Quer über das Bachfeld in Peiting verläuft die Hochspannungsleitung, die jetzt aus Altersgründen erneuert werden muss..
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Quer über das Bachfeld in Peiting verläuft die Hochspannungsleitung, die jetzt aus Altersgründen erneuert werden muss. Das soll im Bestand geschehen. Die alten Masten werden durch höhere ersetzt.

Verlegung zu teuer

Peiting: Stromtrasse übers Bachfeld bleibt

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Ein Bachfeld ohne störende Hochspannungsleitung: Das war die Bitte des Peitinger Gemeinderats an die LEW gewesen, als das Unternehmen 2019 erste Pläne für die Erneuerung der Stromtrasse von Roßhaupten nach Schongau vorstellte. Jetzt steht fest: Der Wunsch scheitert an den Kosten.

Peiting – Überall in der Region werden derzeit alte Strommasten gegen neue ausgetauscht. Auch die Freileitung vom Umspannwerk in Roßhaupten nach Schongau hat ihre besten Zeiten hinter sich. „Die Masten stammen aus den 50er Jahren und sind nicht mehr standfest“, sagte Stefan Huggenberger am Dienstag in der Sitzung des Peitinger Corona-Ausschusses. Schon 2019 war der LEW-Mitarbeiter deshalb im Gemeinderat vorstellig geworden und hatte erste Pläne für eine Erneuerung der wichtigen Stromtrasse vorgelegt.

Im Gemeinderat zeigte man sich damals durchaus angetan. Allerdings hatte man selbst noch einen Wunsch an die LEW. Das Unternehmen sollte prüfen, ob es nicht möglich wäre, im Zuge des Trassenneubaus gleich auch die bislang über das Bachfeld verlaufende Stromleitung an den Ortsrand zu verlegen oder noch besser in der Erde zu vergraben.

Das Ergebnis der Prüfung stellte Huggenberger nun den Gemeinderäten vor. Untersucht worden waren zwei Varianten. Beide sehen eine Neuverlegung der von Süden kommenden Leitung bis zur Auffahrtsspange der B472 / Peiting-West vor. Von da würde die Trasse weiter entlang der Umgehung verlaufen bis zur östlichen Verbindungsstelle am Bühlach. In beiden Fällen könnte so auf die bestehende Freileitung über das Bachfeld bis zum Peitinger Umspannwerk verzichtet werden. Während in Variante eins die südliche Lechquerung abgebaut würde, könnte in Variante zwei die nördliche Trasse über den Fluss entfallen.

Mehrkosten von bis zu zwei Millionen Euro

Was gut klang, hat allerdings einen großen Pferdefuß, und das sind die Kosten. Auf rund 1,5 bis zwei Millionen Euro würden sich die Mehrkosten durch die neue Trassenführung belaufen, sagte Huggenberger. Diese sei nicht nur aufwändiger, da entlang der Bundesstraße viele Wendepunkte nötig seien, sondern es müssten auch neue Entschädigungen für die von den Maststandorten betroffenen Grundstückseigentümer bezahlt werden. Tragen müsste die anfallenden Mehrkosten die Gemeinde. „Da gilt das Verursacher-Prinzip.“ Noch teurer würde es im Fall einer Erdverkabelung, die mit geschätzt zusätzlich 4,5 bis sechs Millionen Euro zu Buche schlage. Und auch ein weiteres Problem sprach der LEW-Mitarbeiter an. Die neue Leitung würde durch die Köpfinger Wiesen verlaufen, die als Vorrangfläche für die Windkraft ausgewiesen seien, gab er zu bedenken. Ein Grund, warum auch die LEW zwischenzeitlich ihre damals vorgestellten Pläne einer neuen Routenführung in dem Bereich verworfen hatte.

Angesichts der hohen Kosten plädierte Bürgermeister Peter Ostenrieder dafür, lieber grünes Licht für eine Sanierung im Bestand zu geben. Die wäre für die Gemeinde ohne finanziellen Aufwand möglich. Zudem habe die LEW sich bereit erklärt, im Bereich des Bachfelds höhere Masten einzusetzen, was einer späteren Bebauung zugute käme, wies der Rathauschef hin.

Bürgermeister warnt vor „Blankscheck“

Thomas Elste (Grüne) vermisste dagegen die Prüfung einer weiteren Variante, die er schon 2019 vorgeschlagen habe. Mit einer Verlegung des Strommasten an der Villa Rustica Richtung Osten, ließe sich die Leitung weiter von der Wohnbebauung wegrücken. Das fand Anklang im Gremium. „Wir sollten uns die Zeit nehmen, das nochmal prüfen zu lassen“, sagte Franz Seidel (BVP). Schließlich gehe es darum, eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahre zu fällen.

Das Problem: Eine genaue Ermittlung der Kosten im Vorfeld sei kaum möglich, denn mit einem anderen Verlauf der Trasse wären neue Verhandlungen mit den betroffenen Grundstücksbesitzern nötig, gab Huggenberger zu bedenken. Und die dürften sich aufgrund der Ortsnähe schwierig und teuer gestalten. Auch Ostenrieder sprach von einem „Blankoscheck“, wenn man diese Variante befürworte. „Ob uns das am Ende 500 000 Euro oder 2,5 Millionen kostet, kann uns keiner sagen.“

Bei der Abstimmung setzte sich der Rathauschef schließlich denkbar knapp durch: Mit 5:4-Stimmen votierte der Corona-Ausschuss für die Sanierung im Bestand.

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In Schongau hat die Stadtverwaltung jüngst alle öffentlichen Protokolle der Stadtrats- und Ausschusssitzungen von ihrer Internetseite entfernt (wir berichteten). In Peiting sind die Informationen im „Bürgerinfoportal“ ebenfalls überschaubar. Allerdings könnte sich daran bald etwas ändern.

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