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Leon Gavanas, der Weltmeister: Der Peitinger nach der Siegerehrung mit Urkunde und Medaille

Kickboxen

Leon Gavanas: Erst Tourist, dann Weltmeister

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Erst war er als Tourist in Athen, hat die Akropolis besichtigt, einen entspannten Tag am Meer verbracht. Dann hat Leon Gavanas aus Peiting zugeschlagen: Der 19-Jährige hat sich zum Kickbox-Weltmeister der Amateure gekämpft.

Peiting/Athen – Ganz leise, fast etwas schüchtern, verkündet Leon Gavanas die sensationelle Nachricht: „Ja, ich habe gewonnen, bin Weltmeister.“ Der 19-Jährige Peitinger hat sich in Athen die Krone im Kickboxen der Amateure aufgesetzt, hat sich bei der Weltmeisterschaft der International Sport Kickboxing Association (ISKA) zum Titel gekämpft.

Zunächst begann das Abenteuer für den Peitinger, der 2016 Deutscher Meister bei den Männern geworden ist, wie eine Urlaubsreise. „Nach unserer Ankunft hatten wir einen entspannten Tag“, berichtet Leon, der in Athen von Vater Dimitrios und Trainer Jürgen Grimbs aus Peißenberg begleitet wurde. „Wir haben die Akropolis besichtig und waren am Meer“, sagt Gavanas, der demnächst eine Ausbildung an einer kaufmännischen Schule beenden wird.

Am nächsten Tag standen das Wiegen und die ärztliche Untersuchung auf dem Programm. Normalität für Gavanas, der als größtes Talent im deutschen Boxsport gilt und galt, dann aber zum Kickboxen wechselte, weil ihm beim Boxen die Gegner ausgegangen sind.

Das Wiegen und die medizinische Untersuchung absolviert Gavanas ohne Probleme. Er ist ein Bär von einem Mann, 1,88 Meter groß, 103 Kilogramm schwer. Ein Musterathlet, der sich seit Monaten akribisch und intensiv auf seinen bisher größten Erfolg vorbereitet hat. Zwei bis drei Trainingseinheiten hat er im Vorfeld pro Tag absolviert. Auch am Wochenende. Hinzu kamen viermal pro Woche Box-Einheiten in Peißenberg plus Kickbox-Training bei Weltmeister Ibrahim Karakoc in Landsberg, zu dessen Team Gavanas gehört.

Im Kampf zuvor hatte er Nehmer-Qualitäten bewiesen, nachdem er nach zwei harten Treffern seines englischen Gegners angezählt werden musste.

Dann wurde es langsam ernst: Am nächsten Tag besichtigte der 19-Jährige die Wettkampfstätte, wo er kurze Zeit später zu seinem bislang wichtigsten Kampf in den Ring stieg: Gavanas bekam es im alles entscheidenden Kampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht mit einem Engländer zu tun. „Dem Turnierfavoriten“, erzählt Gavanas. Der Engländer hatte mit seinen 29 Jahren schon über 300 Kämpfe auf dem Buckel. Gavanas stand – Boxduelle eingeschlossen – um die 70 Mal im Ring.

„Dementsprechend bin ich den Kampf anfangs natürlich mit dem nötigen Respekt angegangen“, berichtet der Peitinger. Und in der ersten Runde schien es auch so, als sollte der erfahrene Engländer für Gavanas eine Nummer zu groß sein: Nach einem Schlag auf den Hinterkopf und einem Kick mit dem Schienbein war Gavanas angeschlagen, musste vom Ringrichter angezählt werden. „Das waren schon harte Treffer“, muss der 19-Jährige zugeben.

Aber er rettete sich in die Pause, erholte sich von den Treffern und veränderte in Absprache mit Trainer Grimbs seine Taktik. Und das sollte sich auszahlen: Gavanas traf seinen Gegner mit dem Bein am Bauch: „Da ist ihm ganz schön die Luft weggegangen“, sagt der junge Peitinger zufrieden.

Die Zeit vor dem Wettkampf nutzte der Peiting, um sich Athen anzuschauen. Ein Besuch der Akropolis gehörte natürlich zum Programm.

Die zweite sowie auch die dritte Runde gingen nach Punkten an Gavanas, der sich somit seinen größten Traum erfüllt hatte: Als neuer Weltmeister im Kickboxen der Amateure riss überstolz und glücklich die Hände in den Athener Nachthimmel.

„Das ist ein wahnsinniges Gefühl, unbeschreiblich, das realisiere ich glaube ich gerade erst, dass ich der beste Amateur-Kickboxer der Welt bin“, sagt Gavanas. Und jetzt klingt seine Stimme wieder etwas leise, fast schüchtern.

Wiederum weltmeisterlich war laut Gavanas die Feier des Titelgewinns: „Ich bin in Athen weg gegangen und habe Party gemacht.“

Wieder zurück in Deutschland realisiert der frisch-gebackene Weltmeister so langsam, was er in Athen geleistet hat. Und die Gedanken gehen natürlich auch in die Zukunft: „Aber ich weiß im Moment noch nicht, was ich machen werde“, sagt der Peitinger. Die Möglichkeit, ins Profi-Lager zu wechseln ist auf jeden Fall eine Option.

So richtig Zeit, sich auszuruhen, sich zu erholen und sich feiern zu lassen, hat Gavanas aber nicht: In wenigen Tagen stehen für ihn die Abschluss-Prüfungen seiner Ausbildung auf dem Programm. Aber die sollten für einen Weltmeister doch leicht zu schaffen sein.

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