Kulinarik im Kleinformat: Christian Loisl hat als Koch mehrere Auszeichnungen bekommen. Sein Können zeigt er jetzt in einem Foodtruck im Peitinger Gewerbegebiet.
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Kulinarik im Kleinformat: Christian Loisl hat als Koch mehrere Auszeichnungen bekommen. Sein Können zeigt er jetzt in einem Foodtruck im Peitinger Gewerbegebiet.

Er hat Auszeichnungen vom Gault Millaut

Straßenimbiss statt Sterneküche: Spitzenkoch Christian Loibl lässt sich von Corona nicht unterkriegen

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Von der Sterneküche auf die Straße: Christian Loisl lässt sich von der Krise nicht unterkriegen. Statt Duett vom Lamm in Rosmarinjus und Lavendel-Kartöffelchen gibt’s bei dem erfolgreichen Koch jetzt Fleischpflanzerl aus dem Food-Truck im Industriegebiet.

Peiting – Ein wenig trostlos und einsam steht er da im Schneesturm im Gewerbegebiet von Peiting (Kreis Weilheim-Schongau): der Food Truck, den sich Christian Loisl im vergangenen Herbst gekauft hat. Gebraucht, versteht sich. Die Kasse war klamm, nach vielen Monaten in denen er, der in den besten Häusern dieser Welt gekocht hat, nicht viel zu tun hatte. Besser gesagt: gar nichts. Eigentlich berät Loisl Restaurant-Inhaber in der Krise. Weil wegen Corona alle in der Krise sind, gab’s keine Aufträge für den Mann, der schon Bundespräsidenten bekocht und auf dem „Traumschiff“ Michelin-Flair verbreitet hat. Für einen, für den die Liste der Auszeichnungen, die Liste der Promi-Caterings zu lang ist, als dass man sie abdrucken könnte.

Zu Beginn seiner Karriere kürte ihn die Fachzeitschrift „Feinschmecker“ zum „Aufsteiger der Jahres. 1994 war das. Es folgte eine steile Karriere. „Entdeckung des Jahres“ 1995 im Gault Millaut, von dem es zwei Jahre später 16 Punkte und zwei „Kochmützen“ gab. Weitere Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Höhepunkt: Im Team der Nationalmannschaft Spitzenköche Deutschland bei der Fußball-WM in Deutschland 2006. „Mit einem anderen Koch war ich da für 380 000 Essen zuständig.“ Wenn es heute im Foodtruck 38 werden, dann wäre es schon ein guter Tag.

Corona bremst Spitzenkoch aus: „Ich bin weg von der Straße – jetzt bin ich auf dem Parkplatz.“

Viele Jahre ist Christian Loisl mit seinem Koch-Wissen durch die besten Küchen der Welt getingelt. Erst vor fünf Jahren ist der gebürtige Münchner bei seiner Lebensgefährtin in Schongau sesshaft geworden. Das Reisen ließ ihn trotzdem nicht los. Er wurde Berater von guten Restaurants, bei denen die Geschäfte nicht mehr so richtig liefen. „Das muss man sich vorstellen wie den Frank Rosin vom Fernsehen.“ Die „Erlesene Küche Loisl“ wurde bei kleinen Koch-Events, die er ein paar Mal im Jahr im Schongauer Raum anbot, nur wenigen zuteil. Motto-Abende waren das. „Da habe ich mich dann selbst gezwungen, mal was anderes zu kochen, als das, was ich sonst mache.“

Dann kam Corona. Und nach einigen Monaten die Erkenntnis, dass Loisl sich einmal mehr dazu zwingen musste, ganz anders zu kochen, als er es bisher getan hatte. Ein anderer zu werden, als er bislang war.

Von der Nobel-Küche in den Foodtruck. Ist das ein Rückschritt? Christian Loisl schaut fragend. „Ist es besser, wenn ich monatelang daheim auf der Couch sitze und Trübsal blase? Wir können nicht alle immer nur nach dem Staat schreien.“ Loisl hat in vielen Küchen gekocht, in vielen Ländern dieser Welt. „Von überall habe ich etwas gelernt und mit nach Hause genommen.“ Vielleicht auch, dass Veränderung keinesfalls Rückschritt bedeutet. „Ich bin weg von der Straße – jetzt bin ich auf dem Parkplatz.“ Seinen Humor hat Loisl jedenfalls nicht verloren. Und auch nicht den Lebensmut. „Ich darf kochen, also das machen, was mir Spaß macht im Leben.“ Er zuckt mit den Schultern. So einfach kann das sein. „So kommt man auf den Boden der Tatsachen.“

Spitzenkoch Christian Loibl: Das Streetfood-Projekt wurde aus der Not geboren

Dazu passt dann wiederum auch die To-Go-Karte mit täglich wechselnden Gerichten, die zeigen, was einen guten Koch ausmacht. Der kann nämlich nicht nur Chichi aus der Kupferpfanne, sondern bodenständig im Truck. Immer wieder kommt einer, und fragt nach Currywurst oder Leberkässemmel. Das ist dann – bei aller Bodenständigkeit – doch ein bisschen zu sehr Metzger-Imbiss für den Haute-Cuisine-Koch. Kässpatzen, Fleischpflanzerl & Co. gibt es to go. Lediglich beim Chili con Carne kann sich Loisl ein bisschen Hauch von Gourmet nicht verkneifen. Hierzu kredenzt er Gaucho Minzblattl und Zitronen-Schmand.

Auch wenn es schleppend anläuft: Sicher kann Kämpfer Christian Loisl auch aus dieser Station seines Lebens etwas lernen und mitnehmen in die Zukunft. Die ist derzeit ungewiss. Eine Ungewissheit, die sich ja vielleicht mit „Kulinarischem aus der mobilen Loisl-Küche“ – so heißt das aus der Not geborene Projekt – vielleicht ein bisschen leichter ertragen lässt.

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