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So sieht der Bebauungsplan für das Baugebiet am Hochweg in Peiting aus. In seiner jüngsten Sitzung hat der Marktgemeinderat die Vorgaben für Bauherren gelockert und unter anderem Walmdächer erlaubt.

Bebauungsplan geändert

Mehr Freiheiten für Bauherren am Hochweg: Peitinger Gemeinderat lockert strenge Vorgaben

  • Christoph Peters
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Eigentlich sollte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan des neuen Baugebiets am Hochweg gefasst werden. Doch die Bauinteressenten müssen sich weiter gedulden. Das Gremium beschloss weitreichende Änderungen, was die Vorgaben für die künftigen Bauherren betrifft.

Peiting – 14 Baugrundstücke sollen bekanntlich am Hochweg entstehen. Im September hatte der Gemeinderat die Aufstellung des nötigen Bebauungsplans beschlossen, Anfang April hatte das Gremium die eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange behandelt. Anschließend war die öffentliche Auslegung erfolgt, damit sich auch die Bürger zum geplanten Baugebiet äußern konnten. So ist es im Verfahren vorgeschrieben. Diese Möglichkeit hat nun ein künftiger Bauherr genutzt, um gleich mehrere Änderungen am Bebauungsplanentwurf zu fordern. Wie Geschäftsleiter Stefan Kort in der Gemeinderatssitzung erklärte, habe zwar das Vergabeverfahren der Gemeinde noch gar nicht begonnen. Das gelte aber nicht für die Grundstücke, die beim ursprünglichen Eigentümer verblieben seien. Ein Teil dieser Parzellen sei bereits verkauft worden, klärte Kort auf.

Entsprechend konkret waren die Pläne des Bauherren für sein Haus, auf denen die Änderungsforderungen beruhten. Diese betrafen zum einen die Dachform. Statt dem erlaubten Satteldach soll es ein Walmdach werden, das nicht mit roten Ziegeln wie vorgeschrieben, sondern anthrazitfarbenen eingedeckt würde, da eine Photovoltaikanlage geplant sei. Diese sehe mit rotem Dach „wie ein Flickenteppich“ aus, argumentierte der Bauherr. Auch bei den Garagen sollte der Gemeinderat überprüfen, ob er nicht neben teuren Satteldächern auch Flach- und Schrägdächer zulasse.

Abgrabungen, um Kellerfenster besser zu belichten, sollten nicht nur auf der Südseite, sondern auch in den anderen Himmelsrichtungen zugelassen werden. Und beim Zaun störte sich der Bauherr an der rigiden Festlegung auf Holzzäune. Für seine Forderungen nannte der Bauherr zum Teil Beispiele aus dem benachbarten Wohngebiet „Lexe“.

Marktbaumeister lehnt Wünsche nach Lockerungen ab

Marktbaumeister Fabian Kreitl freilich riet dazu, keinem der Wünsche zu folgen. Man habe sich an den umliegenden Bebauungsplänen orientiert, deren Auflagen strikt durchgezogen worden seien. „Da ist es nicht zielführend, wenn wir hier mit einem Flickerlteppich anfangen.“ Er verwies auf das Ortsbild, das gerade an der Randlage gewahrt werden sollte. Das Satteldach sei im Oberland und speziell im Umfeld die charakteristische Dachform, rot und rotbraun die Ziegelfarben der benachbarten Baugebiete. „Da sollten wir das städtebauliche Gesamtbild wahren.“ Weitere Abgrabungen zu erlauben, erachtete Kreitl ebenfalls nicht für notwendig, und auch beim Zaun hielt er die strenge Regelung für richtig. Holzzäune seien schließlich auch in der „Lexe“ vorgeschrieben, wenngleich Kreitl einräumen musste, dass wegen fehlender Baukontrollen und einzelner Befreiungen die Realität anders aussieht.

Nur in einem Punkt bleibt das Gremium hart

Im Gremium allerdings sah man die Sache ganz anders. Die Wünsche seien nachvollziehbar, sagte Thomas Elste (Grüne), Vorschriften für den Gartenzaun „kleinkariert“. Der Ort entwickle sich weiter, er sei dafür, Bauwerber möglichst wenig zu gängeln. Ins gleiche Horn stieß Norbert Merk (CSU), der auf einen Besuch des Gremiums in Holzhausen am Ammersee verwies. In dem dort besichtigten Baugebiet sei alles möglich gewesen, „das würde ich mir in Peiting auch wünschen“. Marion Gillinger (ÖDP) sprach von „harmonischer Gesamtheit einer Vielfalt“ und plädierte ebenfalls für Lockerungen.

Mit großer Mehrheit befürwortete das Gremium, Walm- und Pultdächer zu erlauben, bei der Dachfarbe haben Bauherren künftig sogar gänzlich freie Hand. Auch Abgrabungen sind auf allen Seiten möglich und beim Zaun künftig auch andere Materialien erlaubt. Nur bei den Garagen blieb das Gremium hart, zumindest Walmdächer sind künftig aber möglich, wenn das Haus eine solche Dachform hat.

Einziger Wermutstropfen für die rund 300 Bauinteressenten auf der Warteliste: Der Satzungsbeschluss kann aufgrund der Änderungen frühestens in der Sitzung in vier Wochen gefasst werden. Erst wenn dieser in trockenen Tüchern ist, startet das Vergabeverfahren.

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