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Ruhig und in geordneter Bahn fließt die Peitnach durch Peiting. Das kann sich bei Hochwasser jedoch schnell ändern. Deswegen haben sich die Gemeinderäte jetzt Gedanken über Schutzmaßnahmen gemacht.

Hochwasserschutz in Peiting

Rückhaltebecken wird favorisiert

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Peiting - Kommt ein Hochwasser, muss auch der Markt Peiting vorbereitet sein. Vier Möglichkeiten, sich zu schützen, hat die Ingenieurgesellschaft Steinbacher-Consult dem Gemeinderat vorgestellt. Und es gibt auch schon einen Favoriten.

Bürgermeister Michael Asam spricht von einer „zukunftsweisenden Entscheidung für den Ort“. Denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Ob das nun morgen ist oder in 30 Jahren, kann keiner voraussagen. Fakt ist: Mit den richtigen Mitteln kann sich der Markt Peiting vor größeren Schäden schützen.

Wie Gilbert Schober von Steinbacher Consult erklärte, rauschen bei einem Hochwasser 22,45 Kubikmeter pro Sekunde in die Peitnach. Die kann allerdings nur 14 Kubikmeter pro Sekunde schadlos ableiten. „Das restliche Wasser sucht sich seinen Weg“, so Schober. Besonders betroffen sei das Gebiet Rochusweg-Wellenfreibad-Ammergauer Straße, also der Ortskern. 27 Haupt- und 33 Nebengebäude würden den Fluten zum Opfer fallen. Das wäre ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro.

Vier Varianten sind möglich

Um dies zu verhindern, könnten vier Varianten umgesetzt werden. Alle würden staatlich gefördert. Besonderen Anklang fand der zweite Vorschlag, nämlich ein Hochwasserrückhaltebecken bei Kurzenried anzulegen. 1,7 Millionen Euro würde das kosten. Ein zusätzlicher Gewässerausbau im Ort ist – abgesehen von empfohlenen „ökologischen Umstrukturierungen“, wie es Schober nannte – nicht nötig.

Problematisch könnte hier der Grundstückserwerb sein. „Vor allem existenzgefährdend für die Landwirte“, ergänzte Pankratia Holl (CSU). Auch Landwirt-Kollege Andreas Barnsteiner (BVP) meldete sich zu Wort: „Kommt so ein Hochwasser, bleiben Schlamm und Dreck zurück. So eine Fläche kann man ja nicht mehr bewirtschaften.“ Soweit sei man noch lange nicht, bremste Asam ein. Dennoch sie ihm klar: „Das wird eine harte Geschichte. Aber wir versuchen, die Landwirtschaft so gut wie möglich zu schonen.“

Sorgen macht sich Herbert Salzmann wegen der notwendigen Ausgleichsflächen. „Da müssen wird für den Fall der Fälle Geld zurückhalten. Das ist ein Risiko für die Gemeinde“, mahnt der SPD-Mann. Franz Seidel (BVP) hatte die Idee, den Deutensee als Rückhaltebecken zu nutzen. „An sich möglich“, antwortete Schober. „Wenn sie aber in stehendes Gewässer ein Hochwasserereignis abspeichern, gibt es in 20 bis 25 Jahren Probleme. Denn die Ablagerungen, sogenannte Sedimente, wachsen an.“ Müssen sie herausgebracht und beprobt werden, „sei dies teuer und uferlos“.

Jetzt wird alles noch geprüft und untersucht

Trotzdem soll auch diese zusätzliche Variante geprüft werden. „Warum nicht. Wir sollten alle Möglichkeit einbeziehen“, so Michael Asam. Wenn es soweit ist, wird sich der Gemeinderat noch einmal darüber unterhalten. Im Zuge der Untersuchungen soll übrigens auch darüber nachgedacht werden, wie man den niedrigen Wasserstand der Peitnach, vor allem beim Gasthof Dragoner, lösen könnte.

Als Randerscheinung wurde von der Verwaltung darauf hingewiesen, dass eine mögliche Gewässeraufwertung der Peitnach im Bereich der Basilli/Schneider-Wiese in direktem Zusammenhang zum Hochwasserschutzkonzept stehen kann. Nämlich als nötige Ausgleichsmaßnahme für ein Rückhaltebauwerk oder Gewässerausbaumaßnahmen, die der Durchleitung dienen würden. Dies bedeutet jedoch einen Eingriff ins Kanalsystem und beeinflusst den Bebauungsplan für das Areal. Das Gremium möchte den Fall gesondert behandeln.

Alternativ-Vorschläge:

Folgende drei Möglichkeiten des Hochwasserschutzes wurden noch vorgestellt.

-Gewässerausbau ohne Rückhaltung: Hier würde die Peitnach mit einem Erddamm versehen und der Flusslauf zum Teil ausgeweitet. Zudem müssten Brücken teilweise angepasst oder neu gebaut werden. Es werden Ausgleichflächen benötigt für Bäume, die für die Arbeiten weichen müssen. Außerdem braucht es Hochwasserschutz-Mauern an der Ammergauer Straße. „Eine Vielzahl von Maßnahmen auf engstem Raum und vor allem auf Privatgrundstücken“, beschreibt Gilbert Schober von Steinbacher Consult das Vorgehen. Kosten: 2,2 Millionen Euro.

- Hochwasserrückhaltebecken in Ortsrandlage:

Vorteil: Relativ geringer Aufwand, jedoch braucht es auch Maßnahmen des Gewässerausbaus im Ort. Bei dieser Variante wird die Ortsentwicklung massiv eingeschränkt. Kosten: 1,95 Millionen Euro.

- Zwei Rückhaltebecken in Ortsrandlage und in Kurzenried. Kosten: 2,36 Millionen Euro.

- Thomas Elstes (Grüne) Vorschlag, dass man die betroffenen Gebäude auch unmittelbar durch Umbaumaßnahmen schützen könnte, behebt laut Schober nicht das Gesamtproblem. „Denn dann haben die Besitzer das Wasser ja trotzdem auf ihrem Grundstück.“ Günstiger wäre es dennoch, ließ Elste nicht locker. Zumal die vorgestellten Varianten zu Lasten der Steuerzahler gehen.

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