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Auch die Küche ist unbenutzbar.
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Waltraud und Karl Baier sitzen auf dem Müllberg, der einmal ihre Mietwohnung war. Die beiden Peitinger sind völlig verzweifelt, wissen nicht, wie sie die Wohnung wieder herrichten sollen.
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Unbeschreiblich: Der Zustand des Bads.
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Das Bad war hell und gepflegt.
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Auf der schiefen Ebene links hat er geschlafen.
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Der Sitzbereich vor dem Einzug des Mieters.
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Der Messi-Mieter hat fünf Monate keine Miete mehr gezahlt.
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Als Vergleich: So sah es vorher aus.

Die Baiers aus Peiting sind verzweifelt

Senioren-Ehepaar hat Wohnung an einen Messie vermietet - und ist entsetzt

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Waltraud und Karl Baier aus Peiting haben ihren Anbau drei Jahre lang an einen Messie vermietet. Unbemerkt. Eine traurige Geschichte mit Ekelfaktor. Achtung: Bei schwachen Nerven bitte nicht lesen.

Peiting – Noch bevor das Gehirn verarbeiten kann, was der Sehnerv liefert, schaltet sich die Nase ein. Modrig, abgestanden riecht es. Eine Mischung aus Müllhalde, Pipi und? Ja was eigentlich? Lieber nicht drüber nachdenken.

Ohnehin ist der Moment gekommen, in dem sich das Auge aktiv einschaltet. Das ist nicht gut. Zum geruchsbedingten Würgereiz hinzu gesellen sich jetzt auch noch Eindrücke, Fetzen von Dingen, die man so vielleicht einzeln schon irgendwo mal gesehen hat. Aber nicht in einer solchen Massierung.

Mehr als einen Meter hoch ist das Meer aus leeren Flaschen. Weinflaschen. Halb zerquetschte Bierflaschen. Es müssen tausende sein. Und das ist keine Übertreibung.

Dort, wo schemenhaft ein Tisch zu erkennen ist, türmen sich vergammelte Lebensmittel. Auf etwas, was Holzbeine hat, mal eine Bank gewesen sein muss, ist ein Berg gewachsen, fast so groß wie der leere Schrank in der Ecke. Alte Zeitungen, Werbehefte, Bildzeitungen und auch Hefte, die Männer gerne mögen.

Der Berg läuft, wie das Berge gern mal tun – auch die aus Müll und Dreck – sanft ab bis hin zu dem, was einmal ein Bett gewesen sein muss. Das Bettzeug liegt auf der schiefen Ebene. Wer hier auf dem Müllberg genächtigt hat, der muss entweder mit dem Kopf nach unten oder halb aufrecht geschlafen haben.

Wie konnte jemand dort überleben?

Zwischen die Bilder schiebt sich eine Frage:  Wie überhaupt kann ein Mensch durch den meterhohen Müll zum Schlafplatz auf den Müll gelangen? Hüfthoch durch das Flaschenmeer waten, mit schalen Bierresten in der Nase, die die Waden umspülen?

In Greifweite des Mülllagers: ein Dreh-Aschenbecher. Er ist leer. Die ausgedrückten Kippen, die irgendwann in ihm hätten landen sollen, haben sich ebenfalls zu einem ansehnlichen Berg angehäuft auf der einzigen freien Ecke eines Wohnzimmertischs. Der wird ansonsten in Beschlag genommen von verschimmelten Würsten in Verpackung, vergammeltem Frischkäse und ranziger Margarine. Das alles geht wieder in den Müllberg über, der in der Ecke sein imaginäres Gipfelkreuz hat. Inmitten des Szenarios gibt die Wand zwischen Spinnweben ein unwirklich erscheinendes Idyll frei: Das Bild von einer Berg-Landschaft wahrt sich seinen Platz über den Müllbergen.

Nebenan, dort, wo einmal eine kleine Küche gewesen sein muss, ein ähnliches Bild. Müll- und Ekelhaufen sind hier von Herd, Spüle und Arbeitsplatte bis unter die Küchenschränke gewachsen. Regelrecht gewachsen ist auch der Inhalt der Lebensmittelpackungen – wie das gammelbedingt nach vielen, vielen Monaten nun mal der Fall ist.

Detailgetreue Beschreibungen von Badezimmer und Klo möchte man sich an dieser Stelle des Ekel-Faktor wegens gerne sparen. Nur so viel: Das Badezimmer, oder vielmehr das, was davon noch zu erkennen ist, hebt sich leider nicht wohltuend vom Rest der kleinen Wohnung ab. Man möchte sich gar nicht erst ausmalen, welche Bewohner es sich während der „Einnistungsphase“ und nach dem Wegzug des Untermieters hier unter dem Müll gemütlich gemacht haben. Schnell wieder zumachen die Tür. Der Magen rebelliert.

Nach dem Müll kommen die Sorgen

Waltraud (80) und Karl Baier (73) stehen vor dem riesigen Berg an Müll und Sorgen. Drei Jahre lang hatten die Peitinger Senioren den Anbau ihrer Garage an einen alleinstehenden Mann vermietet – das letzte halbe Jahr keine Miete mehr bekommen. Und jetzt das. „Man wird so wütend“, ringt Waltraud Baier um Fassung. Ihr Mann ist verzweifelt. Wie soll er jemals aus diesem Ekel-Chaos wieder eine Wohnung machen? Eine, die frisch renoviert war, als der Mieter einzog. Karl Baier ist krank. Seitdem er und seine Frau sich zum ersten Mal trauten, die Tür zu öffnen, geht es ihm noch schlechter. Der Schock sitzt beiden noch in den Knochen.

Haben die Baiers drei Jahre lang nichts bemerkt? „Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl“, sagt Waltraut Baier. Ihre Bitte, einmal in die Wohnung hineinschauen zu dürfen, ignorierte der Untermieter. Einfach hineingehen: Das traute sich das Ehepaar nicht.

Sitzen bleiben sie jetzt auf Mietausfall und enormen Kosten im fünfstelligen Bereich, die für eine Renovierung anfallen dürften. Der Untermieter: „Der war plötzlich weg.“ Er soll jetzt in Herzogsägmühle unterkommen.

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