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Ein Streit konnte auch vor Gericht nicht geklärt werden.

Vor Gericht

Messer-Streit nicht endgültig geklärt

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Eine Auseinandersetzung in einer Asylbewerberunterkunft in Herzogsägmühle hat sich zu einem größeren Gerichtsverfahren ausgewachsen.

Herzogsägmühle/München – Eine Messerattacke hat es am 1. Mai 2017 in einer Asylbewerberunterkunft in Herzogsägmühle gegeben. Nachdem sich bei der Klärung des Sachverhalts herausstellte, dass der Täter, ein 22-jähriger Afghane, auch in Richtung Brust eines 34 Jahre alten Mitbewohners aus Nigeria gestochen haben soll, verwies das Amtsgericht Weilheim den Fall an das Landgericht München II. Dort wurde erneut verhandelt – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Rückblick: Im Januar 2018 wurde der Vorfall bereits in Weilheim anverhandelt, dann aber ausgesetzt. Bis jetzt. Da kam alles noch einmal aufs Tapet. Doch dabei drifteten die verschiedenen Versionen der Beteiligten weit auseinander: „Es stimmt, dass wir uns gestritten haben, aber ich habe kein Messer in der Hand gehabt“, sagte der Afghane über seinen Dolmetscher. Er habe nur schlichten wollen, weil sich der Nigerianer mit einem Freund von ihm wegen der Musik-Lautstärke gestritten hatte.

Beteiligte schildern Vorfall ganz unterschiedlich

Der Nigerianer habe ihm einen Faustschlag verpasst, er habe zurück geschlagen und sei dann in sein Zimmer gegangen. Der Widersacher sei ihm hinterher und habe die Tür eingeschlagen.

Der 34-jährige Nigerianer schilderte den Vorfall ganz anders. Als er den Afghanen im Gerichtssaal sah, sagte er gleich – übersetzt aus dem Englischen – „Er ist derjenige, der versucht hat, mich mit dem Messer abzustechen.“ Auch der Nigerianer berichtete von dem Streit wegen der Musik. Einer der „Pakistani“, wie der Nigerianer sagte, habe ihn aufgefordert, seinen Laptop zuzumachen, weil die Musik zu laut sei. „Ich sagte, er hätte einfach sagen können, dass ich leiser machen soll.“

Der andere habe ihn gefragt, warum sein Laptop offen sei. Da habe er gesagt: „Du kannst mir nicht vorschreiben, ob der Laptop offen ist. Du kannst mich nur bitten, leiser zu machen.“ Der andere aber habe den Stecker gezogen, der Nigerianer habe sich aufgeregt, es sei zum verbalen Streit gekommen.

Dann sei der Angeklagte hinzugekommen, und der Streit sei weiter gegangen. Als der 34-Jährige gesagt habe, die beiden sollen sein Zimmer verlassen, habe sich der Gesichtsausdruck des 22-Jährigen geändert. Dieser habe ein Obstmesser vom Kühlschrank genommen. „Bei der Art und Weise, wie er das Messer nahm, wusste ich, der will mich erstechen“, so der Nigerianer. Es sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als wegzulaufen. Der Afghane habe ihn in die Brust stechen wollen, doch weil der Nigerianer hingefallen sei, habe er ihn „nur“ in die Hand getroffen.

Opfer verstrickt sich in Widersprüche

Anschließend verstrickte sich der 34-Jährige allerdings immer wieder in Widersprüche. So sagte er, der 22-Jährige habe in die Wand gestochen – er selbst habe sich dabei weggeduckt. Einmal sprach er von einem Gerangel, dann wieder nicht. Weil der Sachverhalt nicht endgültig geklärt werden konnte, stellte das Landgericht das Verfahren schließlich wegen geringen Verschuldens ein.

Der Afghane, der wegen psychischer Probleme Medikamente nehmen muss, will nun Deutsch lernen und dann arbeiten. Kein leichtes Unterfangen: Der Analphabet, der jetzt in Dießen lebt, muss erst mal lesen und schreiben lernen. „Wenn Sie Ihre Medikamente weiter nehmen, keinen Streit mehr haben und gut Deutsch lernen“, sagte der Richter, „dann winkt die Zukunft“.

Nina Gut

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