Am Dachstein: Frau stürzt in Österreich 300 Meter in die Tiefe - und überlebt

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Verkauft werden die fertigen Sets im Peitinger Naturmarkt. Ariel Minuth (Naturmarkt-Mitarbeiter), Jutta Esser (Rebeutel) und Theodor Schöngarth (Marienheim, v.l.) freuen sich über die erste Lieferung der umweltfreundlichen Plastiktüten-Alternative.

Peitinger Marienheim produziert „Rebeutel“

Mit alten Gardinen gegen Plastikmüll

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Können Patienten einer geschlossenen sozialtherapeutischen Einrichtung etwas zu einer ökologischeren Welt beitragen? Durchaus, wie das Peitinger Marienheim beweist. Dort werden seit vergangenem Jahr spezielle Einkaufsbeutel gefertigt, die helfen sollen, Plastik zu vermeiden.

Peiting– 66 Menschen leben im Peitinger Marienheim an der Bahnhofstraße. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie leiden unter chronischen psychischen Erkrankungen, die so schwerwiegend sind, dass ein Gericht ihre Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet hat. Für die Patienten ist das erhabene Haus mitten in Peiting die Chance auf einen Wendepunkt im Leben. Denn die Zeiten, in denen das Marienheim einzig die Rolle einer Verwahreinrichtung erfüllte, liegen lange zurück. Vor zwölf Jahren habe man mit dem Umbau zur sozialtherapeutischen Einrichtung begonnen, sagt Leiter Franz Straif. Heute zählt das Marienheim zu den Vorreitern, wenn es um die Frage geht, wie man psychisch schwerstkranke Menschen fördern kann. Immerhin 40 Prozent der Patienten schaffen so pro Jahr den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Ein wichtiges Ziel der Therapie ist es, wieder Struktur in den Alltag der Betroffenen zu bringen, die draußen verloren gegangen ist. „Viele haben einen langen Leidensweg hinter sich. Unser Anspruch ist es, ihnen hier Lebensqualität zurückzugeben“, erklärt Therapeut Theodor Schöngarth. Der neueste Baustein neben musischen und kreativen Angeboten ist die Arbeitstherapie. „Arbeit spielt für die Struktur in unserem Leben eine wichtige Rolle“, sagt Schöngarth.

Sozialer und ökologischer Gedanke werden perfekt verknüpft

Das Projekt, das in diesem Zug umgesetzt wird, freut ihn und Straif besonders, denn es verknüpft den sozialen und ökologischen Gedanken auf perfekte Art und Weise. Seit vergangenen Oktober fertigen Patienten im Marienheim eine umweltfreundliche Variante des klassischen Einkaufsbeutels aus alten Gardinenresten. Hinter dem „Rebeutel“ steckt die gleichnamige Münchner Firma von Jutta Esser und Waltraud Stitzl, die vor einem Jahr ihre Idee in die Tat umgesetzt haben und bereits mit acht sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten. Eine davon ist Herzogsägmühle, die in Weilheim „Rebeutel“ produziert.

Handarbeit: An verschiedenen Stationen fertigen Patienten des Marienheims in Peiting aus Stoffresten die „Rebeutel“ an (oben). Bis ein Set aus drei Beuteln fertig ist, vergehen zwischen eineinhalb und zwei Stunden.

Als er davon gehört habe, sei sein Interesse sofort geweckt gewesen, sagt Straif. Gerade für jene Patienten, die bislang nicht ausgelastet waren und Spaß an der Arbeit hatten, klang das Angebot als sinnvolle Ergänzung. Gemeinsam mit Schöngarth besichtigte der Leiter die Fertigung in einer vergleichbaren Einrichtung in der Nähe von München. „Wir mussten erst einmal schauen, welche Abläufe sind nötig, wie können wir sie umsetzen, ohne die Patienten zu überfrachten und zu überfordern“, sagt Schöngarth. Denn nur ein niederschwelliges Angebot eigne sich für die Therapie. Heißt: Kleine Einheiten mit viel Pausen, immer begleitet von einem Therapeuten. „Es darf nicht darum gehen, ein Produktionsziel zu schaffen“, betont Schöngarth. Genau das sei bei Rebeutel erfüllt. „Wenn wir nur fünf Beutel im Monat liefern, ist das kein Problem. Das Geschäft steht nicht im Vordergrund.“

Bewohner blühen bei Arbeit richtig auf

Die Bilanz nach den ersten Wochen fällt positiv aus. „Die Bewohner blühen richtig auf, sie merken, dass sie etwas sinnvolles machen“, hat Straif festgestellt. Die Stoffe für die umweltfreundlichen Beutel, die wiederverwertbar und waschbar sind, stammen aus Spenden. An mehreren Stationen werden sie mittels Schablonen zugeschnitten, gesäumt und schließlich zusammengenäht. Die Herstellung eines Sets, das aus drei verschiedenen Größen besteht, dauere zwischen eineinhalb und zwei Stunden, sagt Schöngarth. Aber die Geschwindigkeit spiele eine untergeordnete Rolle. Zwischen sechs und acht Patienten seien gleichzeitig an den Stationen tätig.

Doch die Produktion ist die eine Sache, der Vertrieb die andere. Auch hier haben die Verantwortlichen gemeinsam mit der Münchner Firma einen nachhaltigen Weg gefunden. Straif nahm Kontakt mit dem Naturmarkt in Peiting auf. Dort war man von der Idee, die „Rebeutel“ aus dem Marienheim zu verkaufen, gleich begeistert. „Das ist eine super Sache“, sagt Marktleiterin Nanette Kolbinger. Bislang habe man umweltfreundliche Tüten für die Kunden vom Großhändler bezogen. Sie sei überzeugt, dass die neue Kooperation gut ankomme bei den Peitingern. Die erste Lieferung hat Kolbinger bereits erhalten. Acht Euro kostet das Set, einige Kunden haben bereits zugeschlagen. Das nächste Projekt ist deshalb schon in Planung: Bald sollen Brotbeutel aus dem Marienheim das Angebot ergänzen.

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