„3. Oktober – Deutschland singt“ auf dem Hauptplatz in Peiting. Im Bild Bürgermeister Peter Ostenrieder mit dem Peitinger Kinderchor.
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„3. Oktober – Deutschland singt“ auf dem Hauptplatz in Peiting. Im Bild Bürgermeister Peter Ostenrieder mit dem Peitinger Kinderchor.

„3. Oktober – Deutschland singt“ am Hauptplatz in Peiting – Michaeli-Konzert musste dagegen ausfallen

Peiting im Lichtermeer singt für den Frieden

  • vonRafael Sala
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In ein Lichtermeer war der Hauptplatz vor der Kirche in Peiting am vergangenen Samstagabend getaucht: Dutzende Menschen hielten zwischen den festlich aufgestellten Bierbänken Kerzen in den Händen und sangen für den Frieden.

Peiting – Unter dem Motto „30 Jahre Freiheit und Einheit, die deutschlandweite Danke-Demo“, hatten zuvor Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt“ ins Leben gerufen. Bundesweit stimmten Chöre, Bands und alle, die mitfeiern wollten, zeitgleich zehn Lieder an, mit angezündeten Kerzen als Hoffnungszeichen in der Hand.

Peiting war als eine der wenigen Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau mit von der Partei. Dabei sah es nachmittags noch so aus, dass die Veranstaltung wegen des starken Regens und der unwetterartigen Böen platzen würde. Das zuvor anberaumte Michaeli-Konzert jedenfalls musste abgesagt werden. Dann kam aber glücklicherweise doch die Sonne noch zum Vorschein. Trotz der kalten Temperaturen machten sich viele Peitinger, in dicke Jacken eingehüllt, auf den Weg.

„Ich freue mich, dass wir dabei sein dürfen, dass wir dieses wunderbare Ereignis hier feiern dürfen“, sagte Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder in seiner Begrüßungsrede. 30 Jahre Deutsche Einheit, 75 Jahre Frieden in Deutschland – das sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit, vielmehr eine historische Ausnahmesituation, auf die man stolz sein könne, für die man aber auch große Verantwortung trage. Damit sich Gräueltaten und ein Krieg in Deutschland und in Europa nie mehr wiederholten.

„Wir erleben wahrscheinlich die besten 30 Jahre, die dieses Land je hatte“, sagte Ostenrieder fast wortgleich mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der an diesem Tag in Potsdam eine bundesweite Ansprache gehalten hatte. Wie auch Gabriele Kraus vom Helferkreis Asyl in Peiting betonte er, dass Integration in der Gemeinde bestens gelinge.

Schutz- und Asylsuchende fänden in Peiting schnell Anschluss, soziale Strukturen und Netzwerke griffen vorbildlich. Kraus sagte, Integration werde in Bayern kaum so gut gelebt wie in Peiting. Der Helferkreis sei über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Auch Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche lobten die Arbeit des Helferkreises und freuten sich über das soziale Miteinander.

Zwischen den Ansprachen erklangen immer wieder Lieder in den Nachthimmel. Unter der Leitung von Kirchenmusiker Hermann Mergler stimmte der Kinderchor Lieder wie „Die Gedanken sind frei“ an.

Lukman Babajide, der selbst mit seiner Familie in Peiting Asyl gefunden hat und dort wohnt, gab die Klänge vor zu bekannten Liedern wie „We shall overcome“ und „Hevenu Shalom Alechem“, und die Knappschafts- und Trachtenkapelle Peiting erfreute mit frischen Bläserklängen, etwa in „Dona nobis pacem“ oder „Amazing Grace“. Dazu Kerzenschein. Peiting im Lichtermeer.

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