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Zauberer Erwin Zwerschke: Aus einem Schirm wird ein Gestell mit bunten Tüchern.

Zauberabend in der „Zauberhütte“

Infiziert mit dem „Bazillus magicus“

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Zauberer-Speeddating und fliegendes Buffet: Die „Zauberhütte“ in Birkland hat schon vor fast 70 Jahren Zauberei und Gaumenfreuden auf einzigartige Weise kredenzt. Eine Geschichte über magische Momente und außergewöhnliches Essen.

Birkland –Ritsch-ratsch. Die Fetzen fliegen. Im Fokus: die Hände von Karl-Heinz Wittmann. Das muss man doch sehen, wie der das macht mit der Zeitung. Ein alter Trick. Von seiner Magie hat dieser Zauber nichts verloren. Der Zauberer entfaltet das Blatt wieder – völlig unversehrt, versteht sich. Gesehen hat man leider nichts. Zumindest nichts, was verdächtig wäre.

„Es heißt: Je mehr man aufpasst, um so weniger wird man sehen“, erklärt der 75-jährige passionierte Zauberer mit einem ausgefuchsten Lächeln auf den Lippen. Die Bühne an diesem Abend ist ungewöhnlich: Mitten in der bayerischen Gaststube zaubern zwischen den Tischen an diesem Abend fünf Magier in der „Zauberhütte“ im Mößle in Birkland. Der Name: Er ist seit vielen Jahren Programm.

Zauberer Karl-Heinz Wittmann schreddert das Geld der Gäste.

Zauberabende wie diesen hat es hier schon vor 50 Jahren gegeben. Fünf Jahrzehnte später spürt man noch das besondere Flair in den Räumen dieses Kleinods, das auch landschaftlich zauberhaft eingebettet ist in die Natur. Innen weht ein Hauch von Nostalgie in gemütlichem Ambiente bei schickem „Flying Buffet“ – kleine Teller mit Köstlichkeiten aus der Küche werden an den Tischen kredenzt. Eine Kombination, die man so andernorts selten finden dürfte. Nicht umsonst gehen die Plätze für die Zauberabende mit schickem Essen weg wie belegte Semmeln.

Apropos „Flying Buffet“. Es fliegt so einiges an diesem Abend. Bälle, Karten, Hände. „Die Leute meinen, da, wo sie hinschauen, ist es richtig. Aber es ist verkehrt.“ Karl-Heinz Wittmann lacht verschmitzt. Hinter den Trick mit der Zeitung ist ihm in all den Jahren noch keiner gekommen. Ein Erfolg, der auf harter Arbeit beruht. Seit 1968 zaubert der gelernte Friseur aus Schongau.

„Das ist wie ein Bazillus mit dem Zaubern“, sagt er. Deswegen tüftelt er auch heute noch an neuen Tricks, mit denen er in der Zauberhütte die Leute zum Staunen, aber auch zum Lachen bringt. Sein Stil: Nobler Anzug, hintergründiger Humor und feine Gesten. „Man muss das humoristisch verkaufen können“, ist seine Antwort auf die Frage, was einen guten Zauberer eigentlich ausmacht.

Karl-Heinz Wittmann ist nicht das einzige Urgestein an diesem Abend. Seit 1968 zaubert er in der Zauberhütte und gehört damit ebenso fast schon zum Inventar wie Erwin Zwerschke aus Birkland. Der urige 76-Jährige ist seit dem ersten Zauberabend, den es einst in der alten „Zauberhütte“ gab, dabei – nach Jahrzehnten jetzt sogar gemeinsam mit seinem Enkel Andreas Wohlleib (25) aus Rott. Tatsächlich: Das scheint etwas von Bazillus zu haben, das mit der Zauberei. Generationsübergreifend ansteckend scheint es auch noch zu sein.

Andreas hat das beim Opa gesehen. „Da war ich sechs. Seitdem zaubere ich.“ Als Kind hat er unter der Anleitung einer Kinder-Zauber-Lehrerin viel gelernt. Ja, so etwas gibt es. Und noch heute übt der Chemietechniker als Ausgleich zum Job zu Hause ziemlich viel. Vor dem Publikum an den Tischen sieht das dann so aus: Eine Frau hat die Hand in einer verschlossenen Kiste. Muss fühlen. Was ist da drin? „Weich und kuschelig“, befindet sie. Kiste auf: Heraus kommt Stacheldraht. Na, wenn das mal nicht magisch ist. Unglaublich. Unerklärlich.

Die lästige Schwiegermutter: Nicht nur beim Zaubertrick ist sie ein rotes Tuch

Die Verzauberten an den Tischen johlen und klatschen vor Begeisterung. Auch bei Opa Zwerschke einen Raum weiter ist das nicht anders, auch wenn’s hier zünftiger zugeht. Das Zauber-Urgestein bemüht gerne die lästige „Schwiegermutter“, die sich als Seil oder – selbstverständlich rotes – Tuch plötzlich verknotet zwischen die zwei frisch „Verliebten“ drängt. Der lustige Senior rollt die Augen, wenn er erzählt. Weil er dabei selbst so viel lacht, muss man gleich noch mehr mitlachen bei den kleinen Anekdoten, die er hier zum Besten gibt. Opa Zwerschke jongliert verbal. Lässt Wasser aus Zeitungen fließen. Und „foltert“ einen weiblichen Gast mit Schandgeige und Messer. „Das ist was für starke Nerven“, warnt er. Das Messer bohrt sich durch den Hals. Die Frau schreit vor Schreck. Halb tot sind am Schluss lediglich die anderen Gäste – vor Lachen.

Währenddessen spielt Klaus Wittmann mit einer Rasierklingenkette, massakriert Original-Geldscheine aus dem Publikum und holt diese scheinbar unversehrt aus einer echten Zitrone wieder heraus. Offene Münder. Staunen auf der einen Seite, jahrzehntelange Zaubererfahrung auf der anderen.

Robert Astleitner: Der Chef der Küche zaubert am Herd.

Hinterm Tresen steht auch immer wieder mal der Herr des Hauses. Robert Astleitner. Während der kurzen Küchenpausen schaut der Chef des Hauses ein bisschen zu bei der Zaubershow, die die Zauberhütte zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Astleitner hat die Arme verschränkt, lächelt wohlwollend. So viele gut gelaunte Gäste – da kann so mancher Wirt davon träumen. Dass das Konzept „Zauberabend“ aufgeht: Das liegt sicherlich auch an der traditionell-ausgefallenen Küche, die auf kleinen Tellern fein angerichtet in den Zauberpausen an den Tischen kredenzt wird.

Astleitner selbst kann nicht zaubern – zumindest nicht mit Karten oder Zeitungen oder Seilen. Er ist mehr der Zauberer am Herd. Der Mann mit dem feinen Gaumen, dem Gespür, aus dem Normalen das Außergewöhnliche zu machen und dem feinen Händchen für die optische Kreation. Dass der Laden und auch die Zauberabende so gut laufen: „Das ist harte Arbeit.“

Den Gästen so richtig auf die Pelle rückt an diesem Abend Nachwuchs-Zauberer Timm. „Ich bin nah am Zuschauer dran“, verspricht der Newcomer am Zauber-Himmel, der mit seinem umwerfenden jugendlichen Charme nicht nur die Damenwelt verzaubert. Timm, gerade mal 14 Jahre jung, streicht eine blonde Strähne aus dem Gesicht, dann übers Jackett, dann über einen Kartenstapel am Tisch. Karten verschwinden. Tragen die richtige Nummer. Kann diese junge Kerl Gedanken lesen? Wie geht das? „Alles ein Geheimnis.“ Timm zwinkert verschmitzt.

In seiner Freizeit liebt der Schüler Parcouring und Musik – und eben auch Kartentricks. „Manche Kumpels habe ich schon so genervt, die wollen davon gar nichts mehr sehen.“ Bei den Gästen an diesem Abend ist das anders. Die können gar nicht genug bekommen von verschwindenden und richtig erratenen Karten.

Und wo an diesem Abend ein Timm ist, da muss es auch einen Tom geben. Richtig: Auch Tom Kratz gehört zum festen Zauberer-Zirkel in der Zauberhütte. Auch er lässt an Tischen Bälle auftauchen, Karten auf rotem Filz verschwinden und Frauenherzen höher schlagen. Ohne Schirm, dafür mit Charme und Melone – statt Zylinder und Kaninchen.

Lernt man Tom Kratz auch außerhalb des Tischzaubers kennen, merkt man schnell: Der 51-jährige Weilheimer lebt für die Zauberei. Und auch von der Zauberei. Dafür hat er sogar seinen Job als Verlagskaufmann in einem großen Verlagshaus hingeschmissen. Raus aus dem Anzug, rein in die roten Hosenspanner und damit und neuen Tricks raus auf die Straße. „Da fühle ich mich tatsächlich am wohlsten.“

Die Leute schauen nur zu, „wenn ihnen deine Tricks gefallen“

Tom Kratz zaubert im Umkreis von 150 Kilometern nicht nur auf Firmenfesten, Geburtstagen, Weihnachtsfeiern und Kongressen. Auch in Fußgängerzonen trifft man ihn. Vornehmlich in Augsburg, wo die Zauberei draußen noch erlaubt und nicht wie in München als Glücksspiel verboten ist. Das Besondere am Straßenzaubern: „Die Leute auf der Straße schauen dir nur zu und bleiben, wenn ihnen deine Tricks gefallen, nicht nur, weil sie bezahlt haben.“ Das klingt nach einem harten Broterwerb. Und nach einem ehrgeizigem Training für Auftritte wie an diesem Abend.

Tatsächlich zaubert Tom Kratz schon, seit er zehn Jahre alt ist. Dazwischen gab es mal eine 15-jährige Pause. Vor 15 Jahren hat er dann wieder angefangen, Dinge verschwinden und auftauchen, klassische Zauberei wieder aufleben zu lassen. „Der Bazillus Magicus lässt einen nie los.“

Das Becherspiel: Man kennt es vom Urlaub. Beim Warten am Fährhafen. In der Fußgängerzone, am Tresen einer schäbigen Kneipe, wo der zockende Barkeeper dem angetrunkenen Gast die Armbanduhr abzocken möchte. Bei Tom Kratz ist das alles grundsolides Handwerk. Er versetzt die Menschen an diesem Abend damit ins Staunen. Tatsächlich scheint das Ganze zwei normalen Händen augenscheinlich so einiges abzuverlangen. Auch wenn das bei Tom Kratz alles so einfach aussieht: Tatsächlich ist es „einer der ältesten Zaubertricks der Welt“. Fast 100 000 Griffe gibt es, die man beherrschen muss, um das so zeigen zu können. „Ich habe fünf Jahre geübt, bevor ich meinen ersten Becher-Trick gezeigt habe.“ Hat sich scheinbar gelohnt. Mit bloßem Auge kann man trotz größter Bemühungen nicht dahinter steigen, wie das alles funktioniert.

Einen Raum weiter ist Timm am Start, spießt und schlitzt Geldscheine vor den Augen der Besitzer auf. „Hättest du wohl gerne wieder, ist der wichtig der Geldschein oder?“ Gast nickt. Schein heil. Unfassbar. „Das wäre jetzt echt ein guter Zeitpunkt, um zu applaudieren!“ Applaus gibt es an diesem Abend viel. Zauberer-Speeddating quasi mit Gaumenfreuden. Der „Bazillus magicus“: An diesem magischen Ort möchte man sich davon gerne anstecken lassen.

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