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Strahlende Gesichter: SPD-Geschäftsführer Herbert Salzmann, Ortsvorsitzende Claudia Steindorf, Bürgermeisterkandidatin Annette Luckner, der amtierende Rathauschef Michael Asam und Adolf Kapfer (Ehrenvorsitzender).

Dinkelscherbenerin Annette Luckner kandidiert

Bürgermeisterwahl 2020: Peitinger SPD landet Coup bei Asam-Nachfolge

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Die Spekulationen haben ein Ende: Am Donnerstagabend hat die Peitinger SPD das gut gehütete Geheimnis der letzten Monate gelüftet, wen sie 2020 ins Rennen um das Bürgermeisteramt in der Marktgemeinde schicken will: Die Genossen setzen mit der Dinkelscherbenerin Annette Luckner (52) auf eine externe Kandidatin.

Peiting – Das Nebenzimmer im Gasthof Dragoner füllte sich rasch am Donnerstagabend. Die Ortsvorsitzende Claudia Steindorf kam kaum hinterher, die SPD-Mitglieder persönlich zu begrüßen. Das große Interesse war verständlich, schließlich sollte an diesem Abend endlich verraten werden, welchen Kandidaten der Vorstand für die Nachfolge von Bürgermeister Michael Asam auserkoren hatte. Seit Monaten war in der Marktgemeinde eifrig über diese Personalie spekuliert worden – insbesondere nachdem sich die SPD-Führung im Frühjahr gegen Christian Lory und damit gegen den bis dato am heißesten gehandelten Interessenten aus den eigenen Reihen entschieden hatte. Diverse Namen seien seitdem genannt worden, von Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader bis zum Landtagskandidaten Dominik Streit, blickte Steindorf zurück. Nur, der richtige sei nie dabei gewesen, stellte sie fest und konnte sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen.

Tatsächlich wussten nicht einmal die Fraktionsmitglieder der SPD Details der Kandidatensuche – abgesehen von Herbert Salzmann, der als Geschäftsführer des Ortsvereins neben Steindorf, dem Ehrenvorsitzenden Adolf Kaper und dem amtierenden Rathauschef zum kleinen Kreis der Eingeweihten zählte. Eines hätten die Namen, über die spekuliert worden sei, aber gemein gehabt. „Alles waren Männer“, sagte Steindorf, ehe sie triumphierend hinzufügte: „Doch wir lassen heute keinen Kater aus dem Sack, sondern eine Katze.“

Die „Katze“, die die Vorsitzende anschließend vorstellte und die der Peitinger SPD auch in Zukunft das rote Rathaus sichern soll, heißt Annette Luckner. Die gebürtige Ingolstädterin ist 52 Jahre, lebt mit ihrem Mann Karl seit 25 Jahren in Dinkelscherben bei Augsburg. Sohn Felix (23) studiert in Augsburg, Tochter Pia (21) in Paderborn. Beruflich verantwortet sie als gelernte Redakteurin die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des SPD-Landtagsabgeordneten Harald Güller in Augsburg, organisiert Veranstaltungen von Verbänden und Parteitage. Zuvor arbeitete Luckner schon fürs Lokalradio, die Stadtzeitung und ihre eigene Medienagentur.

Mehr als die berufliche Laufbahn interessierte die SPD-Mitglieder freilich der politische Werdegang der potenziellen Kandidatin fürs Bürgermeisteramt. Und der lässt wenig Wünsche offen. Kreisrätin im Landkreis Augsburg, langjährige Gemeinderätin sowie dritte Bürgermeisterin ihrer Heimatgemeinde. Dazu Mitglied im Präsidium der Bayern-SPD, stellvertretende Vorsitzende der Schwaben-SPD und des Unterbezirks Augsburg-Land: „Wenn ich meinen Terminkalender mit dem von Michael Asam vergleiche, ist da kein großer Unterschied“, sagte die 52-Jährige mit Blick auf ihre politische Arbeit.

Bleibt noch die Frage zu klären, wie die Peitinger SPD und die erfahrene Kommunalpolitikerin zusammenfanden. Den Stein ins Rollen brachte Michael Asam, der sich im Frühjahr bei der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) erkundigte, ob man dort nicht einen geeigneten Bürgermeister-Kandidaten wüsste. Tatsächlich fand Asam wenig später den Lebenslauf von Luckner, die im Vorstand der SGK sitzt, in der Post – und war begeistert. Nach einem ersten Telefonat („Er hat mich nach zwei Sätzen schon gehabt“), setzte sich Luckner mit ihrem Mann ins Auto, um Peiting einen ersten Besuch abzustatten. 

Was sie da sah, gefiel der 52-Jährigen. Nicht nur Peiting, sondern der ganze Pfaffenwinkel sei eine sehr schöne Gegend, schwärmte die Dinkelscherbenerin. Es folgten mehrere vertrauliche Gespräche mit besagtem engsten SPD-Kreis, dann war man sich einig. „Ich bin fest davon überzeugt, dass sie die richtige Kandidatin ist“, betonte Asam. Sie bringe sowohl die politische Erfahrung, als auch die „menschliche Komponente“ mit, die es brauche für dieses Amt. In Dinkelscherben hatte es bei der letzten Kommunalwahl noch nicht geklappt, Luckner unterlag damals dem Amtsinhaber. In Peiting soll es besser laufen. „Bürgermeisterin zu werden, war schon immer mein Traum.“ Nach drei Perioden im Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde sei die Zeit für sie nun reif für etwas Neues, begründete sie ihren Entschluss für die Kandidatur.

Viel Lob für die Kandidatin gab es auch von den Mitgliedern, nur die „fehlende Bindung zu Peiting“ machte einem SPDler Sorge. Adolf Kapfer verwies auf Schongau, wo die SPD mit Friedrich Zeller und Falk Sluyterman schon zwei Mal auf einen auswärtigen Kandidaten gesetzt habe. „Die sind gut damit gefahren.“ Für den Wahlkampf, das machte Luckner jedoch klar, benötige sie die Unterstützung aller. „Ich brauche Leute, die mir erklären, wie Peiting funktioniert.“ So oft es gehe, wolle sie sich in den nächsten Monaten selbst vor Ort ein Bild machen, herausfinden, „wo Probleme sind und wo man neue Wege gehen muss“. Themen wie Mobilität und günstiger Wohnraum seien ihr wichtig.

Die ersten Termine stehen schon. Am Sonntag besucht sie mit ihrem Mann, selbst ein großer Eishockey-Fan, das Heimspiel des EC Peiting, am Dienstag geht es zur Bürgerversammlung. Sie freue sich auch schon darauf, die Kandidaten der anderen Parteien kennenzulernen und hoffe auf einen fairen Wahlkampf. „Mir ist wichtig, dass keine schmutzige Wäsche gewaschen wird.“

Einstimmig votierten die erschienen Mitglieder am Ende der Versammlung für die Wunschkandidatin des Vorstands. Ganz in trockenen Tüchern ist ihre Kandidatur damit aber noch nicht. Die offizielle Aufstellungsversammlung werde im kommenden Frühjahr stattfinden, kündigte Salzmann an.

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