Pater Joyice Lanithottam segnete im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst die frisch restaurierte historische Fahne aus dem Jahr 1898.
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Pater Joyice Lanithottam segnete im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst die frisch restaurierte historische Fahne aus dem Jahr 1898.

Volkstrauertag-Feier mit Fahnen-Segnung in Birkland – Ergreifende Worte von Gunnar Prielmeier

„Sie erinnern uns an die Vergänglichkeit des Lebens“

Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Anna gedachten die Birkländer am zurückliegenden Volkstrauertag den Opfern von Kriegen und Gewalt. Pater Joyice Lanithottam segnete dabei auch die frisch restaurierte kostbare Fahne der Veteranen.

Birkland – Schade war nur, dass dies bedingt durch Corona ebenso wie die Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal nur im kleinen Rahmen stattfinden konnte.

Allzu gerne hätten die Birkländer Veteranen am vergangenen Sonntag groß gefeiert und sich bei ihren Spendern bedankt. Wenigstens war der Donnerhall der Kanonenschüsse weithin hörbar. Ergreifend ebenso das Trompetensolo von Ludwig Pröbstl zu Ehren der toten Kameraden bei gesenkten Fahnen.

„Die Gedenktage im November erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens, und die Gleichnisse in den Evangelien rufen uns zu Wachsamkeit auf“, hob Pater Joyice in seiner Predigt deutlich hervor. Jeder Mensch dürfe sich seiner eigenen Talente erfreuen. Sie seien eine Einladung Gottes an sie, die Lebensaufgabe mit kraftvoller Liebe zu erfüllen.

Mit gesenkten Fahnen und Böllerschüssen gedachten die Birkländer bei der Kranzniederlegung am Volkstrauertag am Kriegerdenkmal den Gefallenen und Vermissten der Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft.

Dass jeder Einzelne einen kleinen Beitrag leisten muss, damit jeder die Möglichkeit hat, ein menschenwürdiges Leben zu führen, stellte Peitings zweiter Bürgermeister Gunnar Prielmeier deutlich heraus. Der Spruch „die Menschheit lernt nur langsam und vergisst gerne und schnell“ von Hans Paul Bürkner zog sich wie ein roter Faden durch seine emotionale Ansprache – geprägt von fundiertem Wissen und Erfahrungen in der Krankenpflege.

Dass er am Volkstrauertag sprechen konnte, sei dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass sein Großvater den Ersten Weltkrieg überlebt habe. Mit 20 Jahren 1916 eingezogen, musste dieser sofort an die Front vor Verdun. Als er bei der Schlacht an der Somme durch einen Granateinschlag verschüttet wurde, grub ihn ein Kamerad aus Peiting aus.

Um sich die unsägliche Situation der Soldaten vorstellen zu können, besuchte Gunnar Prielmeier einst Verdun. Er hat auch viele Kriegstagebücher beider Weltkriege gelesen und die menschlichen Schicksale erfahren. Wie etwa die des im Ersten Weltkrieg an seiner Psyche erkranken Hans H., der 25 Jahre in der Psychiatrie Haar war und 1940 in eine „Reichsanstalt“ gebracht und getötet wurde.

„Wir gedenken heute dieser grausamen Ereignisse der Geschichte und hoffen und beten dafür, niemals wieder in diese Situation zu kommen“, sprach Prielmeier die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft aus.

Die Auswirkungen der Kriege in anderen Teilen der Welt bekomme er beruflich an der Krankenpflegeschule des Schongauer Krankenhauses hautnah mit. Schüler aus diesen Regionen brächten unfassbare Biografien mit. „In Deutschland haben wir Gott sei Dank eine sehr gute Lebensqualität, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt und nicht durch Neid und Missgunst in eine Ellenbogengesellschaft treibt und alles zerstört“, so Prielmeier.

Er bedankte sich bei allen, die sich für den Volkstrauertag engagieren, das Kriegerdenkmal pflegen, Zeit einbringen und dazu beitragen, dass die Menschheit nicht so schnell vergesse. Sein besonderer Dank galt den Spendern, die zum Erhalt der Fahne beigetragen haben, vor allem dem Veteranen-Vorstand Karl-Heinz Rammelsberger: „Birkland und Peiting können stolz auf sie sein.“

Gerhard Heiß

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