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Alle Schülerinnen und Schüler schreiben im ersten Schritt ihre Geschichten in die vom BR zur Verfügung gestellten I-Pads. Unter professioneller Hilfe von den Mediencoaches Sabine Felber (re.) und Rupert Jaud werden Verbesserungen besprochen und technische Hilfestellungen gegeben.

Förderprojekt des Bayerischen Rundfunks

Schüler erzählen ihre eigene Geschichte

Peiting – Wer hat sie nicht, seine ganz eigenen Geschichten. Geschichten, die bewegen. Geschichten, die nachdenklich machen. Geschichten, die andere aufmuntern oder ihnen sogar Trost spenden. Solche Geschichten, genau 21 Stück an der Zahl, haben jetzt Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Peiting in einem Projekt erarbeitet und professionell aufgenommen, geschnitten und vertont. „Here’s my story“ – das Zauberwort.

„Hände etwas höher, Finger mehr spreizen, das Gesicht leicht nach rechts drehen – passt perfekt.“ Sich schon etwas eigenartig anhörende Kommentare dringen aus einem Klassenzimmer der 10M durch die geöffnete Türe nach außen. Beim näheren Hinsehen fällt auch die ungewohnte Einrichtung auf. Ein professionelles Fotostudio ist dort aufgebaut, wo sonst die Computer von den Schülern gequält werden. Und wie sieht das Mädchen aus? Hält ihre mit grellen Farben angepinselten Hände quer vor’s Gesicht. Ein Schülerstreich? Keinesfalls! Im Gegenteil. Hier wird ganz profihaft gearbeitet. Michael Schober, ein Fotograf des Bayerischen Rundfunks hält vorher genau besprochene Szenen mit seiner Kamera in Bildern fest. Für jeden sind gute 30 Einzelaufnahmen geplant.

Ein wachsames Auge auf die Szenerie daneben hat Annemarie Wolf. Sie ist die Klassenleiterin der 10M und hat das Projekt an Land gezogen. Einfach nur Projekt zu sagen, wäre zu flapsig. Es handelt sich hier um ein multimediales Geschichtenprojekt, an dem eine Woche lang miteinander gearbeitet wird. Dafür ist eine Vorstellung oder genauere Erklärung notwendig. Die Stiftung „Zuhören“ des Bayerischen Rundfunkes hat alle Mittelschulklassen und Flüchtlingsklassen aller bayerischen Regierungsbezirke aufgefordert, sich für diese besondere Aktion zu bewerben. Schüler sollen darin Geschichten erzählen, die sie dann in Folge aufnehmen, mit Musik untermalen und durch pfiffige Fotos aufpeppen sollen. Natürlich alles unter Leitung von Profis des Bayerischen Rundfunks, welche die ganze Woche die Schüler betreuen. Jeweils ein Coach nimmt sieben Schüler unter seine Fittiche.

Argumente in Sachen Inklusion haben überzeugt

Klingt einfach, hat aber einen Haken. Pro Regierungsbezirk wird nur eine Schule ausgewählt, die in den Genuss von „Here’s my story“ kommt. Es liegt also an den Argumenten der Klassenleitung, ob es klappt oder nicht. Für die 10M hat sich Annemarie Wolf starkgemacht. Vor allem ihre Argumente in Sachen Inklusion, an der Peitinger Mittelschule ganz groß geschrieben, zogen und überzeugten die Jury des BR. Annemarie Wolf mit ihrer 10M erhielt den Zuschlag. Eine Klasse von nur sieben in ganz Bayern.

Eine Woche lang arbeiten alle an dem Projekt. Auf der einen Seite jeder für sich, dann wieder alle miteinander. Zuerst muss sich jeder der Teilnehmer für eine Geschichte aus seinem Leben entscheiden. Diese schreibt er dann auf, wobei sie nicht mehr als 250 Worte betragen darf. Die Mediencoaches geben Hilfestellung. Besprechen Satz für Satz, um im Tonstudio am nächsten Tag keinen Schiffbruch zu erleiden. Dort erstellen die Schüler auch Geräusche, natürlich abgestimmt auf ihre Story. Die Musik dazu darf ebenfalls von jedem Schüler aus einem bestimmten Fundus ausgewählt werden. Mit einem Schnittprogramm erstellen dann die Mädels und Jungs ihr Demotape.

Ins rechte Licht rückt Fotograf Michael Schober Madlen Schweiger (16), die über ihren Traumberuf Maltherapie eine Geschichte erzählt. Klassenleiterin Annemarie Wolf begleitet an den verschiedenen Stationen.

„Die Klasse ist von Anfang an mit Begeisterung dabei“, erklärt Annemarie Wolf. Nicht nur weil sie wissen, dass am Ende jeder seinen eigenen Kurzfilm erstellt hat. Das Besondere ist, dass jeder in relativ kurzer Zeit erkannt hat, was er kann, was er will, was er für Ziele im Leben hat. „Jeder kann sich hier in Ruhe mit den eigenen Stärken auseinandersetzen, die ganz persönliche Geschichten entstehen lassen“, unterstreicht dies die Klassenlehrerin. Und obwohl die Schüler viel Zeit in den vergangenen Jahren miteinander die Schulbank gedrückt haben, hier lernen sie sich noch besser kennen und verstehen.

Adrienn Vaczi, die Anfang Februar 16 Jahre alt wird, verrät jetzt schon Teile ihres Projekts. In Ungarn geboren kam sie vor knapp drei Jahren mit ihren Eltern nach Peiting. Praktisch alleine, all ihre Freundinnen sind in Ungarn geblieben. Anfangsschwierigkeiten in Peiting waren so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein fremdes Land, eine fremde Stadt, keine Freunde. Das schmerzt, tut weh. In dieser Situation hilft ihr ihre Freundin aus Ungarn, mit der sie übers Internet kommuniziert und gute Ratschläge bekommt. Für Adrienn so prägend, dass sie den Film ihrer Freundin widmet.

Computerfan Pascal Schneider (16) ist absoluter PC Fan. Für ihn glasklar, dass er über das Programmieren seine Story erarbeiten wird. Dabei will er Web-Seiten und Spiele mit einarbeiten. Klingt interessant, macht doch neugierig, oder?

Bewältigung und Zukunftspläne

Sportlich wird’s bei Tim Schmidt (16). Sein Projekt behandelt Eishockey. Was genau, verrät er nicht. Nur soviel, dass er ab dem 4. Lebensjahr acht Jahre lang selbst gespielt hat und aufgrund einer Knieverletzung den geliebten Sport an den Nagel hängen musste. Bitter, aber gewiss interessant, wie er das Dilemma aufarbeitet. Auch Lisa-Marlen Koll (16) beschäftigt ein gesundheitliches Problem. Sie hat starke Schmerzen in den Handgelenken, möchte aber unbedingt berufsmäßig in Richtung Malerei gehen. Wie sie damit umgeht und wie sie ihre Stärke ausspielt, erzählt sie in „Here’s my story.“

Die Krönung des Projekts

kommt am Freitag. Ab 10 Uhr findet im Sparkassensaal in Peiting die Präsentation aller Arbeiten statt. Man darf wirklich gespannt sein, wie sich die Schüler der 10M mit ihren Geschichten auseinandersetzen und darstellen.

Hans-Helmut Herold

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