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Extrembergsteiger Ralf Dujmovits beim Vortrag im Forum Pfaffenwinkel.

Vortrag von Extrembergsteiger Ralf Dujmovits

Auf allen Achttausendern und noch längst nicht am Gipfel

Faszinierende Bilder zur Entwicklung des Bergsteigens in den letzten 25 Jahren erwarteten die Besucher jüngst im voll besetzten Forum Pfaffenwinkel. Die Raiffeisenbank hatte Extrembergsteiger Ralf Dujmovits zu Gast.

Peiting – Von oben sieht die Welt anders aus. Die Perspektive ändert sich. Vermeintlich Großes wird plötzlich klein. Eine Perspektive, die Ralf Dujmovits schon oft genossen hat. „Da bin ich richtig. Da schöpfe ich richtig viel Kraft!“, sagte der 55-jährige Bergexperte aus dem badischen Brühl, der sich rühmen kann, als einziger Deutscher auf allen 14 Achttausender-Gipfeln der Welt gestanden zu haben. Die Geschichte seiner Bergerfolge ist aber auch eine Geschichte des Scheiterns. „Es gehört dazu, dass man unterm Gipfel umkehren können muss. Ich habe gelernt, mit Enttäuschungen umzugehen“, betonte er. Nur so sei er von allen seinen Expeditionen körperlich unversehrt zurückgekommen und habe sich bis jetzt seine Gesundheit erhalten.

Sein erster 8000er-Versuch 1987 am Macalu ist eng mit dem Peitinger Bergsteiger Michl Dacher, Mentor und jahrelang immer wieder Begleiter von Ralf Dujmovits, verbunden. Auch so eine Geschichte des Scheiterns. Aufgrund von Gipfelstürmen und Darmproblemen bei Michl Dacher musste die Tour auf 7800 Meter abgebrochen werden. „Ich habe die Expedition fünf Jahre lang abbezahlt“, so Ralf Dujmovits, der sich das Geld dafür bei einer Bank geliehen hatte und dieses Erlebnis nie vergessen wird.

Die erste 8000er-Besteigung glückte ihm 1990 mit dem 8167 Meter hohen Dhaulagiri. 1992 stand er auf dem Gipfel des Mount Everest. Seine einzige Besteigung unter Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff. 2017 beendete er erfolglos seinen achten Versuch, den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff zu bezwingen. „Ich bin dabei, zu überlegen, ob ich’s nicht sein lasse“, meinte Ralf Dujmovits, der mit der österreichischen Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner verheiratet war und einige seiner 8000er mit ihr zusammen gemacht hat.

Mitgenommen vom höchsten Berg hat er ein Bild, das um die Welt ging: Hunderte Bergsteiger, die auf der beliebten Südroute Schlange stehen. „Einmal den Mount Everest bezwungen zu haben, gehört in gewissen Kreisen schon dazu“, so der Höhenbergsteiger. Eine Entwicklung, die Dujmovits selbst mit gefördert hat, wie er selbstkritisch eingesteht. 1992 bot er mit seiner Alpinschule AMICAL erstmalig eine Expedition zum K2 zum Preis von 16 500 Euro an. Davon hat er sich längst distanziert. 1996 wurden die geführten Expeditionen eingestellt, 2011 verkaufte er die Schule.

Die Geschichte seiner Expeditionen ist aber auch eine Geschichte von Erfahrungswerten, genauen Berechnungen, oft jahrelanger Vorbereitung und zuverlässigen Wettervorhersagen. An seinem Gipfelglück ließ er die Besucher mit beeindruckenden Aufnahmen von schier endlosen schneebedeckten Bergrücken teilhaben. Die Ruhe und Einsamkeit auf den Gipfel dieser Erde ist es, was er am meisten schätzt. Und es gibt durchaus noch Ziele für einen, der höhenmäßig schon alles erreicht hat: „Hunderte von noch nicht bestiegenen wirklich steilen Gipfeln in der Antarktis“. Neben dem Himalaya-Gebiet, wo Dujmovits zusammen mit Gerlinde Kaltenbrunner eine Schule gebaut hatte, die vor zwei Jahren dem Erdbeben zum Opfer fiel, eines seiner Lieblingsgebiete. Die Schule versucht er gerade mit Spenden wieder aufzubauen. Dafür überreichte Raiffeisen-Vorstand Mario Lindauer einen Scheck über 500 Euro.

Ursula Fröhlich

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