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Peitinger Wellenfreibad: Kein Betrieb, aber zumindest Schwimmkurse

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Von: Christoph Peters

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Wellenfreibad Peiting
Der Badespaß im Wellenfreibad Peiting fällt heuer aus. © Hans-Helmut Herold

Auch nach der Gemeinderatssitzung am Dienstag bleibt es dabei: Geschieht nicht noch ein kleines Wunder, fällt die Sommersaison im Wellenfreibad heuer wegen Personalmangels ins Wasser. Einen Lichtblick gibt es in Sachen Schwimmkurse.

Peiting – Als am Oster-Wochenende die Nachricht im Ort die Runde machte, dass das Wellenfreibad in diesem Sommer geschlossen bleiben würde, war die Bestürzung groß. Auch wenn es sich angebahnt hatte, wirklich gerechnet hatte damit niemand. Irgendwie würde sich die Personallücke, die mit dem Weggang der drei Bademeister im vergangenen Herbst entstanden war, schon stopfen lassen, dürften sich viele gedacht haben. Doch es kam anders. Mit nur einem Fachangestellten, den man in der monatelangen Suche gefunden habe, sei der Betrieb nicht zu stemmen, das machte Bürgermeister Peter Ostenrieder am Dienstag in der Gemeinderatssitzung noch einmal klar.

Gemeinderat soll Entscheidung der Verwaltung mittragen

„Wir bedauern es alle, aber wir haben die Entscheidung nicht aus Jux und Dollerei getroffen. Es ist rechtlich nicht anders möglich.“ Es gehe dabei weniger um die Beaufsichtigung des Badebetriebs, der mit Rettungsschwimmern durchaus abzudecken wäre, erläuterte Geschäftsleiter Stefan Kort. Das Problem sei die Betriebsaufsicht, für die es Fachkräfte brauche. „Allein beim Chlor ist das Gefährdungspotenzial riesig. Da muss man sicher sein, dass das Personal vor Ort die Anlage beherrscht.“ Werde gegen die Verkehrssicherungspflicht verstoßen, sei letztlich der Bürgermeister haftbar. „Dieses Risiko trage ich nicht“, betonte Ostenrieder. Der Rathauschef sprach von „heftigen Diskussionen“, die es im Ort wegen der Entscheidung gebe. Auch wenn dies Sache der Verwaltung sei, wie Ostenrieder betonte, bat er den Gemeinderat, sie „auf breiter Basis mitzutragen“.

Leicht, das merkte man in der folgenden Diskussion, fiel das den Gremiumsmitgliedern nicht. „Mir tut das in der Seele weh“, sagte etwa Alfred Jocher (Unabhängige). 20 Jahre sei er Badreferent gewesen. Die bald 50 Jahre alte Einrichtung sei ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt. Dem pflichtete auch Herbert Salzmann (SPD) bei. Ein Bad gebe es bereits seit den 1920er Jahren, erinnerte er, Jede Generation sei seitdem damit aufgewachsen. Dass deshalb die Emotionen hochkochen im Dorf, könne er voll verstehen. Gleichwohl trage er die Entscheidung der Verwaltung mit.

Kaum Hoffnung auf kurzfristige Lösung für Personalprobleme

Damit stand der SPD-Fraktionschef nicht allein, gleichzeitig schwang in vielen Wortmeldungen die Hoffnung mit, vielleicht doch noch eine kurzfristige Lösung zu finden. Doch sowohl die Gründung eines Vereins für den Betrieb, wie Susann Tabatabai-Schweizer (Grüne) anregte, als auch der Vorschlag von Tobias Eding (SPD), Bauhof- oder Wasserwerk-Mitarbeiter einzuarbeiten, um zumindest einen Drei-Tage-Betrieb zu stemmen, musste Kort eine Absage erteilen. Ersteres sei keine kurzfristige Lösung, zweitere scheitere am geringen Personalstand. Auch mit externen Dienstleister habe man gesprochen, doch die seien zum einen komplett ausgebucht und zudem mit erheblichem finanziellen Mehraufwand für die Gemeinde verbunden, sagte Kort.

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Während des Sommers soll im Wellenfreibad saniert werden

So unwillkommen die Schließung des Wellenfreibads ist, so will die Gemeinde doch das Beste daraus machen. Gleich ein ganzes Bündel an Sanierungsmaßnahmen legte Bürgermeister Peter Ostenrieder am Dienstag im Gemeinderat vor, die nun über den Sommer angegangen werden sollen. So soll die Asphaltschicht im Eingangsbereich erneuert, der Kiosk vergrößert und umgebaut werden. Neben ihm soll eine Lounge mit Palettenmöbeln entstehen. Große Änderungen stehen auch am in die Jahre gekommenen Gebäude an. Die Anzahl der Umkleiden soll auf zehn reduziert, die sanitären Anlagen komplett erneuert werden. Für das benötigte warme Wasser für die Duschen plane man eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach, so Ostenrieder.

Neu gemacht werden soll außerdem das Pflaster rund um die Becken, auch die Fliesen im oberen Becken würden neu verfugt. Am Sandkasten ist für die jungen Besucher ein neues Spielgerät geplant. Bereits an diesem Donnerstag finde eine Ortsbegehung statt, um die Details abzuklären, kündigte der Rathauschef an. Alles in allem komme da ein „nettes Paket“ zusammen, das eigentlich Zug um Zug in den nächsten Jahren abgearbeitet werden sollte. Es auf einmal umzusetzen, sei sportlich, räumte Ostenrieder ein. Aktuell sei man dabei, die genauen Kosten zu ermitteln, die dann vom Gremium im Nachtragshaushalt beschlossen werden müssten.

Andreas Schmid (BVP) regte an, bei der Sanierung weiter zu denken und gleich eine sanitäre Anlage für die Nutzer des Wohnmobilplatzes zu schaffen. Dieser werde bekanntlich sehr gut angenommen. Herbert Salzmann (SPD) schlug vor, den Beachvolleyballplatz während der Schließzeit des Bads von außen zugänglich zu machen. Man werde das prüfen, versprach der Rathauschef. Eine Absage musste er dagegen der Idee von Gunnar Prielmeier (SPD) erteilen, auch die Wasserspiellandschaft für die Allgemeinheit zu öffnen. „Die ist zu nah am Becken, das geht leider nicht.“

Fachkräfte angesichts des Mangels künftig selbst auszubilden, wie es Claudia Steindorf (SPD) und Jocher forderten, habe man ebenfalls bereits auf dem Schirm. Als reines Freibad sei dies aber allein nicht zu stemmen, man stehe dazu im Austausch mit dem Plantsch, wollte Kort keine zu großen Hoffnungen schüren. Zumal die Ausbildungsplätze angesichts der späteren Vergütung im Beruf nicht sehr attraktiv seien. Ein Dilemma, pflichtete auch Norbert Merk (CSU) bei, der das Gehalt eines Fachangestellten auf 1600 Euro netto bezifferte. Dazu komme, dass man bei der Suche nach Personal in Konkurrenz zur „Crème de la Crème der Badeorte“ in Deutschland stünde. Keine guten Aussichten.

Zumindest Schwimmkurse sollen stattfinden

Zumindest einen kleinen Lichtblick gab es dann doch noch in der Sitzung. Man wolle versuchen, zumindest Schwimmkurse im Juli und August anzubieten, wenn die neue Beckenheizung in Betrieb sei, kündigte Ostenrieder an. „Das ist mit einem Bademeister zu stemmen.“ Auch einzelne Badetage anzubieten, werde geprüft. Für Inhaber von Jahreskarten für die vergangene Saison gebe es zudem 25 Prozent Ermäßigung im Plantsch, auch könnten Peitinger Bürger heuer Saisonkarten fürs Altenstadter Bad erwerben. Jahreskarteninhaber sollen zudem für die Saison 2023 zehn Prozent Rabatt beim Kauf einer neuen Karte erhalten.

Am Ende trug die große Mehrheit die Schließung des Bads mit, vier Räte stimmten dagegen. Einer von ihnen war Günter Franz (Grüne). „Das ist mein Appell an die Verwaltung, alle Fantasie spielen zu lassen, um noch eine Lösung zu finden.“

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