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Die „Schrotthalde in freier Natur“ sorgte einmal mehr für Kopfschütteln im Gemeinderat. In Peiting will man ni cht aufgeben und weiter gegen die Ablagerung auf einem Grundstück neben der Kleingartenanlage kämpfen.

Grundstück an der Kleingartenanlage

Peiting kämpft weiter gegen Auto-Schrottplatz

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Alles Schrott? Oder Abfall? Das ist Definitionssache. Fest steht: Einmal mehr haben abgemeldete alte Autos auf einem Grundstück neben der Peitinger Kleingartenanlage den Peitinger Gemeinderat beschäftigt. Eine Lösung ist indes nicht in Sicht.

Peiting – Wer Gemeinderat Herbert Salzmann kennt, der weiß: Der wird so schnell nicht locker lassen. Darauf kann sich auch schon mal der Besitzer der alten Autos einstellen, über den bislang wenig bekannt ist. Offiziell hat ein Student aus München das Grundstück gepachtet, auf dem die ollen Kisten stehen. Wem die Autos tatsächlich gehören: Das ist unklar. Bei dem Studenten, so vermutet Salzmann, dürfte es sich um einen Strohmann handeln. Die Sache ist dubios.

In der Gemeinde ärgert man sich. Kopfschütteln darüber, dass so etwas überhaupt möglich ist. Einfach ein Grundstück in der Pampa mieten und einen Schrottplatz daraus machen? Offenbar ist das gar nicht so schwer.

Brief des Landratsamts sorgt für Kopfschütteln

Zumindest mag man einem Schreiben glauben, das eine Woche nach der vorletzten Sitzung im Rathaus eingegangen ist. Das Landratsamt teilt bezüglich der Fahrzeuge auf dem Privatgrundstück mit: Es „wurde bereits von uns eine Ortseinsicht durchgeführt. Wir werden deshalb dem Eigentümer durch ein Schreiben darauf hinweisen, dass bei der Lagerung der Autos auf seinem Grundstück sichergestellt sein muss, dass keine umweltschädlichen Flüssigkeiten austreten können bzw. diese ordnungsgemäß aufgefangen werden.“

Was? Das reicht? Jeder kann seinen Schrott in der Pampa abstellen. Vielleicht ein Schüsselchen zum Altöl auffangen darunterstellen. Und fertig? Ungläubiges Kopfschütteln nicht nur bei Hauptamtsleiter Stefan Kort.

Natürlich auch bei Herbert Salzmann, der die Sache ins Rollen gebracht hatte. Er erklärt nochmals auf Anfrage unserer Zeitung, wo das Problem genau liegt: „Die Behörde kann solche Autos nicht einfach abschleppen.“ Denn offiziell gelten die als Abfall.

Tatsächlich hat man es in Peiting geschafft, eines dieser Müll-Autos entfernen zu lassen – das allerdings war auf öffentlichem Grund und Boden gestanden. Das Landratsamt hatte einen roten Aufkleber darauf geklebt und um Entsorgung bis zum 31. Dezember 2019 gebeten. Im März stand die abgemeldete Kiste immer noch am gleichen Platz.

Herbert Salzmann dokumentierte das ganze, die Gemeinde gab das ganze einmal mehr ans Landratsamt weiter – das dann offenbar reagierte. Das Auto kam weg – ein Vierteljahr, nachdem die Frist abgelaufen war.

„Diese Autos waren in ganz Peiting verteilt“, weiß Rat Salzmann. Jetzt lagern sie eben auf besagtem Grundstück. Salzmann hofft, dass sich daran etwas ändern lässt. Hoffnung keimt nach einem Fund im Internet auf. Eine Bekanntmachung der Gemeinde Seeon. Die kämpft offenbar mit ähnlichen Problemen. Und weist öffentlich darauf hin: „Abgestellte Fahrzeuge, die nicht mehr entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimung als Fortbewegungsmittel verwendet werden, sind Abfall und somit Altfahrzeuge.“ 

Dieser „Abfall“ dürfe nicht einfach auf dem Grundstück gelagert werden, sondern müsse verwertet werden. Weiter sei der Halter verpflichtet, das zu entledigende Fahrzeug einer anerkannten Annahmestelle, anerkannten Rücknahmestelle oder einem anerkannten Demontagebetrieb zur umweltverträglichen Entsorgung zu überlassen. Weiter: „Wir weisen weiter darauf hin, dass abgestellte Fahrzeuge auch eine Gefahr für die Umwelt darstellen, wenn aus dem Fahrzeug beispielsweise Öl oder Kühlflüssigkeit austritt.“ Umweltsündern drohe weiter eine strafrechtliche Verfolgung.

Ist das Baurecht der Schlüssel?

Tatsächlich will Geschäftsleiter Stefan Kort nicht so recht daran glauben, dass man den Schrott-Besitzer über diese Schiene packen kann. Für den Hauptamtsleiter rückt hier eher das Baurecht ins Visier – nicht nur, um diesen einen inoffiziellen Schrottplatz beseitigen zu können. Auch, um zu zeigen: In Peiting darf nicht jeder irgendwo seinen Schrott abstellen.

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