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Harald Betz im Keller seines Hauses, wo die Technik für die neue Anlage installiert ist. In der Hand hält er einen der ausgebauten alten Stromzähler.

Anlage darf nicht ans Netz

Peitinger Vorzeigeprojekt soll Sonnenstrom vom Dach für die Mieter liefern - doch es gibt ein Problem

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Es ist ein Vorzeigeprojekt, das im Landkreis in dieser Form einmalig ist: Harald Betz möchte die Mieter seines Mehrfamilienhauses in Peiting mit umweltfreundlichem Sonnenstrom versorgen. Das Problem: Die Anlage ist zwar seit einem halben Jahr betriebsbereit, Strom erzeugen darf sie jedoch nicht.

Peiting – Das Elternhaus von Harald Betz in der Peitinger Bachfeldsiedlung ist sofort zu erkennen. Auf dem Dach und dem der dazugehörigen Garage funkeln die Module der Photovoltaikanlage im Sonnenlicht. Dass jemand auf diese Weise umweltfreundliche Energie gewinnt, ist freilich erst einmal nichts Neues. Was Betz’ Projekt zu einem besonderen macht: Der mittlerweile in Eschenlohe lebende 46-Jährige will damit das nach seinen Angaben erste Mieterstrommodell im Landkreis umsetzen. Was in Einfamilienhäusern seit langem möglich ist, nämlich den erzeugten Strom vom Dach selbst zu verbrauchen, ist seit einer Gesetzesnovelle 2017 dank Förderung auch für Mehrparteienhäuser attraktiv. Das Prinzip: Der Betreiber der PV-Anlage wird zum Stromlieferanten für die Mieter des Gebäudes.

Als Betz davon hörte, war sofort das Interesse des selbstständigen IT-Unternehmensberaters geweckt. Der Zeitpunkt passte: Das Elternhaus mit drei Parteien aus dem Jahr 1966 war zuletzt 1997 modernisiert worden, Sanierungsmaßnahmen standen an. Als der 46-Jährige im Bekanntenkreis von seinen Plänen erzählte, schlug ihm allerdings erst einmal Skepsis entgegen. „Die haben alle gesagt, das funktioniert nicht.“

Doch Betz ließ sich von der nötigen Pionierarbeit nicht abschrecken. Erst leistete er Überzeugungsarbeit bei den Mietern, dann ging es im vergangenen Jahr mit einem Energieberater an die Umsetzung. Die Technik sei schnell installiert gewesen, sagt der 46-Jährige. Damit auch in den Abend- und Nachtstunden, wenn die Mieter zuhause sind, Solarstrom zur Verfügung steht, gehört ein Batteriespeicher zum Konzept. So lassen sich laut Betz rund 80 Prozent des jährlichen Strombedarfs decken. Die fehlende Menge – gerade in den Wintermonaten – wird umweltfreundlich als Wasserkraftstrom aus dem Netz bezogen. Im Sommer, wenn mehr produziert wird als verbraucht, wandern rund 10 000 Kilowattstunden Solarstrom als Überschuss ins Netz.

Auf seinem Elternhaus in Peiting hat Harald Betz nicht nur eine Photovoltaikanlage installieren lassen, sondern nutzt die Sonnenenergie auch mithilfe von Solarkollektoren für Heizung und Warmwasser.

Soweit die Theorie. Die Praxis jedoch sieht anders aus. Zwar ist die Anlage laut Betz seit August betriebsbereit, Strom erzeugt hat sie bislang aber nicht. Schuld daran, sagt Betz, sei die LEW Verteilnetz GmbH. Denn als zuständiger Netzbetreiber muss diese den Anschluss der Zähleranlage vornehmen. Doch darauf wartet der 46-Jährige seit einem halben Jahr vergeblich, obwohl „das Messkonzept laut Aussage der LEW Verteilernetz GmbH bereits seit August abgestimmt und auch genauso umgesetzt wurde.“

„Keine Lizenz zum Gelddrucken“

Für Betz hat die Verzögerung auch finanzielle Folgen. „Da ich an die Stromlieferverträge mit meinen Mietern gebunden bin, bedeutet das für mich, dass ich derzeit Strom für 30ct/KW vom LEW kaufe und meinen Mietern für 22 ct/KW verkaufe.“ Ein Mieterstrommodell sei ohnehin nicht gerade die Lizenz zum Gelddrucken – die Investition über knapp 50 000 Euro würden sich erst nach rund 18 Jahren amortisieren. „Bei mir stand hier das Thema Engagement für die Energiewende und die Verwirklichung eines Pilotprojekts mit dem Ziel andere Vermieter zu inspirieren im Vordergrund.“

Dem wolle auch die LEW natürlich nicht im Wege stehen, betont Unternehmenssprecher Ingo Butters. „Die LEW Verteilnetz (LVN) unterstützt grundsätzlich alle Formen der dezentralen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und setzt sich für deren weiteren Ausbau ein.“ Derzeit seien im LVN-Netz etwa zehn Anlagen nach dem Mieterstrommodell angemeldet. Die Umsetzung eines solchen Projekts sei aufgrund des rechtlichen Rahmens allerdings sehr komplex – sowohl für den Vermieter/Eigentümer als auch für den Netzbetreiber. Im konkreten Fall sei die Anmeldung der Anlage im Juli vom „Einspeiser-Team“ wegen fehlender Unterlagen zurückgestellt worden. 

Mitte August habe das „Team Netzanschluss“ die Anmeldung abgelehnt, der Elektriker sei über das entsprechende Portal über die Gründe informiert worden. Die erneute Anmeldung Anfang Dezember „musste wegen unstimmiger Zuordnung der Zähler in der Anmeldung sowie eines nicht ausreichend dimensionierten Schutzschalters in der Anlage abermals abgelehnt werden.“ Noch immer stünden somit die Vervollständigung der notwendigen Unterlagen für die Einspeisung sowie die vollständige und korrekte Anmeldung für den Netzanschluss aus.

LEW will offene Fragen klären

Man könne den Unmut des Kunden über die lange Dauer des Verfahrens verstehen, sagt Butters. „Gleichzeitig sind wir dazu verpflichtet, alle technischen und rechtlichen Vorgaben einzuhalten und umzusetzen.“ Für Betz hat er eine gute Nachricht: „Die LVN-Kollegen setzen sich jetzt mit dem Elektriker direkt in Verbindung, um die offenen Fragen zu klären, damit die Anlage nun ans Netz gehen kann.“

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