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70 Jahre sind Josefine und Franz Cermak (Mitte) verheiratet. Pfarrer Robert Kröpfl (hi. li.) und Bürgermeister Michael Asam (hi. re.) gratulierten. Links Sohn Franz Cermak jun., rechts Tochter Gisela Wörnzhofer.

Josefine und Franz Cermak feiern Gnadenhochzeit

Unglaubliches Jubiläum: Diese Ehe hält seit 70 Jahren

Die Gnadenhochzeit, nämlich den 70. Hochzeitstag, durften Josefine (95) und Franz Cermak (98) am vergangenen Mittwoch feiern. Bürgermeister Michael Asam überreichte hochkarätige Glückwünsche.

Peiting – Zwei besondere Schreiben und Urkunden hatte Michael Asam mitgebracht. Nämlich von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und von Ministerpräsident Horst Seehofer, die beide Glückwünsche zum 70. Hochzeitstag ausrichten ließen. „Wir bedanken uns für die Ehre des hohen Besuchs“, lächelte Franz Cermak. Wer sich über die blumige Ausdrucksweise wundert, muss wissen, dass er im ungarischen Sopron geboren ist. Die ungarische Sprache kennt viele solcher Höflichkeitsfloskeln. Wie Franz Cermak nach Peiting und dort seine Josefine, eine gebürtige Peitingerin, gefunden hat? Das ist eine dieser Geschichten, wie das Leben sie manchmal schreibt.

Eigentlich war Josefine ja mit seinem Bruder Ferdinand, den es mit einer ungarischen Fliegerstaffel in die Region verschlagen hatte, verheiratet. Die beiden wurden in den Wirren der Nachkriegsjahre im Frühjahr 1947 getraut. Josefine war schon mit ihrem ersten Kind Gisela schwanger, als Ferdinand am 11. März 1947 an schwerer Krankheit verstarb. Josefines Schwiegermutter hatte ein Telegramm an Franz Cermak geschickt, der nach Kriegsgefangenschaft in Frankreich in Dillingen eine neue Heimat gefunden hatte. Er sollte nach Peiting reisen. Leider kam er zwei Tage zu spät. Der Bruder war schon begraben.

Zu seiner bis dahin unbekannten Schwägerin fühlte er sich sofort hingezogen. „Es war Liebe, aber der Verstand hat auch mitgespielt“, meinte Josefine Cermak. Als junge Witwe in guter Hoffnung war sie froh, eine Schulter zum Anlehnen gefunden zu haben. Und schließlich war ihr Kind auch noch mit dem neuen Gatten verwandt. So kam es, dass sie im November 1947 zum zweiten Mal heiratete. Mit Franz bekam sie zwei Kinder. Sohn Franz jun. und Tochter Gerlinde, die 1971 bei einem tragischen Unfall verstarb. Mittlerweile sind zwei Enkel und drei Urenkel hinzugekommen.

Der Tod der Tochter war auch die größte Belastung für die Ehe. Franz wurde vor Kummer krank, wäre fast verzweifelt. Jetzt war es Josefine, die ihm Halt gab. „Aber das Leben geht einfach weiter und die Zeit heilt die Wunden“, stellte sie fest. Und obwohl ihr Franz und sie sehr verschieden waren, führten sie doch eine trotz Höhen und Tiefen harmonische Ehe.

Franz, der erst im Bergwerk und nach dessen Schließung in der Kaserne in Altenstadt arbeitete, lernte im Alter von 50 Jahren sogar noch schwimmen, um Josefine bei ihrem liebsten Sport begleiten zu können. Zusammen unternahmen sie zahlreiche Reisen nach Spanien, Griechenland oder Kroatien und natürlich zur Familie in Ungarn, bei denen Franz, ein passionierter Autofahrer, voll auf seine Kosten kam. Zu Hause werkelte er am liebsten im Garten seines Hauses, das er 1951 mit seiner Frau gebaut und bezogen hat und in dem sie heute noch wohnen. Und das in für ihr hohes Alter guter Gesundheit.

Das muss an dem guten Peitinger Klima liegen, wie Pfarrer Robert Kröpfl lachend feststellte. So viele hohe Hochzeitstage wie hier habe er noch nirgends erlebt. Gefeiert wird die Gnadenhochzeit im Kreise der Familie am Sonntag in der Wieskirche, wo die beiden einst heirateten und schon die goldene und Diamant-Hochzeit feierten.

Ursula Fröhlich

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