+
Weil er bei einem Geigenkonzert Probleme mit den Mikrofonen hatte, tüftelte Marius Drobisz (Gymnasium Starnberg) an einer patentverdächtigen Lösung. 

„Jugend forscht“ in Peiting

Verstärker für den optimalen Geigen-Ton

Zucker für die Zähne und eine Autotür die Passanten schützt? Das sind nur zwei von insgesamt 48 Projekten, mit denen die 86 Teilnehmer in diesem Jahr bei „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ an den Start gingen. 

Peiting Das muss er wohl sein: der sagenumwobene Vorführeffekt. Gerade hat alles noch einwandfrei funktioniert – im nächsten Moment versagt die Technik ihren Dienst. Am eigenen Leib hat das der Schongauer Jonathan Schopper (Schüler der Pfaffenwinkel-Realschule) beim Regionalentscheid Voralpenland des „Jugend forscht“- und „Schüler experimentieren“-Wettbewerbes gestern in der Peitinger Schloßberghalle erfahren. Ein Ultraschallsensor ist ausgefallen, wichtiger Bestandteil seiner Konstruktion: Der Prototyp eines Verschlussmechanismus für Autotüren. Weil das Handy des 15-Jährigen kein Guthaben hat, muss er sich eines leihen, um die Mama zu informieren, die einen neuen Sensor vorbeibringen soll.

Nur ein paar Stände weiter macht sich Seppi Frühschütz-Grüning (Bad Bayersoien) für die Präsentation seines Projektes bereit. Der 14-jährige ist ein alter Hase, war er doch schon mehrmals bei „Schüler experimentieren“ dabei. Dieses Mal hat er einen Handy-Akku gebaut, der durch Körperwärme aufgeladen werden kann. Dafür verwendet er Peltier-Elemente, „die Strom durch Temperaturdifferenzen produzieren können“, erklärt der Schüler der Pfaffenwinkel-Realschule. In der warmen Schloßberghalle ist der Unterschied zwischen Körpertemperatur und der Umgebung nicht so groß. Um den Effekt zu verstärken, hat er daher eine Kühltruhe mitgebracht. Darin verstaut er die Elemente, die er noch schnell ein wenig herunterkühlt, bevor es ernst wird. Wohl dem, der sich zu helfen weiß.

Zu helfen wusste sich auch Marius Drobisz. Der 14-jährige, der das Starnberger Gymnasium besucht, hat bei einem Geigenkonzert schlechte Erfahrungen mit den verwendeten Mikrofonen gemacht: „Wurde eines zu weit weg von der Geige aufgestellt, waren die Raumgeräusche zu hören – wurde eines zu nah an der Geige aufgestellt, bin ich mit dem Geigenbogen dagegen gestoßen“, berichtet Marius. Mit einem Piezoelement, das mechanische Kraft in elektrische Spannung umwandelt, und dank eines Vorverstärkers ist es dem Gymnasiasten gelungen, dass ein Verstärker einen optimalen und in der Lautstärke regulierbaren Geigen-Ton wiedergibt. „Etwas vergleichbares gibt es eigentlich noch nicht. Mir wurde gerade sogar schon von einer Frau, deren Tochter ebenfalls Geige spielt, geraten, ein Patent anzumelden“, sagt Marius. Da wolle er sich vorher aber noch genau informieren, wie so ein Patent angemeldet wird.

Birkenzucker-Bonbons für gesunde Zähne: Das ist die Idee der beiden Schüler des Füssener Gymnasiums Paul Keller (li.) und Tom Schamberger. 

Patentverdächtig ist auch die Idee von Tom Schamberger und Paul Keller. Mit „Zucker für die Zähne“ sorgten die beiden Schüler des Füssener Gymnasiums für Furore. „Was soll denn das bedeuten?“, fragte ein erstauntes Jurymitglied. Ganz einfach: Tom und Paul haben anhand von Tests mit 51 Probanden herausgefunden, dass das Verreiben von Birkenzucker oder das Lutschen ihrer Birkenzucker-Bonbons nach dem Zähneputzen gegen Zahnstein hilft und auch sonst sehr förderlich für die Zahngesundheit ist. Dabei wirke Birkenzucker ähnlich wie Xylit, das in Kaugummis zu finden sei, schildern die Schüler. Im Gegensatz zu Xylit ist Birkenzucker aber nicht mit so vielen für den Körper schädlichen Chemikalien versetzt.

„Dass unsere Ergebnisse stimmen, haben uns verschiedene Zahnärzte bestätigt“, lässt Tom wissen. Und wie sind sie überhaupt auf dieses Experiment gekommen? „Reiner Zufall: Toms Tante hat den Birkenzucker nach dem Zähneputzen auf ihren Zähnen verrieben“, erzählt Paul schmunzelnd. Gegen den Zahnpastageschmack, wie sie meinte. Der folgende Zahnarztbesuch sei dann sehr erfreulich abgelaufen, weil kein Zahnstein mehr zu finden war.

Insgesamt sind in diesem Jahr, der 13. Wettbewerbsrunde, 86 Teilnehmer mit insgesamt 48 Projekten in den Fachgebieten, Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo-/Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik in Peiting an den Start gegangen. Heute werden die Sieger gekürt, die sich für die bayerischen Landeswettbewerbe qualifizieren. Die finden vom 3. bis 5 April in Vilsbiburg („Jugend forscht“ ab 15 Jahren) sowie vom 4. bis 5. Mai in Dingolfing („Schüler experimentieren“ unter 15 Jahren) statt. Den Abschluss der Wettbewerbe bildet das Bundesfinale in Erlangen.

Es versteht sich von selbst, dass die jungen Erfinder und Forscher davon träumen, es bis dahin zu schaffen. Doch in erster Linie versteht Wettbewerbsleiter Stefan Felber den Regionalentscheid als Plattform, eigene Ideen mit eigenen Mitteln umzusetzen. „Dabei muss auch nicht das Rad neu erfunden werden – vielmehr soll der Pioniercharakter der Schüler gestärkt werden“, betont Gymnasiallehrer Felber. Durch ehrliches Feedback und den einen oder anderen Tipp sollen die Teilnehmer, die Nachwuchsforscher und künftigen Erfinder, geschult werden. „Und auch der Austausch untereinander soll mit diesem Wettbewerb gefördert werden“, hebt der Studienrat am Schongauer Welfen-Gymnasium hervor.

Jonathan Schopper hatte wegen des defekten Sensors eher mit seinem Forschungsprojekt zu tun. Während seine Mutter mit dem Ersatzteil nach Peiting eilte, hat der 15-Jährige seinen Prototypen selbst wieder in Stand gesetzt. Nochmal Glück gehabt. Denn die fachkundigen Juroren stehen schon bereit und wollen ausführlich über den Versuchsaufbau informiert werden.

Franziskus Reich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mitten in Peiting: Plötzlich war eine Schildkröte im Teich
Nur zwei auf zwei Meter ist der kleine Gartenteich des Peitinger Ehepaars Kehrer groß, doch seit einigen Wochen fühlt sich dort eine Schildkröte pudelwohl. Nur: Sie …
Mitten in Peiting: Plötzlich war eine Schildkröte im Teich
Burggener Bürgermeister zeigt Verdienstmedaillenträger an
In Burggen lässt es sich gut leben. Die Leute kennen sich, man versteht sich – doch diese Idylle ist getrübt: Zwischen Bürgermeister Joseph Schuster und Bruno Faller, …
Burggener Bürgermeister zeigt Verdienstmedaillenträger an
Schongauer CSU will Expressbus nach Augsburg
Die Schongauer CSU will beim geplanten Neubaugebiet Schongau-Nord am Ball bleiben und fordert von der Stadt einen Projektbeauftragten, der sich des Themas besonders …
Schongauer CSU will Expressbus nach Augsburg
Schreiben ist für Simon Schmitt ein schöner Ausgleich
Als Schwabniederhofener Entertainer  Nr. 1 wurde  Simon Schmitt  schon betitelt. Mit einem Programm „Schmitt happens“ und seinen aberwitzigen Geschichten hat er die …
Schreiben ist für Simon Schmitt ein schöner Ausgleich

Kommentare