Anwohner der Untereggstraße in Peiting auf dem neuen gemeindlichen Lagerplatz für Aushubmaterial.
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Sehen den neuen Lagerplatz der Gemeinde in der ehemaligen Kiesgrube kritisch: die Anwohner der Peitinger Untereggstraße. FOTO: Peters

Untereggstraße

Lärmende Laster im Wohngebiet: Neuer Lagerplatz der Gemeinde Peiting verärgert Anwohner

In der Untereggstraße in Peiting rumort es. Ein neuer Lagerplatz der Gemeinde für Aushubmaterial treibt die Anwohner auf die Barrikaden. Sie ärgern sich über lärmende Lastwagen und fürchten Gefahren für die Gesundheit. Bei der Gemeinde ist man bemüht, die Bedenken zu zerstreuen.

  • Im Mai wurde der neue Lagerplatz für Aushubmaterial in der ehemaligen Peitinger Kiesgrube gebaut.
  • Die Anlieger der Untereggstraße klagen über den dadurch gestiegenen Schwerlastverkehr.
  • Der Bürgermeister will trotz der Proteste am Lagerplatz festhalten.

Peiting – Eigentlich gehört das Wohngebiet an der Untereggstraße in Peiting eher zu den ruhigeren Lagen im Ort. Es gilt Tempo 30, ab und zu fährt mal ein Bulldog hinaus zu den angrenzenden Feldern und Wiesen. Doch seit gut einer Woche ist es mit der Beschaulichkeit vorbei. Schon um 7 Uhr morgens rattern die ersten Lastwagen über die Untereggstraße. Ihr Ziel ist eine riesige Asphaltfläche in der ehemaligen Kiesgrube, direkt neben den neuen Fußballfeldern und der früheren Grüngut-Sammelstelle. Ein Kipper nach dem anderen lädt dort seine Ladung ab. Nach und nach türmen sich Kies und Asphaltreste auf dem Areal auf.

Anwohner sind überrascht über den neuen Platz vor ihrer Haustür

Im angrenzenden Wohngebiet löst der rege Betrieb Erstaunen aus. Denn niemand der Anlieger weiß, was sich dahinter verbirgt. „Wir haben gedacht, dass wird der Parkplatz für die Fußballplätze“, sagt eine Anwohnerin. Der Unmut unter den rund 20 Nachbarn, die sich zum Pressegespräch am Ort des Geschehens eingefunden haben, ist groß. Sie fühlen sich schlecht informiert.

Erst auf Nachfrage bei der Gemeinde habe man erfahren, dass die Asphaltfläche als Lagerplatz für Aushubmaterial genutzt werden solle. Angeblich sei das alles Sondermüll, will eine Anwohnerin wissen und rümpft wie zum Beweis die Nase. Tatsächlich liegt der Geruch von Teer in der Luft, der von einem der Schutthügel aufsteigt.

Der Lastwagen-Verkehr ist für die Anlieger ein großes Problem

Fast noch schlimmer als die möglichen Folgen für die Gesundheit ist für die Anlieger der Lkw-Verkehr. Die 40-Tonner würden nicht nur immensen Lärm verursachen. „Da brauchst nicht mehr in den Garten gehen.“ Sie stellen aus ihrer Sicht auch eine große Gefahr da. Wegen Kindergarten und Altenheim seien in der Untereggstraße viele Kinder und ältere Menschen unterwegs. „Wenn da die 40-Tonner rauf- und runterfahren, ist das megagefährlich“, klagt eine Mutter, die mit ihren Kindern erschienen ist. Zudem gebe es keinen Gehweg, was die Situation zusätzlich verschärfe. Die einhellige Meinung: „30er-Zone, Wohngebiet und Schwerlastverkehr: Das passt nicht zusammen.“

Bei der Gemeinde ist man bemüht, die Bedenken zu zerstreuen. Es werde nichts Gefährliches gelagert, betont Marktbaumeister Fabian Kreitl auf Nachfrage der SN. Es handle sich lediglich um den Aushub von gemeindlichen Baustellen im Ort. So würde auf dem Gelände aktuell Material von der Sanierungsmaßnahme in der Azamstraße gelagert. Zuletzt sei der Asphalt, der im Zuge des Neubaus der Offenen Ganztagsschule entfernt wurde, hinzugekommen, zählt der Marktbaumeister auf. Die Lagerung sei nötig, weil der Aushub nicht weiter verwendet werden dürfe, bis durch eine Untersuchung die Schadstoffbelastung nachgewiesen sei. Je nach Ergebnis gelten dann für den Wiedereinbau des Materials entsprechende Vorschriften, die beachtet werden müssten.

Das Problem: Bis die Beprobung durchgeführt ist und das Ergebnis vorliegt, kann es dauern. Als Gemeinde benötige man deshalb Lagerflächen. Doch die sind nicht so leicht zu finden. Mit dem Problem stehe Peiting nicht allein, betont Bürgermeister Peter Ostenrieder. Auch andere Kommunen würden immer wieder händeringend solche Flächen suchen. In der Marktgemeinde werde bereits ein Grundstück am Bahnhof für diesen Zweck genutzt, zuletzt habe man den Parkplatz des ehemaligen Netto angemietet, der nun aber vom Eigentümer wieder selbst benötigt werde.

Im Dezember hatte der Gemeinderat den Bau des Lagerplatzes beschlossen

Weil wegen der vielen geplanten Bauprojekte der Bedarf in Zukunft eher steigen würde, habe man sich nach Alternativen umgeschaut und sei in der ehemaligen Kiesgrube fündig geworden, so der Bürgermeister. Im Dezember habe der Gemeinderat einstimmig nichtöffentlich den Auftrag für das Herrichten des Grundstücks vergeben. Die Kosten beliefen sich auf rund 200 000 Euro. Die Arbeiten, die im April begannen, waren durchaus aufwendig. So wurde das Areal um mehrere Meter aufgefüllt, damit das Oberflächenwasser ohne Pumpanlage in den Kanal fließen kann. Damit keine Schadstoffe in den Boden gelangen, musste das Gelände mit einer Asphaltdecke versiegelt werden. „Das ist Vorschrift“, so Kreitl.

Bleibt noch der Lkw-Verkehr. Der sei zwar unumgänglich, halte sich normalerweise aber in Grenzen, versichern Bürgermeister und Marktbaumeister. „Mit den beiden Baustellen ist es da zu einer Häufung gekommen.“ Insgesamt seien es rund 20 Fuhren gewesen. Natürlich müsse das Material auch wieder abtransportiert werden. Aber das geschehe nach und nach, wenn es benötigt werde. Und der Lärm? Ein eigenes Schallschutzgutachten hat die Gemeinde nicht in Auftrag gegeben. Kreitl verweist jedoch auf vorangegangene Untersuchungen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens für die Fußballplätze. Darin seien die damals noch vorhandene Grüngutsammelstelle als auch zusätzliche Parkplätze in dem Bereich lärmtechnisch als unbedenklich eingestuft worden, weshalb er die jetzige Nutzung für unkritisch halte.

Auch eine besondere Gefahr für Fußgänger durch den Lastwagen-Verkehr sieht man bei der Gemeinde nicht. Für die Kindergartenkinder habe das ganze eher etwas Positives, findet Ostenrieder. „Die freuen sich, wenn sie so große Laster sehen.“ Die Einrichtung verfüge über einen großen Garten und sei damit auch nicht direkt betroffen.

Bürgermeister will am dringend benötigten Lagerplatz festhalten

Auch die Kritik, dass die Gemeinde nicht informiert habe, weist der Bürgermeister zurück. Man könne schließlich nicht bei jeder Maßnahme im Vorfeld alle Anwohner ins Boot holen. Außerdem sei der Beschluss ja in der öffentlichen Gemeinderatssitzung im Januar bekannt gegeben worden. Dass an der Entscheidung den Anlieger-Protesten zum Trotz so schnell wohl nicht gerüttelt wird, machte der Rathauschef in diesem Zug ebenfalls deutlich. „Für uns ist es eine dauerhafte Lösung, wir brauchen die Lagerfläche.“

In der Untereggstraße wird man das nicht gerne hören. „Das war früher ein so tolles Biotop, was man da nachts alles gehört und gesehen hat“, sagt ein Anlieger und schüttelt den Kopf, während er auf die riesige Asphaltfläche blickt. „Die haben alles kaputt gemacht.“

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Das ging schnell: Nur dreineinhalb Monate, nachdem der alte Peitinger Gemeinderat die Außenbereichssatzung für die Sandgrube zugunsten von mehr Wohnraum geändert hat, hat das neue Gremium den Beschluss wieder gekippt. Grund waren massive Proteste von Behörden und Anwohnern.

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