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Nach der Rückgabe des Sperrstreifens: UIP-Vorstandsmitglied Gerhard Kral (Mitte) mit den Landwirten Josef Schlögel und Elisabeth Kirchbichler.

Peiting

UIP gibt Sperrgrundstück zurück: Später Abschluss von Mülldeponie-Protest

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Ês ist nur 100 Quadratmeter groß und damit auf den ersten Blick ein eher unscheinbares Stück Land. Doch besagtes Wiesengrundstück bei Peiting-Hausen steht für ein echtes Erfolgskapitel in der Geschichte der Umweltinitiative Pfaffenwinkel.

Peiting – Manchmal wird man durch Zufall von der Vergangenheit eingeholt. Meist dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Als Hans Schütz im Sommer vergangenen Jahres beim Aufräumen über alte Ordner stolperte, fiel dem Peitinger ein längst vergessener Notarvertrag in die Hände. Darin festgehalten: Der Kauf eines Grundstücks bei Peiting-Hausen durch die Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP) im Dezember 1991.

Es ist nur ein schmaler Streifen, 100 Meter lang und einen Meter breit, der damals vor mehr als einem Vierteljahrhundert für den symbolischen Preis von einer D-Mark den Besitzer wechselte. Für die UIP steht er bis heute symbolisch für kreativen Widerstand. Denn mit dem Kauf wollte man ein Vorhaben verhindern, das damals hohe Wellen in der Region schlug.

Dieses Bild entstand vor rund 25 Jahren an der selben Stelle.

Auslöser war die Müllpolitik der Staatsregierung. Die setzte trotz alternativer Möglichkeiten weiter auf Müllverbrennungsanlagen. „Es war damals im Gespräch, dass in Peißenberg ein Müllofen errichtet wird“, erinnert sich Hans Schütz, der zu dieser Zeit zur Vorstandschaft der UIP gehörte. Gleichzeitig machte man sich auf die Suche nach neuen Deponiestandorten. In einem Untersuchungsbericht tauchte im Frühjahr 1991 schließlich eine 16 Hektar große, bis dato landwirtschaftlich genutzte Fläche bei Peiting-Hausen ganz oben auf einer Liste geeigneter Stellen auf. Die Fachplaner schätzten, dass dort bis zu einer Million Kubikmeter Müll gelagert werden könnten.

In der Peitinger Bevölkerung kam das Ergebnis freilich gar nicht gut an. Es formierte sich massiver Widerstand gegen die Pläne, angeführt von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel. „Wir haben eine Aktionsgemeinschaft gegründet, um die Mülldeponie unter allen Umständen zu verhindern“, sagt Schütz. Zahlreiche Verbände, Parteien und andere Gruppen schlossen sich der UIP an. Das Bündnis organisierte Informationsveranstaltungen und sammelte an die 4000 Unterschriften gegen das Projekt, die an den damaligen Landrat Manfred Blaschke übergeben wurden.

Neben dem politischen Druck verfolgte die UIP noch einen anderen Weg, um die Pläne für die Deponie zu durchkreuzen. Und hier kommt das besagte Grundstück ins Spiel. Man entschied sich, ein Stück Land inmitten der für die Deponie vorgesehenen Wiesen zu erwerben. Verkäufer des 100 Meter langen und einen Meter breiten Streifens waren die beiden Landwirte Georg Kirchbichler und Josef Schlögel. Ziel sei gewesen, als Grundstückseigentümer in sämtliche Genehmigungsverfahren eingebunden zu werden und damit Zugang zu allen Planungsunterlagen zu bekommen, erklärt Schütz den Hintergrund der Aktion. „Wir bekamen damit auch die Möglichkeit zu klagen, was wir sicher getan hätten.“

Doch soweit kam es am Ende nicht. Als ein Jahr später eine weitere Voruntersuchung abgeschlossen war, stand die Fläche bei Peiting-Hausen zwar weiterhin auf der Liste möglicher Standorte, allerdings war sie ganz nach hinten gerutscht. Der Protest hatte Wirkung gezeigt. Damit nicht genug: Trotz massiven Drucks aus München erteilte der Kreistag der Müllverbrennung und neuen Deponien eine Absage. Der Rest ist Geschichte.

Mit der Entscheidung, in Erbenschwang eine Biomüllkompostierung und eine Mechanisch Biologische Anlage zur Restmüllbehandlung zu errichten sowie die dortige Deponie zu erweitern, sei die „Müllpolitik einen ganz anderen Weg gegangen“, blickt Hans Schütz zurück. Heute sei die Alternative, für die man sich damals entschieden habe, eine Erfolgsgeschichte. „Die Leute kommen von überall her, um sich die Anlage anzuschauen.“

Auch wenn das Sperrgrundstück letztlich nur ein kleines Mosaikstück des ganzen Protests war und offen ist, ob es tatsächlich zum Stolperstein für die Deponie-Pläne hätte werden können: Für Hans Schütz und die UIP hat es seinen Zweck mehr als erfüllt. Nach mehr als 25 Jahren hat das Grundstück deshalb vor einigen Wochen erneut seinen Besitzer gewechselt. Die Initiative hat es den beiden Landwirtsfamilien zurückgegeben. „Die Notarskosten haben natürlich wir getragen, wie damals auch.“

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