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Schon früh war Michl Dacher den Bergen verfallen.

Zum 25. Todestag von Michl Dacher

„Der Michl, der war ein feiner Kerl“

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Er war vor 40 Jahren der erste Deutsche auf dem K2, bestieg in seiner Karriere zehn der 14 Achttausender und blieb dennoch immer am Boden: Am heutigen Dienstag jährt sich der Todestag des Peitinger Ausnahmealpinisten Michl Dacher zum 25. Mal. Wir erinnern an einen der ganz großen Höhenbergsteiger.

Peiting – Es ist der 12. Juli 1979, der Michl Dacher aus Peiting weltweit berühmt machen sollte. Gemeinsam mit Reinhold Messner schält sich der 45-Jährige um 7 Uhr aus dem Biwak-Zelt, das die beiden am Abend zuvor in 7910 Meter Höhe bei eisigen minus 30 Grad errichtet haben. 700 Höhenmeter sind es noch bis zum Gipfel des K2, dem zweithöchsten Berg der Welt. Nur dreimal ist der am schwierigsten zu besteigende Gigant zuvor überhaupt bezwungen worden, noch niemals hatte es vor Messner und Dacher jemand im alpinen Stil und ohne künstlichen Sauerstoff durch die Todeszone gewagt. 

Es wird ein Husarenstück, das beide bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringt. Stundenlang wühlen sich Dacher und Messner durch endlos scheinende Tiefschneehänge. „Die Partnerschaft wird zum verbissenen Ringen miteinander, das sie weitertreibt“, schreibt damals der Spiegel, der die Expedition mit einem eigenen Reporter begleitet. Um 16.40 Uhr kommen die beiden völlig erschöpft am Gipfel an. Nach Messner greift Dacher zum Funkgerät – und bestellt als erstes Blumen für seine Frau in Peiting.

Es ist eine Anekdote, die viel sagt über den Menschen Dacher und seine Bodenständigkeit, die ihn zeitlebens auszeichnete. „Der Michl, der war ein feiner Kerl“, sagt Georg Weihmayer. Als junger Mann bestritten der heute 89-jährige Peitinger und Dacher etliche Bergtouren gemeinsam, am Geiselstein etwa oder am Wilden Kaiser. Schon damals Ende der 1940er habe sich das Talent Dachers beim Klettern und Bergsteigen gezeigt, erinnert sich Weihmayer, oft habe sie der junge Dacher damit überrascht, dass er schwere Aufstiege ganz allein bewältigte.

Nach der erfolgreichen K2-Besteigung ehrte Peitings Bürgermeister Klement Sesar (Mitte) Reinhold Messner und Michl Dacher (re.) für ihre großartige Leistung.

Legendär sei auch sein Training gewesen, erinnerte sich 1994 der damalige Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins, Fritz März, in seinem Nachruf. „Wenn man irgendwo in den Ammergauern unterwegs war, stieg aus einer unmöglichen Flanke der Dacher Michl oder man sah ihn von weitem in rasendem Tempo einen Grat hinauf laufen, dass es nur so eine Freude war, ihm zuzuschauen.“

Ob Ortler-Nordwand (1963), die Matterhorn-Nordwand (1964) oder die Eiger-Nordwand (1969): Dacher meistert eine schwierige Route nach der anderen. 1970 durchquert er gemeinsam mit Franz Martin aus Steingädele in 42 Tagen das grönländische Inlandeis.

Richtig hoch hinauf geht es für Dacher erst 1975. Der Kangchendzönga (8438m) ist sein erster Achttausender. Zwei Jahre später folgt sein bis dato größter Streich: Dacher besteigt den 8516 Meter hohen Lhotse und ist der erste Mensch, der es in eine solche Höhe ohne zusätzlichen Sauerstoff wagt. Eine Pioniertat, für die ihm seine Heimatgemeinde nicht nur die Ehrenbürgerschaft verleiht, sondern die auch Reinhold Messner so sehr beeindruckt, dass ihn dieser 1979 zur K2-Expedition einlädt. Für den 45-Jährigen geht damit ein Traum in Erfüllung. „Für mich ist der K2 der absolute Berg.“

Der grandiose Erfolg wird natürlich auch in Peiting gefeiert. Im Gasthof Dragoner bereiten die Peitinger mit ihrem damaligen Bürgermeister Klement Sesar Dacher und Messner einen großen Empfang. Nur auf die Blumen, die der 45-jährige Peitinger vom Gipfel bestellt hatte, wartet seine Frau Fini, die heute noch in Peiting lebt und mit der Dacher zwei Kinder hat, vergeblich.

Gemeinsam mit Reinhold Messner (li.) stand der Peitinger Michl Dacher nicht nur auf dem K2, sondern eroberte auch im Rekordtempo den Gipfel des 8201 Meter hohen Cho Oyu.

Noch einmal sollten Messner und Dacher gemeinsam für Schlagzeilen sorgen. 1983 erklimmen sie mit Hans Kammerlander den Cho Oyu (8201m) – im Alpinstil und im Rekordtempo. Die Blitz-Expedition geht in die Geschichtsbücher ein. So schnell wie die drei Bergsteiger hatte bis dato noch keine Gruppe einen der 14 höchsten Berge bestiegen.

Insgesamt schafft es Dacher in seiner Karriere auf die Gipfel von zehn Achttausendern – eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass der Peitinger erst im hohen Bergsteigeralter mit 42 Jahren erstmals zu Expeditionen ins Himalaya-Gebirge eingeladen wurde. Für seine Ausflüge in das Reich der Berge bleibt dem Starkstromtechniker zudem nur sein Jahresurlaub, den er sich zusammenspart. 

Sein Traum, einmal auf dem Mount Everest zu stehen, erfüllt sich nicht. Vier Mal steht Dacher bereit, den höchsten Berg der Welt zu erobern – zuletzt versucht er es 1992 im Alter von 60 Jahren. Doch auch dieser Versuch scheitert am Wetter, das Dacher zum Umkehren zwingt. „Bei Harakiri-Sachen mache ich nicht mit“, sagt er später. Unnötige Risiken einzugehen, war seine Sache nicht. „Da war er zu Konzessionen nicht bereit. Das Leben seiner Kameraden und sein eigenes war ihm wichtiger als der Gipfelerfolg“, hebt auch der DAV-Vorsitzende Fritz März in seinen Abschiedsworten hervor.

Dachers Tod am 3. Dezember 1994 ist für alle, die ihn kennen, ein Schock. „Ich weiß noch, wie mir damals mein Nachbar die Nachricht überbracht hat. Da hab’ ich gedacht, mich trifft der Schlag“, erinnert sich Weihmayer. Über Nacht hatte das Herz des 61-Jährigen aufgehört zu schlagen. Tags zuvor hatte er mit Freunden noch gemeinsam Tourenpläne geschmiedet. Fritz März findet treffende Worte: „Mit Michael Dacher verlieren die deutschen Bergsteiger einen ihrer ganz Großen. Mit dem Dacher Michl einen Kameraden, Freund und großartigen Menschen.“

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Es war ein historischer Moment: 2015 kamen die Räte aus Schongau, Peiting und Altenstadt erstmals zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Es war der öffentliche Startschuss für das Interkommunale Entwicklungskonzept (Ikek). Die Bilanz nach vier Jahren Zusammenarbeit fällt gemischt aus.

Die Fridays for Future-Bewegung ist in Schongau angekommen. Trotz des schlechten Wetters wurden heute 260 Teilnehmer gezählt, die über die Bahnhofstraße in die Altstadt zogen. Der Verkehr stand still.

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