Vorher-nachher: Das Storchenpaar in seinem intakten Nest (li.), bevor das Unwetter den Horst zerstörte (re.).
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Vorher-nachher: Das Storchenpaar in seinem intakten Nest (li.), bevor das Unwetter den Horst zerstörte (re.).

Beide Vögel wohlauf

Unwetter-Drama: „Superzelle“ zerstört Peitinger Storchennest

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Seit Anfang April freute man sich in der Marktgemeinde Peiting über das neue Storchenpaar, das sich auf einem Schornstein im früheren Bergwerksgelände niedergelassen hatte. Doch jetzt herrscht Trauer: Das Nest der Vögel ist dem heftigen Unwetter zum Opfer gefallen.

Peiting – Sieglinde Wagner kann es immer noch nicht fassen. „Das ist ein echtes Drama, das sich da abgespielt hat“, sagt die Peitingerin. Von ihrem Haus am Nelkenweg hat Wagner einen direkten Blick auf den hohen Kamin, der auf dem benachbarten Kunert-Gelände steht. Ihr Mann habe die Störche zuerst entdeckt, als sich die Vögel Anfang April den alten Schlot als neuen Standort für ihren Horst aussuchten, erzählt die Peitingerin. Begeistert verfolgen die beiden in den folgenden Wochen, wie die Störche Ast um Ast herantragen und ihr Nest in luftiger Höhe immer mehr Gestalt annimmt. Am 15. April habe sie die beiden Vögel bei der Paarung beobachtet, berichtet Wagner. „Ab da war ich mir sicher, dass sie bleiben.“ Immer wieder dokumentiert die Peitingerin die Geschehnisse auf dem Horst mit ihrer Kamera. Auch am Montag vergangener Woche habe sie die Vögel fotografiert. „Da war noch alles in Ordnung.“

Unwetter-Drama in Peiting: Vom Nest bleibt nichts mehr übrig

Als sich am Freitag der Himmel über Peiting verdunkelt und das nahende Unwetter ankündigt, schwant Wagner nichts Gutes. „Ich habe sofort an die armen Störche gedacht.“ Während sich die „Superzelle“ über der Marktgemeinde entlädt, bleibt der Peitingerin freilich keine Zeit, das Schicksal der beiden Vögel weiter zu verfolgen. Wagner muss das eigene Hab und Gut vor dem niedergehenden Hagel in Sicherheit bringen.

Erst als sich das Unwetter verzogen hat, richtet die Peitingerin ihren Blick wieder hinauf zum Schornstein. Doch dort, wo sich das Nest befunden hat, war nur noch der nackte Kamin zu sehen. „Alle Äste waren verschwunden, da war nichts mehr da.“

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Einer der beiden Störche sei noch am gleichen Abend zurückgekehrt, freut sich Wagner. Am Samstag habe sie beide Vögel wieder gemeinsam auf dem Schornstein gesehen. Zumindest die Störche haben das Unwetter also unbeschadet überstanden.

Unwetter-Drama: Superzelle zertört Storchennest - Brut hatte wohl bereits begonnen

Selbiges dürfte allerdings nicht für das Gelege gelten. Dass die Vögel bereits mit der Brut begonnen hatten, davon geht man beim Landesbund für Vogelschutz aus. Zwar lasse es sich aufgrund der Höhe nicht direkt in das Nest hineinsehen, sagt Storchen-Expertin Oda Wieding. Aus dem Verhalten der Vögel könne man jedoch entsprechende Schlüsse ziehen, etwa, wenn ein Storch konsequent sitze und die Vögel abwechselnd auf Nahrungssuche gehen. Genau das hat Wagner in den vergangenen Wochen beobachtet – bis am vergangenen Freitag das Unglück seinen Lauf nahm.

Ob das Storchenpaar nach den schlimmen Erfahrungen nun einen neuen Anlauf wagt? „Das ist immer vom Einzelfall abhängig“, sagt Wieding. Wenn im Verlauf der Brutsaison noch genug Zeit bleibe für einen Neuanfang, so könne das durchaus vorkommen, macht die Expertin Hoffnung. „Aktuell ist ja der Mai schon angebrochen, das heißt, jetzt wird es auch für spät angekommene Störche höchste Zeit, wenn sie noch brüten wollen.“ Es könne aber auch gut sein, dass das Peitinger Storchenpaar den Schaden hinnehme und nicht nochmals ernsthaft anfange, sondern nur den Standort fürs nächste Jahr ausbaue beziehungsweise gegen andere Störche verteidige, sagt Wieding.

Wagner jedenfalls hofft, dass die Störche der Marktgemeinde trotz des Rückschlags noch einmal eine Chance geben. Immerhin ist es laut LBV die erste Weißstorch-Ansiedlung in Peiting seit Beginn der systematischen Erfassung im Rahmen des Weißstorchschutzprogramms im Jahr 1980. „Nach dem Drama würde ich mir wünschen, dass die beiden es noch einmal probieren.“

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