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Der Kubus, auf dem die Namen von insgesamt 430 zwischen 1934 und 1945 getöteten mittellosen Wanderern und hilfsbedürftigen Jugendlichen stehen, ist das Zentrum des neuen Erinnerungsorts in Herzogsägmühle.

In Herzogsägmühle

Im Gedenken den Opfern ihre Würde zurückgeben

Im Dritten Reich hieß es euphemistisch „Gesundheitspolitik“, als Tausende Männer verfolgt, gequält und umgebracht wurden. Auch der Zentralwanderhof Herzogsägmühle war eine dieser Sichtungsstationen, dort begann oft der Weg in den Tod. An diese Menschen erinnert jetzt eine Gedenkstätte.

Herzogsägmühle – Indem man ihren Namen nenne und das Unrecht ausspreche, gebe man den Opfern etwas Elementares zurück, sagte Peitings Bürgermeister Michael Asam. Zwar nicht die Unversehrtheit oder ihre Gesundheit, die den bis zu 12 000 jungen Burschen und Männern durch die „Gesundheitspolitik“ der Nationalsozialisten genommen wurde. „Wir können ihnen im Gedenken ihre Ehre und Würde zurückgeben“, sagte Asam.

Ein Dutzend Stahlfiguren erinnern schon an jene, die der Selektion zum Opfer fielen

Vor dem Peitnachhof, direkt an der Zufahrtsstraße vom Lech herauf, erinnert ein gutes Dutzend Stahlfiguren an jene Männer und Jungen, die der Selektion durch das Regime zum Opfer fielen. Als Minderleister, Asoziale oder Berufsverbrecher eingestuft, wurden vor allem ärmere Menschen oder auch Arbeitslose und Wanderarbeiter, die der Fürsorge zur Last fielen, sowie „Mischlinge“ der Gesundheitsfürsorge zugeführt.

Von den so genannten Sammel- und Sichtungsstationen wie der Herzogsägmühle, damals unter der Trägerschaft des Wander- und Heimatdienstes der Nationalsozialisten, führte der Weg für viele Männer in Heil- und Pflegeanstalten (so genannte Hungerhäuser), in die Psychiatrie oder direkt ins Konzentrationslager; für 430 Männer führte der Weg aus Herzogsägmühle in den Tod in Folge von Vernachlässigung, fehlender medizinischer Pflege und Ernährung oder Selbsttötung.

Das Unrecht anerkennen

Daran erinnerte die Professorin der Katholischen Stiftungshochschule München-Benediktbeuern, Annette Eberle. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Thematik und begleitet Herzogsägmühle, hatte unter anderem auch Bücher über die 125-jährige Geschichte des Diakoniedorfes herausgebracht. Indem man das Unrecht anerkenne, so Eberle, hole man die Opfer aus ihrer Anonymität und beende den „sozialen Tod“. Eberle hatte auch die Namen und Daten der 430 Getöteten recherchiert, die nun auf dem Kubus stehen.

Jetzt bekommen die Opfer einen Namen

Indem man den Opfern einen Namen gebe, mit ihren Geburts- und Sterbedaten und auch dem Ort, wo sie starben, könne man mit ihnen wieder in Verbindung treten, so Eberle, die exemplarisch für 430 Tote die Geschichte zweier Männer aufzeigte, Xaver Brem und Georg Brönner; der eine als „minderbemittelt“ beim Erbe übergangen und in die Armut geschickt, der zweite Sohn einer jüdischen Mutter.

Tödliche Gefahrenzone für Wanderer und Jugendliche

Erst jüngst, so Annette Eberle, hatte sich auch der deutsche Bundestag mit diesen „Asozialen“, beschäftigt, Opfern, die nie als Verfolgte des NS-Regimes anerkannt wurden. Das könnte sich nun in absehbarer Zeit aber ändern. Im Werk „Der Ort der Erinnerung“ ist ein Ensemble aus Skulpturen und dem Infokubus mit den 430 Namen. „Es soll daran erinnern, dass der Ort der Fürsorge zwischen 1934 und 1945 zu einer tödlichen Gefahrenzone für mittellose Wanderer und hilfsbedürftige Jugendliche wurde“, heißt es. Das Werk „Weiterwandern oder Hierbleiben“ zeigt Skulpturen, die für die Menschen stehen, deren Lebensweg in den Zentralwanderhof Herzogsägmühle geführt hat. Die wandernden Schattenfiguren sind die vielen Überlebenden. Für die Verstorbenen stehen die Schattenfiguren bewegungslos.

Oliver Sommer

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