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Abrasiert: Auch entlang der Straße standen einst Bäume. Die seien erst radikal zurückgeschnitten und dann entfernt worden, sagen die Mieter.

Zahlreiche Bäume und Sträucher entfernt

Radikaler Kahlschlag in einer Peitinger Wohnanlage empört Mieter

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In einer Wohnanlage in der Peitinger Gartenstraße herrscht dicke Luft. Über Jahre habe der Hausmeister im Auftrag der Hausverwaltung fast alle Bäume und Büsche auf dem großen Außengelände entfernt, beklagen Bewohner. Eine Geschichte über die Ohnmacht der Mieter und wie sich jetzt vielleicht doch alles zum Besseren wendet.

Peiting – Die Sonne lacht vom Himmel, der Spätsommer zeigt sich beim Besuch der Wohnanlage an der Gartenstraße noch einmal von seiner besten Seite. Es ist ein Tag, der Gartenliebhaber überall noch einmal hinaustreibt, um die eigenen Pflanzen zu hegen und zu pflegen, bevor der Herbst die kalte Jahreszeit einläutet. Ein solches grünes Idyll sei früher auch ihre Wohnanlage gewesen, sagt eine junge Bewohnerin. Wie alle, die an diesem Nachmittag ihr Leid klagen, will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen – die Angst, möglicherweise ihre Wohnung zu verlieren, ist zu groß. Die Mieten im Haus, das Mitte der 1960er Jahre als Sozialbau errichtet worden war, sind noch bezahlbar. Doch der Frust über den Kahlschlag, der in den letzten Jahren hier passiert sei, der müsse raus, sagt sie – in der Hoffnung, dass dann vielleicht endlich etwas geschehe.

Das Luftbild zeigt, wie es 2003 um den Baum- und Strauchwuchs auf dem Grundstück der Wohnanlage bestellt war.


Manche der Bewohner leben schon ihr ganzes Leben in den Mehrfamilienblöcken an der Gartenstraße, können sich noch gut erinnern, wie der große Garten früher einmal aussah. „Die Anlage war ein Traum für Kinder“, sagen sie.

Das Luftbild aus dem Jahr 2018 zeigt die Veränderung. 

Eine der Mieterinnen holt ein altes Foto hervor. Es ist unscharf, doch der Unterschied zu heute fällt sofort ins Auge. Wo einst große Bäume und Sträucher standen, ist nur noch Wiese zu sehen. „Es war eine wunderschöne Wohnanlage, bis der Hausmeister alles weggerissen hat.“ Zwetschgen, Tanne, Birke, Holunder: Über 20 Bäume und Sträucher seien im Verlauf der letzten Jahre nach und nach gefällt und entfernt worden, klagen die Mieter. Und sie haben eine Vermutung für den Kahlschlag: Weniger Pflanzen bedeuten schließlich weniger Aufwand. „Nur Mähen ist halt einfacher.“ 

Auf dem alten Foto einer Mieterin links sieht man, wie der Garten früher einmal ausgesehen hat.


Doch was sagt der so Gescholtene beziehungsweise die zuständige Hausverwaltung dazu? Diese verweist auf die Besitzer der Wohnungen. „Sowohl die Hausverwaltung als auch der Hausmeister sind gehalten, die Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft umzusetzen.“ Ob die Fällungen tatsächlich angeordnet wurden, darüber will man keine Auskunft geben. „Was die Inhalte der jeweiligen Beschlussfassungen anbelangt, können Ihnen diese nicht zur Verfügung gestellt werden, da einer Veröffentlichung sowohl datenschutzrechtliche als auch WEG-rechtliche Vorschriften entgegenstehen.“

Heute sind viele der Bäume und Sträucher nicht mehr vorhanden.

Weil Beschwerden über das Vorgehen nichts fruchteten, hat sich eine Mieterin jetzt an die Gemeinde gewandt. „Alle reden vom Artenschutz, man müsse etwas tun für die Insekten und Vögel. Da kann so etwas nicht erlaubt sein.“

Marktbaumeister Fabian Kreitl ist der Sache nachgegangen. Grundsätzlich handle es sich um ein Privatgrundstück, allerdings liege dieses im Bereich des Bebauungsplans „Langwand“, der entsprechende Pflanz-Vorschriften enthalte, erklärt Kreitl auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten. Deshalb, das bestätigt auch die Bauverwaltung im Landratsamt, könne die Gemeinde den Besitzer durchaus verpflichten, diese auch umzusetzen. „Wir haben hier aber einen Ermessensspielraum.“

Marktgemeinde setzt Hausverwaltung Frist

Um sich selbst ein Bild zu machen, suchte der Marktbaumeister jüngst gemeinsam mit Bauhofleiter Tim Osterhaus die Wohnanlage auf und verglich die Zahl der Pflanzen mit alten Luftbildaufnahmen. Das Ergebnis bestätigte den Vorwurf der Mieter: „Hier ist radikal alles weggeschnitten worden.“ Den „massiven Eingriff“ will die Gemeinde nicht hinnehmen. Man habe die Hausverwaltung schriftlich aufgefordert, die Außenanlagen bis Mitte November entsprechend den Vorgaben des Bebauungsplans zu gestalten, sagt Kreitl. „Wir versuchen es erst einmal im Guten.“ Sollte die Frist allerdings ohne Reaktion verstreichen, werde man die Umsetzung per Bescheid durchsetzen. 

Für die Mieter ist das eine gute Nachricht. Ihrem Gemeinschaftsgarten stehen wohl endlich wieder bessere Zeiten bevor.

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