Präsentieren das Tape-Art-Produkt auf dem Hauptplatz in Peiting als Sprachrohr für die Jugend in der Corona-Pandemie: Sonja Merkle und Jürgen Schaffarczik vom Peitinger Jugendzentrum.
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Präsentieren das Tape-Art-Produkt auf dem Hauptplatz in Peiting als Sprachrohr für die Jugend in der Corona-Pandemie: Sonja Merkle und Jürgen Schaffarczik vom Peitinger Jugendzentrum.

Aktion der Jugendzentren im Landkreis

Tape-Art: Der Jugend in Corona ein Sprachrohr geben

Jungen Menschen in der andauernden Corona-Pandemie ein Sprachrohr geben: Vier der fünf Jugendzentren im Landkreis Weilheim-Schongau veranstalten zu diesem Zweck ein sogenanntes Tape-Art-Projekt mit dem Titel „#undduso?“

Peiting – Nicht immer ist der Blick ins Internet wirklich aufschlussreich. Wer „Tape Art“ als Suchbegriff eingibt, findet bei Wikipedia zum Beispiel folgende Definition: „Tape Art (Klebebandkunst) beschreibt Kunst, die aus Klebebändern entstanden ist. Dabei können verschiedene Klebebänder mit unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen verwendet werden.“ Das ist nun immer noch ziemlich abstrakt.

Weiter heißt es: „Tape Art entstand aus der Suche nach einer Alternative für Spraydosen als Unterkategorie im Bereich Urban-Art. Hauptsächlich wurde Tape Art ursprünglich im öffentlichen urbanen Raum angewendet.“

Junge Leute sind da offenbar weniger begriffsstutzig und mit dieser Kunstform vertraut, sonst wären die Jugendzentren des Landkreises, genauer vier von fünf, nicht auf die Idee gekommen, ein „Tape-Art-Projekt“ mit dem schönen Untertitel „#undduso?“ zu initiieren.

Etwas andere Art der Kontaktaufnahme

Hintergrund der Unternehmung: Da alle Jugendzentren in Bayern seit Ende November vergangenen Jahres Corona-bedingt geschlossen sind und somit nur virtuell in Kontakt mit den jungen Menschen treten können, haben die Pädagogen des Jugendzentrums Peiting, Jürgen Schaffarczik, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter des Hauses, und Sonja Merkle, Erzieherin, Kulturpädagogin und pädagogische Mitarbeiterin, nach einer „etwas anderen Form der Kontaktaufnahme“ gesucht – und verfielen auf die Kunstform „Tape Art“.

Denn das Anfertigen von Skulpturen ist eine von vielen Tape-Art-Variationen. Hierbei wird das Klebeband so geformt und miteinander verklebt, dass daraus Figuren entstehen. Meistens wird dabei Malerkrepp, also Papierklebeband, verwendet. Diese Figuren kann man nun im öffentlichen Raum aufstellen, also an der frischen Luft, und damit ganz konform mit den vorgegebenen Hygienerichtlinien.

Es braucht den QR-Code

Aber wie erfolgt nun die besagte Kontaktaufnahme? Auch dies dürften die jungen Leute sicherlich rascher kapieren. Die unter ihnen übliche Frage „Und du so?“ entspricht in etwa dem „Wie geht’s Dir?“, das ältere Semester wählen würden. Damit man auf die Frage reagieren kann, haben die Figuren einen QR-Code auf ihrer Kleidung, hinter dem sich eine Online-Umfrage verbirgt.

Wenn Jugendliche vorbei kommen, scannen sie also den QR-Code mit ihrem Smartphone und gelangen so zu der Befragung, die selbstverständlich anonym erfolgt. Dort werden die Nutzer dazu animiert, ein kurzes Statement abzugeben und zu erzählen, was sich bei ihnen in der Corona-Pandemie verändert hat.

„Das Projekt dient als Kommunikationsplattform für die Jugendlichen“, erklärt Schaffarczik. „Die durch die Befragung gewonnen Statements werden anschließend verarbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert. „Damit wollen wir auf die Situation der Jugendlichen in der Pandemie aufmerksam machen und den jungen Menschen ein Sprachrohr geben“, so Schaffarczik.

Die ersten „Tape Art Figuren“ sind am Hauptplatz in Peiting aufgestellt worden. Zusammengebastelt haben sie die JuZe-Mitarbeiter. „Gemeinsam mit den Jugendlichen können wir ja aktuell keine Aktionen machen“, bedauert Merkle. Sie und Schaffarczik arrangierten ein Figuren-Paar auf einer Sitzbank, sodass man beim ersten Hinschauen meinen könnte, dort sitzen tatsächlich zwei junge Leute.

Bewusst wurden eine Figur mit einer positiven Ausstrahlung und eine, die niedergeschlagen wirkt, geschaffen. So sollen sich die Jugendlichen mit beiderlei Stimmungslagen angesprochen fühlen. Bleibt abzuwarten, welche Resonanz die Aktion bei der Zielgruppe finden wird. Die beiden Pädagogen wollen da keine Prognose abgeben. „Wir hoffen natürlich auf so viele Rückmeldungen wie möglich“, sagt Schaffarczik.

Neben Peiting beteiligen sich auch die Jugendzentren in Weilheim, Penzberg und Schongau an der Aktion. Peißenberg sei nur deshalb nicht vertreten, weil der dortige Mitarbeiter Corona-bedingt im Landratsamt im Einsatz ist, erklärt Merkle. „Und nach Ostern sind jetzt auch die Figuren der anderen beteiligten Jugendzentren in den jeweiligen Gemeindegebieten im Einsatz“, erklärt Schaffarczik.

Sabine Näher

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