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Am rechten Hauseck des Gasthofs zur Post am Peitinger Hauptplatz standen die Stempen ursprünglich. Die Aufnahme stammt circa aus dem Jahr 1908.

Ortsgeschichte

Peitinger Stempen auf Schongauer Flur

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Steinerne Stempen vor markanten Gebäuden prägten lange das Peitinger Ortsbild, sind mittlerweile aber gänzlich daraus verschwunden. Zwei der Pfähle stehen allerdings im Schongauer Doswald. Gunnar Prielmeier wünscht sich, dass diese wieder nach Peiting gebracht werden.

Peiting/Schongau – Zwei kurze Steinpfähle, mitten im Doswald, darüber hat sich Gunnar Prielmeier aus Peiting schon als Kind gewundert. Beim Spielen hat er die beiden Stempen einmal entdeckt. Die Frage, wo diese herkommen, beziehungsweise warum die Pfähle mitten im Wald stehen, ließ ihn seitdem nicht mehr los. Später habe er die Stempen auch vor Peitinger Gebäuden auf alten Postkarten entdeckt, die er sammelt.

Neugierig hat er nachgeforscht, verschiedene Leute in Peiting gefragt, ob sie etwas darüber wissen. Heraus kam, dass die Stempen früher vor allen wichtigen Gebäuden und Wirtschaften im Ort standen. Damals hatten die Stempen nämlich eine wichtige Funktion: an ihnen wurden Pferdekutschen und Ochsenkarren festgemacht.

So befanden sich auch vor dem ehemaligen Gasthof zur Post (heute ist dort die Kreissparkasse) am Peitinger Hauptplatz einige Stempen. Wie der Name schon verrät, hielt dort die Postkutsche, die Post wurde verteilt und die Pferde ausgewechselt. Außerdem konnten Besucher des Gasthofs ihre Gespanne an den Stempen vor dem Gebäude festbinden.

Die beiden Pfähle, die am rechten Hauseck standen, befinden sich nun im Doswald, nahe der Lechtalbrücke – und zwar auf Schongauer Flur, ist sich Prielmeier sicher. Wie die Stempen dort hinkamen, kann allerdings nicht sicher gesagt werden. Laut Prielmeier habe der Eigentümer des Peitinger Gasthauses zur Post auch ein Grundstück im Doswald besessen. „Als er die Stempen nicht mehr gebraucht hat, hat er sie auf sein Grundstück in den Wald gebracht, wo sie wahrscheinlich als Grenzmarke dienten“, vermutet Prielmeier.

Wann das war, ist allerdings unklar. „Es dürfte rund hundert Jahre her sein“, meint er. Auf Postkarten aus dem Jahr 1910 seien die Stempen vor dem Gasthof zur Post noch zu sehen. Im Jahr 1940 fehlen sie schon. Weil die Postkartenbilder aber oft mehrere Jahre lang verwendet wurden, sei dadurch leider keine genaue Datierung möglich.

Auch Schongaus Stadtförster Klaus Thien sind die Stempen im Doswald schon aufgefallen. Zu welchem Zweck sie dort stehen oder einmal standen, habe er sich aber nicht erklären können. Vielleicht als Abgrenzung des ehemaligen Hollwegs, der dort verlief, habe er sich gedacht. Darauf, dass die Stempen zum Anbinden von Pferden und Ochsen verwendet wurden, sei er aber nicht gekommen.

Die Pfähle stehen an der Gemarkungsgrenze zu Peiting, weiß Thien. Dieses Gelände gehöre der Stadt schon sehr lange. Das angrenzende, kleinere Grundstück könne aber durchaus dem Posthalter gehört haben, meint er.

Dass die Stempen völlig ohne Funktion im Wald stehen, findet Prielmeier sehr schade. Er wünscht sich, dass die Stempen wieder zurück nach Peiting kommen. Er hat auch schon eine Idee, wie die geschichtsträchtigen Pfähle ins Ortsbild integriert werden können: Vor der Sparkasse könnten die Stempen fast wieder an ihrem ursprünglichen Platz angebracht werden. „Zwischen den Torbögen und der ehemaligen Bundesstraße wäre ein geräumiger Platz, um die Stempen hin zu stellen. In den Torgewölben wäre eine Bildtafel und ein Hinweis eine Bereicherung“, schlägt Prielmeier vor. Somit würde ein Stück Geschichte erhalten bleiben und mit dem Neuen verbunden. Vielleicht hat die Sparkasse ja Interesse daran, hofft Prielmeier.

Davor müssten aber natürlich noch die Besitzverhältnisse der Pfähle geklärt werden. Zumindest von Schongauer Seite spricht erstmal nichts dagegen, die Stempen wieder nach Peiting zu verlegen. „Wenn er sie abholt, kann er sie haben“, meint Stadtförster Thien.

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