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Das Grundstück am Bühlach, auf dem das Marienheim gebaut werden soll. An den markierten Stellen wurden Probe-Bohrungen für ein Bodengutachten gemacht.

Peitinger Gemeinderat hat umstrittenen Neubau beschlossen

Marienheim am Bühlach: Rat macht den Weg frei

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Nach langem Ringen um einen neuen Standort für das Peitinger Marienheim hat der Peitinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Weg freigemacht für einen Neubau auf dem umstrittenen Grundstück am Bühlach. Das Bodengutachten liegt vor. Ein Neubau ist möglich. Mit fünf Gegenstimmen hat das Gremium beschlossen, dass jetzt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wird.

Peiting – Das Bodengutachten für das Grundstück am Bühlach liegt vor. Mit dem Ergebnis: Unter erschwerten Bedingungen kann dort gebaut werden. Keine großen Diskussionen mehr zu einem heiß diskutierten Thema: Mit der Abstimmung über das Aufstellen eines Bebauungsplanes hat der Peitinger Gemeinderat diesmal ohne großes Gepolter ein umstrittenes Bauvorhaben auf den Weg gebracht.

Seit vielen Monaten sei die Entscheidung um den Standort am Bühlach aus diversen Gründen immer wieder verschleppt worden – zuletzt durch die Corona-Situation, so Bürgermeister Michael Asam. Dass jetzt eine Entscheidung fallen muss, war freilich klar: Die Heimaufsicht hatte April 2020 als Frist gesetzt. Bis dahin müsse ein Konzept vorliegen, wie es mit dem Marienheim weitergeht.

Viele Gespräche hatte Bürgermeister Asam im Vorfeld der Sitzung vom vergangenen Dienstagabend geführt. Unter anderem mit der Heimaufsicht. Die hatte wegen der Corona-Situation sogar noch angeboten, die Frist von April bis Mitte Juni zu verschieben. „Es könnte vertagt werden“, so Asam. An der Entscheidung, ob man das Marienheim am Bühlach wolle, ändere das jedoch nichts.

Und weil man eben irgendwann eine Entscheidung treffen muss, hat der Gemeinderat dann auch mit der Aufstellung des Bebauungsplans grünes Licht für den neuen Standort am Bühlach gegeben. Mit fünf Gegenstimmen (Christian Lory, Alex Zila, Alfred Jocher, Hermann Mödl, Andreas Barnsteiner) hat sich die große Mehrheit der Räte dafür ausgesprochen.

Unter Corona-bedingt erschwerten Umständen sammeln die Anwohner am Bühlach Unterschriften fürs Bürgerbegehren – kontaktlos per Flipchart und Tisch.

Übrigens: Auch mit dem neuen Träger, der Arbeiterwohlfahrt, hat Asam nochmals Kontakt gesucht. Die hält am Bauvorhaben fest, verweist nochmals auf die erheblichen Planungskosten, mit denen man schon in Vorleistung gegangen sei. Beim Vertrag behält sich die AWO ein Rücktrittsrecht vor, „falls kein Baurecht erteilt wird“.

Und noch etwas: Auch mit Herzogsägmühle hat Asam nochmals das Gespräch gesucht. „Die will sich nicht einmischen, hat aber der AWO das Angebot gemacht, sich zusammenzusetzen.“ Im Mai gibt es ein Gespräch der Träger. „Da könnte es zu neuen Überlegungen kommen, das wird noch offen gehalten.“

So scheint in der Sache Marienheim am Bühlach noch einiges offen. Auch der Ausgang des Bürgerbegehrens. 669 Unterschriften gegen den Standort am Bühlach haben die Anlieger inzwischen gesammelt. Corona-bedingt ist die Sache ins Stocken geraten. „Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das zusammenkriegen“, so Anlieger-Sprecher Jürgen Schleich gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Zu knacken ist die 860er-Marke. Bis wann die Unterschriften vorliegen müssen, ist nicht festgelegt. Wie es weitergeht, wenn die Anlieger ihr Ziel erreichen? Der neue Gemeinderat muss dann entscheiden, ob er das Bürgerbegehren ablehnt oder ob es zu einem Bürgerentscheid kommen kann. Bei einer solchen Ablehnung „bleibt uns nur der Rechtsweg“, so Schleich.

„Die AWO hat mich gebeten, dass sie ein Zeichen vom Gemeinderat braucht, wie es weitergeht“, so Bürgermeister Michael Asam. „Heute will ich keine Grundsatzdiskussionen mehr.“ Mit seiner Abstimmung hat das Gremium ein Zeichen gesetzt.

Das Bodengutachten:

Ein bisschen ist das wie mit einer Party, von der man sich wenig erwartet und eigentlich gar keine Lust hat, hinzugehen: Meistens sind das dann rückblickend die besten Feiern, auf denen man jemals war. Ähnlich beim Bodengutachten am Bühlach, dort, wo das neue Marienheim entstehen soll. „Es ist gar nicht so schlecht – wir sind von einem schlimmeren Ergebnis ausgegangen“, wertet Bauamtsleiter Fabian Kreitl in der öffentlichen Gemeinderatssitzung das Ergebnis des 35-seitigen Gutachtens, das sich freilich für einen Laien laut Kreitl wie „Hieroglyphen“ liest. Kreitl selbst übersetzte es gern. 

Vier Bohrungen an diversen Stellen hätten für das Grundstück ergeben: Nach 3,60 ist der schlüpfrige Lehm weg, bei der Bohrung ist man in dieser Schicht auf Sand gestoßen. Der ist verdichtet „und kann hohe Flächen aufnehmen“. Weitere Ergebnisse: Um beim Aushub den Hang abfangen zu können, muss eine Spundwand gebaut werden – also ein Verbau zur Sicherung von Baugruben, der zugleich abdichtet. „Aber das ist absehbar, wenn man in einen Hang baut, braucht man das immer“, so Kreitl. 

Der Hang an der Ostseite des Gebäudes muss dauerhaft durch eine Stützwand gesichert werden. Hinzu kommt: Der Boden ist nicht belastet, eine teure Entsorgung ist nicht von Nöten. Allerdings ist die Verdichtbarkeit schlecht, so das Ergebnis des Gutachtens. „Es ist dort nicht optimal zu gründen.“ Die Empfehlung des Gutachters: Das gesamte Bauwerk muss in eine wasserundurchlässige Wanne gesetzt werden. Auch eine Drainage muss gebaut werden.

Das Fazit für Bürgermeister Michael Asam: „Ich habe keine Bedenken für das Bauvorhaben.“ Anders sieht es Gemeinderat Alfred Jocher: „In Teilen kann ich folgen, in vielen Teilen sehe ich das anders.“ Er bezog sich dabei vor allem auf eine Passage des Gutachtens, bei der von „höchsten Schwierigkeiten“ die Rede ist, wenn ein Gebäude des geplanten Ausmaßes an besagter Stelle gebaut werden sollte. Jocher spricht weiter in Sachen Bohrung von einer Momentaufnahme und verweist auf regenreiche Zeiten, in denen das Hangwasser große Probleme bereiten könne. 

Wie gut der Baugrund tatsächlich beschaffen sei, und welche Probleme beim Neubau des Marienheims auf besagtem Grundstück am Bühlach auftreten könnten: „Das muss der Bauherr selbst herausfinden. Wir sind nicht die Handlanger des Bauherrn“, betonte Bauamtsleiter Fabian Kreitl mit Blick auf die Arbeiterwohlfahrt, die weiter an dem geplanten Vorhaben festhält.

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