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Peiting sagt diesmal Ja zur Sicherheitswacht

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Von: Christoph Peters

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Sicherheitswacht
Auch in Peiting wird bald eine Sicherheitswacht auf Streife gehen.  © dpa / Stefan Puchner

Nach Schongau, Weilheim und Peißenberg wird bald auch in Peiting eine Sicherheitswacht auf Patrouille gehen. Am Dienstag hat der Marktgemeinderat mit großer Mehrheit den Weg dafür frei gemacht. Die Gemeinde reagiert damit auf die zunehmenden Fälle von Vandalismus. Kritik kam aus den Reihen von SPD und Unabhängigen.

Peiting – Es war nicht das erste Mal, dass das Thema Sicherheitswacht den Peitinger Gemeinderat beschäftigte. Schon vor zehn Jahren hatte sich das Gremium mit der Frage befasst, ob man in der Marktgemeinde eine derartige Einrichtung bräuchte. Damals entschied sich das Gremium gegen die gemeinsame Einführung mit Schongau. Zu groß war die Skepsis der Räte, vom „trügerischen Sicherheitsgefühl“ war die Rede. In der Nachbarstadt ließ man sich davon nicht beirren, sondern zog die Sicherheitswacht allein durch – mit Erfolg. „Dort hat sie sich seit Jahren bewährt“, schickte Bürgermeister Peter Ostenrieder vorweg, ehe er ausführte, weshalb nun auch die Marktgemeinde aus Sicht der Verwaltung nachziehen sollte.

So hätten in Peiting zuletzt die Fälle von Vandalismus stark zugenommen, Graffiti-Schmiereien, Sachbeschädigungen, jüngst sei bekanntlich eine ganze Bushaltestelle „abgefackelt worden“, zählte der Rathauschef auf. Hinzu kämen Beschwerden über Alkoholexzesse im Bereich des Gumpen, auch Drogen seien ein Thema im Ort. Patrouilliere die Sicherheitswacht regelmäßig, könnte man diesen Problemen Einhalt gebieten.

Polizeichef wirbt für Sicherheitswacht

Dass diese Hoffnung durchaus berechtigt ist, zeigten anschließend Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg und sein Dienststellen-Kollege René Kießlich am Beispiel Schongaus auf. Dort seien die Straftaten im öffentlichen Raum seit der Einführung der Sicherheitswacht rückläufig, das Problem mit Wildbieslern in der Altstadt etwa habe man durch die Ehrenamtlichen ebenso in den Griff bekommen wie laute Partys auf Spielplätzen oder den immer wieder vermüllt hinterlassenen Grillplatz am Lech. Dabei agierten die Sicherheitswachtler nie als Hilfspolizisten, sondern vor allem als Ansprechpartner, betonte Kieweg. Entsprechend wichtig sei die soziale Kompetenz der Ehrenamtlichen, auf die man viel Wert lege bei der Auswahl des Personals. Jeder Bewerber werde genau unter die Lupe genommen und müsse eine 40-stündige Ausbildung absolvieren, die mit einer Prüfung abschließe, erklärte der Polizeichef.

Eine Lanze für die Sicherheitswacht brach auch Heidi Schrödl, die seit acht Jahren in Schongau Streife geht. Angst habe sie nie gehabt, nur drei Mal habe sie Verstärkung holen müssen. „Es ist eine schöne Arbeit.“ Von der die Gemeinde in vielerlei Hinsicht profitiere. „Wir haben auch schon Touristen das richtige Hotel gezeigt oder den Sanker bei einem medizinischen Notfall geholt.“

Lieber Streetworker als Sicherheitswacht

Alexander Zila überzeugte das nicht. „Streetworker wären mir lieber“, sagte der UP-Rat. Schließlich sei es wichtiger, den Leuten bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen, als nur die Symptome zu bekämpfen. Genau so sah es sein Fraktionskollege Christian Lory. Wenn die Sicherheitswacht die Jugendlichen an deren Treffpunkten vertreibe, löse das das Problem nicht.

Kritik kam auch von Claudia Steindorf (SPD). Ein Sicherheitsproblem sehe sie nicht, man könne in jedem Ortsteil ohne Angst unterwegs sein. Die Augen offen zu halten, sei zudem Sache der Polizei. Hier werde Arbeit auf Ehrenamtliche abgewälzt, was wohl dem fehlenden Personal geschuldet sei. Dem widersprach Kieweg. Über einen Mangel an Mitarbeitern könne er sich nicht beklagen, hier sei zuletzt viel geschehen. Gleichwohl könne die Polizei auch mit mehr Personal nicht immer vor Ort sein.

Für die Sicherheitswacht sprach sich Franz Seidel (BVP) aus. „Vor zehn Jahren habe ich gesagt, das brauchen wir nicht. Jetzt liegt die Situation anders.“ Ebenfalls zu den Befürwortern zählte Peter Gast (SPD). Er würde sich als Bindeglied zwischen Sicherheitswacht und Polizei zur Verfügung stellen, bot der pensionierte Polizist an.

Sicherheitswacht als verlängerter Arm des Ordnungsamts

Auch aus Verwaltungssicht sei die Einführung nur zu begrüßen, betonte Geschäftsleiter Stefan Kort. Schließlich gebe es in Peiting keinen kommunalen Außendienst, der den Beschwerden von Bürgern nachgehen könne. „Für das Ordnungsamt wäre die Sicherheitswacht als verlängerter Arm eine große Hilfe“, pflichtete Ostenrieder bei. Zumal die Kosten allein der Freistaat trage, wie Norbert Merk (CSU) hinwies: „Wir wären töricht, wenn wir das Geschenk nicht annehmen würden.“ Das sah auch die Mehrheit des Gremiums so. Mit 16:5-Stimmen gab der Gemeinderat grünes Licht für die Einführung der voraussichtlich achtköpfigen Sicherheitswacht.

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