hier keinesfalls Mittel einsetzen, ohne ihren Tierarzt zu befragen. Bestimmte Mittel, wie zum Beispiel „Frontline“, könnten zum Tod der kleinen Igelchen führen.

Wann muss der Tierarzt den Igel durchchecken? Ein Indiz dafür, dass der Igel im heimischen Garten krank ist: „Er rollt sich nicht mehr richtig zusammen.“ Aber auch ein tagaktiver Igel ist oftmals gesundheitlich stark angeschlagen.

Übrigens: Der 90-Gramm-Igel, den Dr. Michael Schneider auf den Behandlungstisch bekommen hat, hatte auch noch eine Lungenentzündung. Er wird gerade von Kunigunde Kögl in Huttenried aufgepäppelt.

Die gute Nachricht zuerst: Das Igelchen hat sich erholt, gut zugenommen, beißt und stachelt gar seine Artgenossen vom Futternapf weg, berichtet Kögl. Seit jeher päppelt sie auf. Immer wieder werden ihr auch Problem-Igelchen gebracht – in diesem Jahr aus Schongau, Peiting, Altenstadt, Biessenhofen. Acht sind es gerade an der Zahl, die sich in der Werkstatt erholen und ganz aufs Zunehmen konzentrieren. „Einen hab ich bekommen mit 160 Gramm. Der hat es jetzt in drei Wochen auf 600 Gramm gebracht.“ Eine kleine Erfolgsgeschichte aus Huttenried, die auf Igelfutter, Katzennassfutter, aber auch auf spezieller Aufbaunahrung beruht.

Einmal mehr zeigt sich an dieser Stelle: Wer sich mit Igeln nicht auskennt, der sollte die hilfebedürftigen Exemplare unbedingt in fachkundige Hände geben. Das betont Verena Wendt von der Igelstation Weilheim. „Ohne Medikamente und eine artgerechte Unterbringung werden die meisten Igel den Aufenthalt bei den Leuten nicht überleben.“

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