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Hoffen auf ein Votum pro Marienheim beim Bürgerentscheid: (v.l.) Bürgermeister Peter Ostenrieder, AWO-Vorsitzende Cornelia Emili, Marienheim-Geschäftsführerin Charlotte Straif, Jörg Reiprich (stv. Einrichtungsleiter) und Adolf Kapfer. 

Vor Bürgerentscheid in Peiting

Klare Botschaft pro Marienheim-Neubau

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Während die Gegner des Marienheim-Neubaus die letzten Holzlatten am Phantomgerüst am Bühlach zusammenschrauben, wenden sich Bürgermeister, AWO und Vertreter der Einrichtung vor dem Bürgerentscheid mit einem eindringlichen Appell an die Peitinger. Ihre Botschaft ist klar.

Peiting – Seit Monaten bewegt der geplante Neubau des Marienheims am Bühlach die Marktgemeinde. Ob er tatsächlich kommt, wird sich am 23. August entscheiden, wenn die Peitinger zum Bürgerentscheid aufgerufen sind. Nicht nur für die Anlieger, die die Abstimmung initiiert haben, geht es um viel. Auch die Befürworter kämpfen für ihr Projekt. 

„Wir sind jetzt in der heißen Phase“, betonte Adolf Kapfer deshalb jetzt bei einem Pressegespräch, zu dem er neben Bürgermeister Peter Ostenrieder auch die Vorstandsvorsitzende der AWO Oberbayern, Cornelia Emili, Marienheim-Geschäftsführerin Charlotte Straif und den stellvertretenden Einrichtungsleiter Jörg Reiprich geladen hatte. 

Kapfers Familie hält bekanntlich die Mehrheit an der Betreibergesellschaft des Marienheims. Die AWO will künftig als Träger der Einrichtung fungieren und dafür ein neues Gebäude errichten.

Dass die Anwohner so erbittert Widerstand leisten gegen das Projekt, kann Kapfer nach wie vor nicht verstehen. Ein solch „aggressive und konsequente Vertretung persönlicher Interessen“ habe er noch nie erlebt, sagte der frühere Gemeinderat.

„In der Künstlerwelt würde man dazu Judaskuss sagen“

 Sauer stößt ihm auf, dass die Gegner das Marienheim dennoch als „notwendige sozialtherapeutische Institution“ bezeichnen. „In der Künstlerwelt würde man dazu Judaskuss sagen.“ Denn es gebe nur zwei Optionen. „Neubau oder Schließung.“ Das machten alle Anwesenden klar.

Der immer wieder ins Spiel gebrachte Umbau des bestehenden Gebäudes, um die geforderten gesetzlichen Standards zu erfüllen, scheitere am besonderen Klientel, das in der Einrichtung betreut werde, erklärte Reiprich. Die Menschen seien auf klare Strukturen und das Therapieangebot angewiesen. Das übergangsweise woanders abzubilden, funktioniere einfach nicht. 

Der sozialtherapeutische Leiter widersprach auch Bedenken, dass die soziale Teilhabe durch die geplante Lage am Ortsrand erschwert werde. Inklusion sei für eine geschlossene Einrichtung nicht „wahnsinnig wichtig“. Der Weg in die Ortsmitte vom Bühlach außerdem gut bewältigbar. Menschen, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen seien und für die die Entfernung ein Problem wäre, zählten schon jetzt nicht zum Bewohnerkreis. „Unsere Klienten werden im Gegenteil immer jünger.“

An Gebäudehöhen lässt sich nichts machen

Natürlich könne man über den Standort Bühlach streiten, räumte Kapfer ein. Doch ein Grundstück in der Größe von 5000 bis 10 000 Quadratmetern sei nicht leicht zu bekommen. Das bestätigte auch Emili. Die AWO-Chefin betonte, wie herausragend die konzeptionelle Arbeit für den Bezirk Oberbayern sei, die von den 40 Mitarbeitern im Marienheim geleistet werde. Mit der Reduzierung der Bewohnerplätze und damit auch der Gebäudegröße habe man bereits den Kompromiss gesucht, wies Emili hin (wir berichteten). 

An den Gebäudehöhen, die den Gegnern der größte Dorn im Auge sind, lasse sich aber nichts machen. Das hänge auch mit den Vorschriften der Heimaufsicht zusammen, erklärte Straif. Pro Wohngruppe müsse am Tag eine Fachkraft und ein Helfer vorhanden sein. Gleichzeitig gebe der Bezirk einen bestimmten Personalschlüssel vor. Verteile man die Bewohner auf mehrere kleinere Gebäude, komme man damit nicht mehr hin. Das spreche auch gegen eine dezentrale Unterbringung, wie sie von den Gegnern gefordert werde, sagte die Geschäftsführerin. 

Keine Angaben zu den Kosten

Ganz abgesehen davon, dass die hohen Hürden einer geschlossenen Unterbringung so nicht zu erfüllen wären. Wegen der speziellen Zielgruppe scheide auch ein Neubau in Herzogsägmühle aus. Eine geschlossene Einrichtung sei dort aus historischen Gründen nicht gewollt.

Wie viel der Neubau am Bühlach kosten wird, dazu wollte Emili keine Zahlen nennen. Dies hänge noch von der genauen Ausgestaltung des Gebäudes ab. „Die Wirtschaftlichkeit muss natürlich gegeben sein.“

Der Bürgermeister brach ebenfalls eine Lanze für den Neubau. Peiting nehme, was die Anzahl an sozialen Einrichtungen und der auf Betreuung angewiesenen Menschen angehe, eine besondere Rolle ein. „Wir sind alle damit groß geworden.“ Niemals habe man deshalb im Gemeinderat mit einer solchen Welle gerechnet, die den Plänen entgegengeschlagen sei. Umso mehr hoffe er, dass die Institution Marienheim der Gemeinde erhalten bleibe.

Am Wochenende haben die Initiatoren des Bürgerentscheids gegen den Marienheim-Neubau am Bühlach letzte Hand an das Phantomgerüst gelegt. Die hölzerne Konstruktion auf dem Hanggrundstück nahe des neuen Friedhofs soll die Dimension des geplanten Baukörpers zeigen, den die Arbeiterwohlfahrt errichten will. Die Gegner des Vorhabens kritisieren vor allem die Höhe des geplanten Gebäudes, das an seiner höchsten Stelle 12,50 Meter in den Himmel aufragt.

Schützenhilfe dafür könnte ausgerechnet das Phantomgerüst leisten. Viele seien bereits auf ihn zugekommen und hätten gesagt, dass das doch gar nicht so schlimm aussehe, berichtete der Rathauschef. „Das Horrorszenario ist damit widerlegt.“ Kapfer sieht es ähnlich: Man könne gleich dankbar für die „Stangerl“ sein. „Jeder kann jetzt begreifen, dass das dort gar kein Problem ist.“ Ob das freilich auch die Mehrheit der Peitinger so sieht, wird sich in sechs Wochen zeigen.

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