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Junge Frau vergisst Handtasche im Zug und ist völlig verzweifelt: Große Hilfsbereitschaft sorgt für Happy End

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Ein Zug der Bayerischen Regiobahn
Eine Frau vergaß ihre Handtasche im Zug und bekam sie dank großer Hilfsbereitschaft wieder.. © Thomas Plettenberg

Es sind Zeiten, in denen man Geschichten wie diese geradezu in sich aufsaugt: Eine junge Frau vergisst ihre Handtasche im Zug. Dank großer Hilfsbereitschaft gibt es ein Happy End. 

Peiting - Es ist abends gegen halb sechs, als eine Peitingerin im Bereich Bahnhof Nord spazieren geht. Über den Weg läuft ihr eine junge Frau – „sie hat laut geschluchzt und war völlig aufgelöst. Zuerst habe ich gedacht, es ist ihr etwas Schlimmes passiert.“

Tatsächlich ist der 21-Jährigen etwas passiert, das schon im Normal-Fall eine Katastrophe ist: Die Frau hat Feierabend, ist von ihrem Job in Schongau mit dem Zug unterwegs nach Hause. In Peiting steigt sie kurz aus dem Zug aus, um ihr Fahrrad zu deponieren, das sie später noch für einen Mini-Job braucht. Überraschend schnell fährt der Zug weiter – mit der Handtasche der Unbekannten, in der sich Schlüssel, Geldbeutel und Mobiltelefon befinden.

Hinzu kommt: Die junge Frau hat Migrationshintergrund. In Deutschland hat sie weder Verwandte noch Vertraute, an die sie sich wenden könnte. Nur mit Mühe kann sie der Peitingerin erklären, was ihr widerfahren ist.

Bei der Leitstelle regaiert man sofort auf den Hilferuf

Die wiederum fackelt nicht lange, wählt die Telefonnummer der Bahn. Dort will ihr der computergesteuerte Anrufbeantworter zwar gerne Fahrkarten verkaufen, Hilfe bekommt sie allerdings nicht. In ihrer Not wählt sie die „110“. „Ich habe schon mit einem Anschiss gerechnet, weil das ja eigentlich kein Notfall ist.“ Zumindest nicht im Sinne des eigentlichen Notrufs. Für die junge Frau ist es wiederum freilich eine Katastrophe, „die war fix und fertig mit der Welt. Die wäre ja nicht mal in ihre Wohnung reingekommen.“

Das Gegenteil von „Anschiss“ ist der Fall: In der Rettungsleitstelle beruhigt man die Helferin, „die waren wahnsinnig nett“. Plan A: Eine Polizeistreife soll in den Zug einsteigen und die Handtasche suchen. Tatsächlich hat die Streife just in diesem Moment einen anderen Einsatz. Plan B muss her. Bayerische Regiobahn (BRB) und Bundespolizei werden verständigt. „Der Zug war allerdings schon auf dem Weg nach Augsburg.“

Inzwischen hat die Peitingerin die aufgelöste junge Frau zu sich mit nach Hause genommen. Von der Polizei bekommt sie mehrere Anrufe über den aktuellen Stand der Dinge. Ein Zugbegleiter hat den Zug durchkämmt und die Tasche gefunden. Ein Wunder: Es ist noch alles drin, nichts fehlt.

Zugbegleiter übergibt die gefundene Tasche am Schongauer Bahnhof

Besagter Zugbegleiter soll jetzt mit dem Gegenzug zurückfahren, um die Tasche nach Schongau liefern zu können. Die Frage: Schafft er es zeitlich? Mit dem Auto fahren die Peitingerin und die 21-Jährige zum Schongauer Bahnhof. „Da wussten wir noch immer nicht, ob es der Zugbegleiter in den Gegenzug geschafft hat.“ Auch dort wird sie vom Bahn-Personal herzlich und verständnisvoll empfangen. Und: Es klappt. Der Zugbegleiter ist da, Taschen-Übergabe am Bahnhof in Schongau. „Die junge Frau war überglücklich.“

Die Peitingerin kommt nach der Aktion zu dem Schluss: „Es kommt nicht oft vor, dass man so nett und hilfsbereit behandelt wird“, freut sie sich über die vielen lieben Menschen bei Polizei und BRB, die ihr und der jungen Frau so unkompliziert geholfen haben. Dass sie selber einer der Helfer ist, darum geht es ihr in keinster Weise. „Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit.“

So haben eine couragierte Frau aus Peiting und viele Helfer eine unbekannte junge Frau an diesem Herbstabend sehr glücklich gemacht – einfach nur um des Helfens willen.

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