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Seit drei Jahren holt er sich auf dem Pferderücken Ruhe und Selbstbewusstsein in sein Kinderleben: Raphael (6) bei der Therapiestunde. 

Reittherapie in Peiting

Auf dem Pferderücken in kleinen Schritten zu mehr Mut

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Getragen werden, abgeben und vertrauen lernen: Diese wesentlichen Bestandteile der Reittherapie ermöglichen es kranken Kindern, mental und körperlich ausgeglichener den Alltag meistern zu können. In Peiting sind Daniel Rosengarts Pferde Winnie, Dragoner und Filou schon so manchem Kind zum Freund, Helfer und Mutmacher geworden.

Peiting – Raphael sitzt auf dem Pferderücken, hält sich an der Mähne fest. Er streckt die Hände nach hinten, dann nach oben. So wie es Melanie Deder ihm zeigt. Ganz zärtlich streichelt der Sechsjährige dann dem Braunen über die helle Mähne und über das Fell. „Ganz flauschig“, stellt Raphael fest und lächelt. „Es geht um die Wahrnehmung“, erklärt Dederl, die Raphael nun schon eine ganze Weile als Anleiterin in der Reittherapie begleitet.

Und es geht um Vertrauen. Rafael, von Geburt auf schwer krank, sitzt nun rittlings auf Winnie. Der Bub hält ein grünes Tuch. „Ganz vorsichtig, nicht erschrecken“, sagt Raphael ein bisschen zu sich selbst und ein bisschen zu Winnie.

Seit drei Jahren besucht Raphael die Reittherapie „Fit mit Tieren“ in Peiting. Möglich gemacht hat dieses Angebot Daniel Rosengart. Der Peitinger hat sich im Jahr 2014 zur Fachkraft für tiergestützte Intervention weiterbilden lassen. Seitdem führt er das Therapieangebot im Sinne seiner Mentorin Monika Bauer auf dem Kirchbichler-Pferdehof fort.

Daniel Rosengart kam als Kind selbst zur Reittherapie – inzwischen hat der gelernte Sozialarbeiter seine eigenen Therapiepferde.

Gemessen daran, wie viel Zeit und Aufwand Daniel Rosengart in die Haltung und Weiterbildung der Tiere steckt – täglich arbeitet der Sozialarbeiter neben seinem regulären Job in einem Kinderheim in Dießen auch noch mehrere Stunden mit den Pferden – ist die Reittherapie kein so richtig lukratives Geschäft. Und für Rosengart trotzdem die tollste Sache der Welt.

Total überzeugt: Winnie, Dragona und Filou sind sein Leben

Winnie, Dragona und Filou: Sie sind sein Leben, „unser Herzblut“, spricht er für sich und seine Frau. Von der tiergestützten Arbeit ist Daniel total überzeugt – nicht zuletzt, weil er als Sechsjähriger selbst von einer Reittherapie profitiert hat. Nach ein paar Jahren klassischen Reitunterrichts kam der Peitinger mit 13 wieder zurück zur Reittherapie. Diesmal als Führjunge. Sieben Jahre lang hat er viel von der Pike auf gelernt, „mit 20 bin ich dann als Co-Therapeut eingestiegen“.

Heute ist Daniel Rosengart 30 Jahre alt. Sein erster Sohn Fabian ist fast ein Dreivierteljahr alt. „Den haben wir schon mit drei Monaten mit aufs Pferd genommen.“ Damals noch liegend. Heute sitzt der kleine Mann schon mit im Sattel und gluckst vergnügt.

Beim getragen werden Vertrauen gewinnen

Bei Raphael geht die Therapiestunde zu Ende. Das Ziel jeder Stunde, so erklärt es Melanie Dederl: „Es geht um Wahrnehmung.“ Außenwahrnehmen, aber auch darum, zu lernen, den eigenen Körper zu spüren. Es geht um stabile Haltung, um Gleichgewichtssinn, darum sich selbst „auszubalancieren“. In der Reittherapie steckt zudem viel von „getragen werden“ – abgeben und vertrauen lernen. Ein ganzheitlicher Ansatz, der mentale und körperliche Dinge zusammenführt. In kleinen Schritten auf dem Pferderücken.

Arbeiten mit den Tieren hat schwer krankem Raphael weitergeholfen

Sabine Langhans beobachtet die Therapie am Rand des Platzes – und auch, wie gut ihrem Sohn Raphael die letzten Jahre mit den Pferden getan haben. Raphael leidet unter Tuberöser Sklerose. In seinem Körper wuchern Tumore – „momentan am Kopf am Herz und hinter den Augen“. Raphael hat Autismus und Epilepsie. Die Reittherapie entspannt ihn, hat seine Mutter festgestellt. Vor allem in Phasen häufiger Anfälle kann das helfen. Auch motorisch hätte ihm das Arbeiten mit den Tieren weitergeholfen.

Bezuschusst wird eine solche Therapie von den Krankenkassen übrigens nicht. „Für bestimmte Kinder gibt es von Stiftungen und Vereinen Förderungen, um das Angebot finanzieren zu können, weiß Daniel Rosengart. Denn für viele Eltern kranker Kinder ist die tiergestützte Therapie nicht mehr wegzudenken.

Infos im Internet: unter www.fit-mit-tieren.de

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