Bürgermeister Peter Ostenrieder vereidigte den neuen CSU-Gemeinderat Stephan Walter bei der Sitzung des Corona-Ausschusses in der Peitinger Schloßberghalle.
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Bürgermeister Peter Ostenrieder vereidigte den neuen CSU-Gemeinderat Stephan Walter bei der Sitzung des Corona-Ausschusses in der Peitinger Schloßberghalle.

Neuer CSU-Rat vereidigt

Von Platz 11 in den Peitinger Gemeinderat: Stephan Walter rückt für Uwe Enzmann nach

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Ein Jahr nach der Kommunalwahl werden im Peitinger Gemeinderat bereits wieder die Stühle gerückt: Am Dienstag ist Stephan Walter als Nachfolger von Uwe Enzmann vereidigt worden. Dass vor Walter drei Listennachrücker der CSU das Mandat abgelehnt hatten, sorgte für Unmut im Gremium.

Peiting – Es war eine kurze Gemeinderatskarriere für Uwe Enzmann. Vor einem Jahr war der 57-Jährige zum ersten Mal für die CSU in das Gremium gewählt worden. Im vergangenen Mai war er als eines von elf frischen Gesichtern am Ratstisch von Bürgermeister Peter Ostenrieder vereidigt worden.

Der Rathauschef war es am Dienstag auch, der offiziell bekanntgab, was sich in den vergangenen Tagen schon herumgesprochen hatte. „Uwe Enzmann muss leider sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen“ (siehe unten). Er wünsche Enzmann gute Besserung, sagte Ostenrieder, der dem Peitinger, der bei der Sitzung am Dienstag nicht persönlich vor Ort sein konnte, für sein Engagement dankte. Reihum schlossen sich die Räte den Genesungswünschen an.

Uwe Enzmann spricht über seinen gesundheitlichen Schicksalsschlag

Am Telefon kann Uwe Enzmann schon wieder lachen, doch vor ein paar Wochen war dem 57-Jährigen der Spaß jäh vergangen. Ein Schlaganfall stellte Enzmanns Leben auf den Kopf. Im Weilheimer Krankenhaus begab sich der Peitinger in die Obhut der Ärzte. Es folgte ein vierwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Noch immer ist Enzmann krankgeschrieben, doch es geht aufwärts. Schon bald will der 57-Jährige an seinen Arbeitsplatz bei der Weilheimer Firma Bechtold zurückkehren. Im Rahmen der Wiedereingliederung, Schritt für Schritt. In der Reha habe er viel Zeit gehabt, sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen solle, sagt Enzmann. Dabei sei auch die Entscheidung gefallen, das Gemeinderatsmandat niederzulegen. Leicht gefallen sei ihm das nicht, schließlich habe er das Amt gerade erst angetreten, bekundet der Peitinger. „Aber die Gesundheit geht vor.“ Gemeinderatssitzung, regelmäßige Fraktionstreffen, dazu sich in die ganzen Themen einlesen: der Zeitaufwand als Gemeinderat sei hoch, stellt Enzmann fest. Zu hoch im Angesicht der schweren Erkrankung, die ein Kürzertreten nötig mache.

Das gilt auch für Enzmanns große Leidenschaft, den Fußball. Seit 25 Jahren leitet der 57-Jährige die Geschicke der FA Peiting. Ob Stadionsprecher, Vereinsheimbetreuer oder Verantwortlicher für die Altpapiersammlung: Es gibt wenig Bereiche im Verein, wo Enzmann nicht selbst in vorderster Front mitmischt. „Ich bin quasi Mädchen für alles“, sagt der FA-Chef und lacht. Doch auch das soll sich in den nächsten Wochen und Monaten ändern, der 57-Jährige will künftig vermehrt Aufgaben abgeben und die Last auf mehrere Schultern verteilen. Die Ankündigung eines Rücktritts ist das nicht. Dem Fußball bleibe er auf jeden Fall erhalten, versichert Enzmann. „Irgendetwas muss ich ja machen.“

Drei CSU-Listennachfolger lehnen Mandat ab

Interessant wurde es, als es um die Frage ging, wer künftig Enzmanns Platz in der CSU-Fraktion einnehmen würde. Laut Wahlergebnis wäre Ostenrieder selbst an der Reihe gewesen, doch als Bürgermeister schied er als Kandidat aus. Nächster auf der CSU-Liste war damit Francesco Quattrocchi, doch dieser hatte laut Rathauschef eine Übernahme des Amts abgelehnt. Gleiches gelte auch für die beiden nächsten Listennachfolger Frank Schauff und Angelika Witt, teilte Ostenrieder dem Gremium mit.

Eine Begründung für ihre Entscheidung sei nicht erforderlich, betonte der Bürgermeister. Gleichwohl versicherte er, dass alle drei in einem persönlichen Gespräch mit ihm „plausible Gründe“ angeführt hätten.

Erst bei Nummer vier hatte man schließlich mehr Glück. Stephan Walter, der bei der Wahl auf Platz 11 der Liste gelandet war, sagte zu. In der CSU dürfte man über das Vorrücken des Betriebswirts freilich nicht unglücklich sein. Schließlich ist Walter gerade zum neuen Vize-Chef des Ortsvereins gewählt worden und soll in zwei Jahren den Vorsitz übernehmen (wir berichteten). Da steht ein Platz im Gemeinderat gut zu Gesicht.

Absageflut sorgt für Unmut im Gremium

Im Gremium sorgte die Absageflut für Unmut. Er sei mehr als unglücklich über die geltende Regelung, dass es für eine Ablehnung des Mandats keine Begründung mehr brauche, sagte SPD-Fraktionschef Herbert Salzmann. Er erinnerte daran, dass die drei CSU-Kandidaten bei der Kommunalwahl von einem hinteren Listenplatz nach vorne gewählt worden waren, nämlich Schauff von 19 auf 9, Quattrocchi von 18 auf 8 und Witt immerhin von Platz 16 auf 10. Es sei beschämend, wenn man trotz so vieler persönlicher Stimmen das Amt jetzt nicht wahrnehme, ärgerte sich Salzmann. „Das tut dem Gremium nicht gut, sondern bringt es in Misskredit.“ Auch bei Annette Luckner habe er bedauert, dass die unterlegene SPD-Bürgermeisterkandidatin ihr Gemeinderatsmandat nicht angenommen habe.

Dass es laut Gesetz keine Begründung mehr brauche, sei tatsächlich eine „ungute Sache“, gab der Bürgermeister, der von einem „Systemfehler“ sprach, Salzmann recht. „Aber die Regelung ist nun mal, wie sie ist.“ Ostenrieder warb allerdings auch um Verständnis für die Absagen. „Die Menschen schließen nach der Wahl mit dem Thema ab.“

Von einer „unguten Situation“, wenn Nachrücker einfach absagen, sprach auch BVP-Rat Franz Seidel. Allerdings werde es für die Parteien und Gruppierungen immer schwerer, überhaupt genug motivierte Kandidaten zu finden, die sich für die Wahl zur Verfügung stellen. Daran sei auch die große Politik schuld, wo wie gerade jetzt Dinge geschehen, die für viele befremdlich seien.

Gegen die Berufung von Stephan Walter als Nachfolger von Enzmann gab es anschließend erwartungsgemäß keine Einwände von Seiten der Gremiumsmitglieder. Ostenrieder vereidigte den neuen Gemeinderat, der der Corona-Ausschusssitzung als Zuschauer beiwohnte. Walter gehört künftig auch dem Rechnungsprüfungsausschuss an, wo er ebenfalls Enzmanns Platz für die CSU-Fraktion einnimmt.

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Es wird noch einmal spannend in Sachen V-Baumarkt-Neubau in Peiting: Vor dem Verwaltungsgericht in München geht es am kommenden Dienstag um die Frage, ob der Gemeinderat die beiden Bürgerbegehren gegen das Vorhaben zu Recht für unzulässig erklärt hat.

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