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Schnelles Internet im ganzen Dorf: So will sich Peiting Millionenförderung für Gigabit-Netz sichern

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Von: Christoph Peters

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Die Gemeinde Peiting will den Glasfaserausbau weiter vorantreiben.
Die Gemeinde Peiting will den Glasfaserausbau weiter vorantreiben. © SINA SCHULDT/DPA

Glasfaser statt alte Kupferleitungen: Das könnte in Peiting schon bald Realität werden. Möglich macht es ein neues Förderprogramm, mit dem der Bund den Gemeinden beim Breitbandausbau unter die Arme greift. Die Details wurden nun im Gemeinderat vorgestellt.

Peiting – Seit Jahren treibt die Gemeinde Peiting den Ausbau des schnellen Internets im Ort voran. Erst vor Kurzem fand der Spatenstich für den Anschluss von Betrieben und Wohneinheiten in Ortsrandlage und im Außenbereich an eine moderne Breitbandversorgung statt. 370 Haushalte werden sich nach Ende der Arbeiten im Herbst 2022 über eine eigene Glasfaserleitung freuen können. Von Surfgeschwindigkeiten im Gigabitbereich, die damit möglich sind, kann man im Ort dagegen nur träumen. Zwar hat sich auch hier die Versorgung durch den Ausbau in den vergangenen Jahren verbessert. Doch weil dort der Datenverkehr noch über das alte Kupferkabel läuft, müssen sich viele Haushalte mit Geschwindigkeiten zwischen 30 und 100 Mbit/s begnügen.

Schon im vergangenen jahr für Gigabitrichtlinie beworben

Schon vor mehr als einem Jahr hatte sich deshalb die Gemeinde für die neue Gigabitrichtlinie beworben, mit der der Freistaat den Glasfaserausbau fördern will. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es nun um die Ergebnisse der Markterkundung, die die Regensburger Firma IK-T in den vergangenen Monaten im Auftrag der Kommune durchgeführt hatte. Dabei hatten die Experten gemeinsam mit Vertretern der Verwaltung den aktuellen Stand in Sachen Breitbandversorgung ermittelt. Das Ergebnis: An 22 Adressen im Gemeindegebiet stehen weniger als 30 Mbit/s zur Verfügung, 1128 Haushalte verfügen über einen Anschluss zwischen 30 und 100 Mbit/s. Neben diesen fallen auch 95 gewerbliche Anschlüsse ins Förderprogramm, an denen aktuell zwischen 100 und 200 Mbit/s möglich sind.

Bei der Finanzierung machte sich allerdings schnell Ernüchterung breit. Weil die Fördersumme im bayerischen Förderprogramm auf sechs Millionen Euro gedeckelt sei, käme man bei einem Komplettausbau und den dafür angenommenen Kosten für die genannten Anschlüsse auf einen Eigenanteil der Kommune von rund 15 Millionen Euro, rechnete IK-T-Fachmann Reiner Grasberger vor. „Das ist vollkommen illusorisch.“

Bund fördert netzausbau mit viel Geld

Doch die Experten hatten noch einen Trumpf in der Hinterhand. Auch der Bund hat die Zeichen der Zeit erkannt und stellt Mittel für den Glasfaserausbau bereit. Seit August stocke der Freistaat den dort geltenden Fördersatz von 50 auf bis zu 90 Prozent auf, erklärte Karl Manstorfer von IK-T. Der Förderhöchstbetrag betrage im Bundesprogramm zudem 150 Millionen Euro pro Gemeinde. „Das ist gewaltig.“

Der große Unterschied zeigte sich in der Beispielrechnung. Statt 15 Millionen Euro müsste die Gemeinde nur 1,7 Millionen Euro selbst in die Hand nehmen. Selbst wenn man von deutlich höheren Gesamtkosten in Höhe von 29 Millionen statt 20 Millionen Euro ausgehe, steige der Eigenanteil dank der hohen Förderquoten nur unwesentlich, wies Grasberger hin. Einziger Wermutstropfen: Die durchgeführte Markterkundung muss für das Bundesförderprogramm noch einmal wiederholt werden.

Kabel-Kunden schauen in die Röhre

So gut es klang in der Sitzung: Nicht alle Peitinger Haushalte werden vom geplanten Glasfaserausbau profitieren. Wer schon über einen Kabelanschluss verfügt, bleibt erst einmal außen vor. Diese dürfen laut Richtlinie nicht überbaut werden, sagte Karl Manstorfer. Im Gremium stieß das auf Unverständnis. Herbert Salzmann (SPD) erinnerte daran, dass die TV-Kabelnetze einst mit öffentlichen Geldern finanziert worden seien. „Es ist schade, aber wir müssen das wohl so hinnehmen.“ Auch Tobias Eding (SPD) wunderte sich über die Aussage, schließlich liege ja in jedem Haus mit Kabelanschluss auch ein Kupferkabel, das eigentlich durch Glasfaser ersetzt werde. Doch das sei kein Widerspruch, klärte Manstorfer auf. Wo bereits ein TV-Kabel liege, werde kein Glasfaseranschluss gefördert, weil bereits ein schneller Internetzugang bestehe. Immerhin: Auch die Kabelnetzbetreiber haben laut Manstorfer angekündigt, ihr Netz weiter aufzurüsten. 

Im Gremium war man sich angesichts der Zahlen schnell einig, dem Rat der Experten zu folgen und das Förderverfahren zu wechseln. „Wir sollten da aufspringen“, fand nicht nur Bürgermeister Peter Ostenrieder. Die Breitbandversorgung sei längst ein Standortfaktor, gerade im vergangenen Jahr habe man bei Homeoffice und Homeschooling gesehen, wie wichtig schnelles Internet sei. „Wir wären dumm, wenn wir den Zug vorüberfahren lassen würden.“ Rechne man den bisherigen Ausbau mit ein, wären am Ende rund 2000 der 3200 Haushalte in der Gemeinde mit Glasfaser versorgt. Der Rest sei entweder Kabel-Kunde (siehe Kasten) oder habe bereits eine schnelle DSL-Leitung.

Gemeinde könnte Glasfasernetz selbst betreiben

Weniger einig war man sich bei der Frage, ob der Markt das Glasfasernetz selbst aufbauen und betreiben oder wie bisher dieses Feld den Breitbandversorgern überlassen sollte. Ersteres Modell habe zum einen den Vorteil, dass die Gemeinde bestimmen könne, wie gebaut werde, sagte Manstorfer. Zum anderen ließe sich die Umsetzung deutlich schneller realisieren. Die anfallenden Betriebskosten würden durch die Pachteinnahmen für die Nutzung der Leitungen aufgefangen. Und am Ende stelle ein solches Netz auch einen „ordentlichen Wert“ dar, gab der Experte zu bedenken.

Eine Entscheidung fiel in der Sitzung noch nicht. Man werde erst einmal beide Modelle genau prüfen, kündigte Ostenrieder an.

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