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Gemeinde Peiting sichert sich das Vorkaufsrecht für die ehemalige Unterschmiede am Hauptplatz

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Von: Christoph Peters

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Für die ehemalige Unterschmiede am Hauptplatz in der Peitinger Ortsmitte hat sich die Gemeinde ein Vorkaufsrecht gesichert.
Für die ehemalige Unterschmiede am Hauptplatz in der Peitinger Ortsmitte hat sich die Gemeinde ein Vorkaufsrecht gesichert. © Hans-Helmut Herold

Die ehemalige Unterschmiede am Hauptplatz 1 in der Peitinger Ortsmitte ist ein Gebäude mit langer Geschichte. Jetzt hat sich die Gemeinde ein Vorkaufsrecht für das Haus gesichert. Der Ortsheimatpfleger begrüßt die Entscheidung, findet aber deutliche Worte, was Überlegungen für eine mögliche Nutzung betrifft.

Peiting – Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Gemeinde eine Satzung erlässt, um sich ein Vorkaufsrecht für ein Grundstück zu sichern. In Peiting war das zuletzt vor zwei Jahren der Fall. Damals ging es um die Basili-Wiese, auf der der Markt bekanntlich ein Baugebiet entwickeln wollte, was nach einer jahrelangen Hängepartie am Ende am Grundstücksgeschäft scheiterte. Der Erlass der Satzung zielte auf die Gemeinbedarfsfläche auf dem Areal.

Diesmal hatte die Verwaltung ein deutlich kleineres Grundstück im Auge, das aufgrund seiner Lage aber aus ortsplanerischer Sicht eine durchaus gewichtige Rolle spielt, wie Marktbaumeister Fabian Kreitl in der jüngsten Gemeinderatssitzung betonte. Das Gebäude mit der Hausnummer 1 am Hauptplatz befindet sich in nächster Nähe zum Rathaus im Ortszentrum.

Verkauf könnte im Raum stehen

Groß diskutiert wurde im Gremium nicht, einstimmig segnete man den Erlass einer Satzung für ein besonderes Vorkaufsrecht ab. Das bedeutet: Will der derzeitige Eigentümer das Haus verkaufen, wird die Gemeinde darüber informiert und könnte dann in das Veräußerungsgeschäft einsteigen, heißt, Haus und Grundstück zum vereinbarten Preis erwerben.

Wie Bürgermeister Peter Ostenrieder auf Anfrage der Heimatzeitung mitteilt, sei der Grund für den Satzungserlass, dass ein Verkauf der Immobilie im Raum stehe und man als Gemeinde für diesen Fall ein Wort mitreden wolle.

Haus eventuell für Rathaus-Auslagerung nutzen

Auch wenn ein Erwerb noch Zukunftsmusik ist und zudem stark vom aufgerufenen Preis abhängen dürfte, hat man sich in der Verwaltung Gedanken gemacht, wie eine mögliche Nutzung aussehen könnte. Das eine Szenario wäre, das Gebäude als weitere Zweigstelle des Rathauses zu verwenden. Dort fehlt es bekanntlich an Platz, allerdings könnte sich die Situation schon bald entspannen, da durch den Auszug des Rathauskindergartens Räume in direkter Nachbarschaft frei werden.

Alternativ käme aus städteplanerischer Sicht laut dem Rathauschef auch ein Abriss des Hauses in Betracht. Auf diese Weise ließe sich der Hauptplatz deutlich erweitern und auch die direkt vorbeilaufende Peitnach besser in das Gesamtbild integrieren, sagt Ostenrieder.

Erinnerung an das Schmiedegeschlecht „Hirschbold“

Auch Ortsheimatpfleger Gerhard Heiß begrüßt die Bestellung eines Vorkaufsrechts für die ehemalige Unterschmiede. Schließlich hätte dieses den Hauptplatz abschließende Gebäude schon 1961 in den Besitz der Gemeinde übergehen sollen. Von einem Abriss hält er allerdings nichts. „Es ist ortsprägend und wertvoll durch seine Proportionen“, teilt er auf Anfrage der SN in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Dort sei das Schmiedegeschlecht „Hirschbold“ daheim gewesen, das auch in der Zunftstange in der Peitinger Pfarrkirche St. Michael verewigt sei, blickt Heiß auf die Historie zurück.

Erinnerung an frühere Planungen für das Gebäude

Die erste namentliche Erwähnung stamme aus dem Jahr 1645. 1891 sei der Besitz an den Hufschmid Josef Anton Sailer aus Ingenried übergegangen. Sein Nachfolger Ferdinand Sailer habe 1922 geplant, durch eine Stauanlage das vorbeifließende Wasser der Peitnach als Kraft für den Antrieb des Schmiedefeuergebläses zu nutzen. „Das konnte jedoch nicht verwirklicht werden.“ Wie auch 1925 die Überbrückung der Peitnach „behufs Bebauung einer Remise“ abgelehnt worden sei, so Heiß.

1961 habe dann Franz Sailer das Anwesen an den Obst- und Gemüsehändler Raimund Remmel verkauft und im „Pfarrhofgarten“ ein neues Geschäftshaus gebaut. Remmel wiederum beabsichtigte laut Heiß 1972 einen größeren Umbau und die Errichtung von Arztpraxen. Doch dagegen habe es in der Gemeinde Vorbehalte gegeben.

Kritik des Ortsheimtapflegers

Heiß zitiert aus einem Brief des früheren Bürgermeisters Karl Fliegauf, wonach man damals unter allen Umständen vermeiden habe wollen, „dass eine heute so oft übliche Bauweise den Hauptplatz verschandelt. Die Planung müsste sich auch nach der unmittelbaren Nähe der Pfarrkirche richten, sollte handwerklich hervorragend und bayrisch sein. Alle diese Dinge unter einen Hut zu bringen, dürfte für einen Architekten keine sehr leichte Aufgabe bedeuten.“

Von der Planung habe man damals abgesehen, so Heiß. „Die Sachlage ist aber nach wie vor die gleiche, wobei 1961 die Situation sicherlich günstiger gewesen wäre.“ Inzwischen sei der Bodenrichtwert durch die Peitinger „Oligarchen“ in astronomische Höhen getrieben worden, bedauert der Ortsheimatpfleger. „Zudem scheint die Mehrheit des Gemeinderats hinsichtlich Fachkompetenz beratungsresistent zu sein, wie die jüngste Entscheidung über den Wohnklotz an der Schongauer Straße deutlich zum Ausdruck brachte.“

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