Einer der Höhepunkte ihrer Amtszeit: Silvia Schlögel (Mitte) beim Neujahrsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Neuwahl am 21. Februar

Silvia Schlögel hört als Kreisbäuerin auf

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Peiting – Der Besuch beim Neujahrsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck vor zwei Jahren, als Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement, war für Kreisbäuerin Silvia Schlögel einer der Höhepunkte in ihrer Amtszeit. Jetzt hören beide fast gleichzeitig auf: Gauck am 12. Februar als Bundespräsident, Schlögel am 21. Februar als Kreisbäuerin.

Mit erst 47 Jahren endet für Silvia Schlögel ihre Laufbahn beim Bayerischen Bauernverband – „obwohl ich in Bayern immer noch zu den jüngeren Kreisbäuerinnen gehören würde“, sagt sie schmunzelnd. Doch schon bei ihrem Amtsantritt im Februar 2007 hat sie gesagt, höchstens für zwei jeweils fünfjährige Amtsperioden zur Verfügung zu stehen. Daran hat sie sich gehalten. „Es waren zehn tolle Jahre, in denen ich viele nette Leute kennengelernt habe. Wir hatten ein Super-Team in der Kreisvorstandschaft, das mich immer unterstützt hat.“ Aber jetzt sei es genug.

Es ist ein Abschied auf Raten

Denn ihren Posten als Peitinger Ortsbäuerin, den sie 2002 nach fünf Jahren als Stellvertreterin übernommen hatte, hat Schlögel bereits im Dezember an Martina Prielmeier (26) abgegeben. „Sie hat gleich gute Ideen gehabt“, freut sich Schlögel über ihre Nachfolgerin. Sie selbst hat auch immer gute Ideen gehabt, um die Bäuerinnen und die Landwirtschaft ins rechte und vor allem ins moderne Licht zu rücken – vor allem, nachdem sie Christa Off 2007 als Kreisbäuerin beerbt hatte.

Das fing gleich mit dem Rottenbucher Milchweg an, einem touristischen Highlight, der nicht mehr wegzudenken ist. Es folgten öffentliche Aktionen wie der Milchfrühling mit dutzenden Kursen und Veranstaltungen, dessen Konzept von zahlreichen anderen Landkreisen übernommen worden ist, oder zahlreiche Koch- und Backbücher zum Teil mit öffentlichem Probe-Essen. Ob Berlin oder Brüssel – Schlögel war mit ihren Landfrauen überall an vorderster Front vertreten.

Zum Beispiel bei der BR-Radltour 2015, als die Bäuerinnen für fast 1000 Teilnehmer das Frühstück organisieren mussten – eine der aufwendigsten Aktionen, erinnert sich Schlögel. „Das war eine Riesen-Herausforderung. Aber es war toll, wie alle meine Kolleginnen mitgezogen haben“, so Schlögel. Natürlich gibt es Personen, die Schlögel nicht toll finden. Das weiß sie auch: „Man kann es nicht jedem recht machen. Aber wenn von 100 Leuten fünf meckern, muss man sich eben an die 95 halten.“

BR-Radltour als große Herausforderung 

Aufgrund ihrer vielen Ideen und Aktionen hatte Schlögel Kontakt zu Persönlichkeiten, die andere Kreisbäuerinnen vermutlich nicht treffen würden. Neben dem Bundespräsidenten waren das zahlreiche Bundes- und Landesminister, die Grünen-Bundestagsfraktions-Chefin Renate Künast half sogar bei der Stallarbeit auf dem Schlögel-Hof in Peiting-Ramsau. Ein anderer Grüner hat Schlögel nachhaltig beeindruckt: Landeschef und Biobauer Sepp Daxenberger, den sie 2009 zum Landfrauentag eingeladen hatte. „Da habe ich Protest-Anrufe ohne Ende bekommen, wie wir einen Grünen einladen können. Aber Daxenberger hat unsere Sprache gesprochen, von seinem Besuch schwärmen die Leute heute noch.“ So ist Silvia Schlögel. Widerstände haben sie noch nie aufgehalten, sondern motiviert.

Wobei Schlögel viel Kraft aus Terminen gezogen hat, bei denen sie nicht in der Öffentlichkeit steht. Zum Beispiel bei Trauerfällen in Familien, wenn dank des bäuerlichen Hilfsdiensts der Hof weitergeführt werden kann. Oder wenn Kinder auf ihrem Hof zu Besuch sind und Spaß an der Landwirtschaft haben.

Doch in einigen Wochen wird neben dem heimischen Hof nur noch die Hauswirtschafterei wichtig sein, die sie mit ihrer Schwester und einer Freundin betreibt und neben Back- und Kochbüchern auch Catering anbietet. Das zusätzliche Projekt ist sie angegangen, weil absehbar war, dass die Doppelbelastung mit dem Amt der Kreisbäuerin endet. „Mein Mann und die Eltern haben mir in der Vergangenheit so viel abgenommen, sonst wäre das gar nicht möglich gewesen“, sagt Schlögel. Eine Nachfolgerin als Kreisbäuerin hat sie übrigens schon gefunden – verrät den Namen aber noch nicht. Wenigstens das ist anders als beim Bundespräsidenten.

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