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Komplett repariert hat Thomas Pfeiffer aus Peiting die Radio-Phonokombination vom Typ Braun PK-G5. Die erste Schallplatte, die er darauf abspielte, war eine Weihnachtsplatte von Peter Schreier. 

Geld soll an Rettenbach-Opfer gehen

Radio-Rarität auf Vordermann gebracht - für den guten Zweck

Thomas Pfeiffer aus Peiting hat versprochen, eine nostalgische Radio- und Phonokombination auf Vordermann zu bringen - um sie für einen guten Zweck zu verkaufen.

Peiting – Es ist eine interessante Geschichte, die vor wenigen Wochen in der „Fundgrube“ des Münchner Merkur und seiner Heimatzeitungen veröffentlicht wurde. Eine nostalgische Radio- und Phonokombination sollte verkauft werden, der Erlös ist für die Opfer der verheerenden Gasexplosion von Rettenbach gedacht. Leider war die Geschichte nicht vom Erfolg gekrönt. Der Haken an der Sache war, dass keiner der Interessenten für ein Gerät mit „leichtem Defekt“ einen vernünftigen Betrag ausgeben wollte. Und zum Ausschlachten, was einige Bieter vor hatten, war es zu schade.

Vor allem, wenn man weiß, woher dieses Radio stammt. Es war in den 60er Jahren, als der bekannte Dresdener Dirigent und Sänger Peter Schreier auf Wunsch eines seiner Nachbarn dieses Stück vom Westen in den Osten mitbrachte. Für einen Bürger der DDR war es schier unmöglich, damals ohne Westwährung, so ein Gerät zu erwerben. Peter Schreier hatte die Möglichkeit, da er durch seine vielen Auftritte in der freien Welt mit Devisen bezahlt wurde. Damit konnte er sich dann solche Teile leisten. Das Gerät landete also in Dresden. Vor allem Schallplatten klassischer Musik wurden abgespielt, natürlich auch Exemplare von Peter Schreier selbst.

Radio wurde lange auf dem Dachboden gelagert - Zeit und Mäusezähne hinterließen Spuren

Nach der Wende, als der Besitzer der Rarität verstorben war, nahm eine Verwandte diese mit nach Bayern. Dort schlummerte sie viele Jahre auf dem Dachboden, nicht immer fachmäßig verpackt. So hat nicht nur der Zahn der Zeit, sondern auch mancher Mäusezahn daran genagt. Man konnte zwar einige Sender einstellen, aber es war nicht mehr möglich, Schallplatten abzuspielen. Auch die Beleuchtungen hatten stark gelitten.

Das Ergebnis des gescheiterten Verkaufs las in einer Wochenendausgabe der Schongauer Nachrichten der Peitinger Thomas Pfeiffer. Der Meister in Sachen Radio- und Fernsehtechnik, der diesen Beruf von der Pike auf gelernt hat, wunderte sich nicht. „Ist doch klar, dass keiner so ein Risiko eingeht, das Ding zu nehmen“, sein Gedankenspiel. Da er ebenfalls den Opfern von Rettenbach helfen will, bietet er spontan seine Hilfe an. Er war sich absolut sicher, das Gerät wieder vollkommen hinzukriegen. Gesunder Optimismus. Das Stück landet auf Tommy Pfeiffers Werktisch.

Zum Reparieren muss das Radio auseinandergebaut werden

Um an alle Schadstellen zu kommen, muss Pfeiffer das Innenleben vom Chassis trennen. Dann folgt ein Ablöten aller Teile, die dem Altmeister spanisch vorkommen. „Von wegen Module abstecken, hier ist noch alles nach alter Väter Sitte zusammengebaut“, erklärt Pfeiffer. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Jede Menge an Altersschwäche defekt gewordener Kondensatoren werden ausgewechselt, der Skalenantrieb repariert, der Tastensatz gereinigt. Sogar das magische Auge, heute eine Rarität, wechselt Pfeiffer gegen ein intaktes aus. Nur der Plattenspieler bleibt sein Sorgenkind. Das System des Tonabnehmers fehlt.

Ein Aufruf in den Schongauer Nachrichten führt zum Erfolg. „Es war gigantisch, wie viel verschiedene Systeme mir angeboten wurden“, so Pfeiffer. Schließlich konnte er in handwerklicher Meisterarbeit ein Stück einpassen. Die Kiste läuft wieder so gut wie am ersten Tag. In circa 20 Arbeitsstunden hat Pfeiffer den Klassiker wieder zu einem Schmuckstück verwandelt. Wer sich also nachträglich einen Weihnachtswunsch erfüllen will, kann dies mit dieser Anlage tun. Der Betrag wird zu 100 Prozent an die Opfer von Rettenbach überwiesen. So ist es der Wunsch von Thomas Pfeiffer.

So können Sie das Radio kaufen

Angebote für das Radio werden unter der Telefonnummer 08861/8994 oder per E-Mail an hamsterkamer@t-online.de entgegen genommen.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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