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Ein großer Moment: Im Profi-Studio in Los Angeles dirigiert Robert Wolf aus Schongau ein Profi-Orchester.

Karriere in Los Angeles

Von „Call of Duty“ bis „Honor of Kings“: Ein Peitinger komponiert Musik für weltbekannte Computerspiele 

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Peiting-Ramsau goes Los Angeles: Robert Wolf komponiert mit gerade mal 28 Jahren in Los Angeles Melodien für weltbekannte Computerspiele wie „Honor of Kings“. Aufgewachsen ist Robert Wolf als „Zugroaster“ im Peitinger Weiler Ramsau, hat am Schongauer Welfen-Gymnasium Abitur gemacht. Eine Geschichte von Träumen, Genie und Wahnsinn(igen Entscheidungen).

Peiting– Als Jugendlicher ist er mit seiner Familie von Coburg in Oberfranken in den landwirtschaftlich geprägten Peitinger Weiler Ramsau gezogen. Heute lebt er in Los Angeles, wo er als Komponist von Computerspielen arbeitet: Die Lebensgeschichte von Robert Wolf ist fast so spannend wie die Computerspiele, für die er Melodien komponiert, die dann im Studio der amerikanischen Glamour-Metropole eingespielt werden.

Begonnen hat seine Liebe zur Musik bereits viel viel früher. Musikalische Früherziehung im Kindergarten, mit sieben Jahren Akkordeon, als Teenager Gitarre, später E-Gitarre, Saxophon und dann noch Klavier: Robert Wolfs Leben ist geprägt von Musik. Bereits als Schüler an der Musikschule in Schongau und am Welfen-Gymnasium wusste er als Zehntklässler: „Ich will Musik studieren.“

Gesagt, getan. Nach dem Abi im Jahr 2011 ging es für den Wahl-Ramsauer ab nach Potsdam. Robert Wolf studierte dort Musik auf Lehramt, schloss mit dem Bachelor ab, arbeitete als Lehrer. „Mein Papa ist selber Lehrer, das war nie mein Ziel.“ Schon viel früher wusste Robert Wolf: „Ich will Komponist werden.“ Ein durchaus ehrgeiziges Ziel. „Ein Teil der Faszination war sicherlich auch, dass dieses Ziel extrem schwer zu erreichen ist.“

„Dann habe ich alles auf eine Karte gesetzt.“ Für Wolf sollte es in die USA gehen, wo es bessere Jobs in seinem Genre, der Film- und Spiele-Musik gibt. „Eine waghalsige Angelegenheit“, befindet er noch heute. Und fliegt über den großen Teich, um auch nochmal im Land der Träume an einer Elite-Universität Musik zu studieren: Im Sommer 2018 zieht Robert Wolf mit seiner Frau nach Los Angeles, Kalifornien. Er ist an der renommierten University of Southern California für den Studiengang „Screen Scoring“ angenommen worden. An diese Zeit erinnert er sich all zu gut. Es bedurfte „viel Ehrgeiz und Verzicht“, um das alles zu schaffen. 

Feierlich: Der offizielle Abschluss an der University of Southern California: Schwester Susi, Mama Sabine, Robert Wolf und Papa Andreas.

Auf Partys hat Robert Wolf verzichtet, stattdessen komponiert er Tag und Nacht. Im Land von Glamour und Party nicht ganz einfach. Robert Wolf bekommt intensiven Unterricht von Hollywood-Komponisten. Alle zwei Wochen sitzt er im Tonstudio, Seite an Seite mit „Weltklasse-Komponisten aus Hollywood“. Der Höhepunkt: Robert Wolf dirigiert selbst ein 64-köpfiges Orchester und nimmt im Musikstudio von Warner Brothers auf. Für einen ehrgeizigen jungen Mann, der ganz klein angefangen hat, ist das schon ziemlich großes Kino.

„Ich habe von ganz unten angefangen“

Stets an seiner Seite: Seine Ehefrau. Sie ist Kanadierin. Robert Wolf hat sie in der Ticketschlange der Berlinale kennengelernt. Doch es ist nicht einfach für das junge Paar. Die beiden leben auf kleinstem Raum – und selbst der kostet ein Vermögen. „Alle Jobs, die ich erst mal bekommen habe, waren Aushilfsarbeiten.“ Doch: Ein Genie scheut nie den Wahnsinn. „Ich habe von ganz unten angefangen“, bilanziert Robert Wolf. Die ersten Jobs in Hollywood für den Jung-Komponisten aus „Germany“: Noten scannen und im Computer archivieren.

So manch anderes verkannte Genie hätte da vielleicht hingeschmissen. Nicht so Robert Wolf. Sein Durchhaltevermögen zahlt sich aus: Heute schreibt er bei der Firma Hexany Musik für Videospiele. Sound. Musik. Voiceover. Stimmen. Robert Wolf erschließt sich eine eigene komponistische Welt. Gamer rund um den Globus lauschen deshalb den Melodien, die aus Wolfs Komponisten-Fingern strömen, ohne ihn oder seinen Namen zu kennen. Er hat Musik für weltberühmte Computerspiele wie „Honor of Kings“ oder „Call of Duty“ geschrieben. Alleine „Honor of Kings“ registriert 60 bis 100 Millionen Spieler täglich. Den Finger am Controller, das Ohr an Robert Wolf aus Ramsau.

Das aufregende Leben von Robert Wolf ist in der Corona-Krise, die die Amerikanischen Staaten massiv erschüttert hat, noch aufregender geworden: „Die amerikanische Regierung hat aufgrund von Covid-19 einige Visa-Einschränkungen beschlossen, die haben auf unsere Situation jedoch bisher glücklicherweise keine Auswirkungen.“ Das Leben in den USA ist keinesfalls leichter geworden für Robert Wolf. „Die aktuelle Pandemie ist definitiv eine Belastung für uns und unser Leben hier in Kalifornien. Wir verfolgen die täglichen Entwicklungen aufmerksam, jedoch geht es uns und unseren Familien in Deutschland und Kanada bisher gut.“ Auch Robert Wolf und seine Frau hoffen auf eine schnelle Besserung der Lage und bleiben bis dahin daheim. „Meine Mutter hat uns selbst genähte Masken aus Ramsau geschickt, damit bleiben wir zumindest beim Einkaufen sicher.“

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