Heizung
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Nicht immer macht ein Wärmenetz Sinn. Es sollte schon ein Großverbraucher in der Nähe sein.

Energieexperte im Gemeinderat

Wärmenetz für Peitinger Neubaugebiete?

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Macht es Sinn, ein Neubaugebiet zentral mit Wärme zu versorgen? Diese Frage hatte sich jüngst der Gemeinderat in Peiting gestellt (wir berichteten). In der jüngsten Sitzung gab es darauf jetzt eine Antwort von einem Energieexperten. Sie lautete: Kommt drauf an.

Peiting – Gleich an mehreren Stellen treibt die Gemeinde Peiting derzeit bekanntlich neue Baugebiete voran. Auf welche Art von Heizung die künftigen Bauherren setzen, ist bislang ihnen überlassen. Doch macht das angesichts der geforderten Energiewende in Zukunft überhaupt noch Sinn oder sollte die Gemeinde bei der künftigen Ausweisung von Bauland nicht besser ein zentrales Energiekonzept vorgeben? Es sei eine Frage, die in letzter Zeit immer häufiger auftauche, sagte Andreas Scharli in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Experte der Energiewende Oberland war der Einladung der Marktverwaltung gefolgt, nachdem das Gremium im Juli beschlossen hatte, einen Fachmann für das komplexe Thema zu Rate zu ziehen (wir berichteten).

Moderne Häuser brauchen nur wenig Energie

Die Frage, ob ein Nahwärmenetz für ein Neubaugebiet Sinn mache, hänge immer von den örtlichen Gegebenheiten ab, sagte Scharli. Wirtschaftlich ratsam sei es nur, wenn es Großverbraucher in der Nähe gebe. „Die Krux ist, dass moderne Häuser nur wenig Energie brauchen. Rein für Einfamilienhäuser ist das nicht interessant.“ Der Energieexperte verwies auf das Beispiel Valley im Landkreis Miesbach, wo in der Nähe eines Neubaugebiets Kindergarten, Grundschule und das Schloss Valley als Abnehmer zur Verfügung gestanden hätten. „Da lohnt es sich.“

Schon eher in Frage kämen sogenannte kalte Wärmenetze, bei denen Energie zentral beispielsweise über Erdsonden gewonnen würden. Allerdings sei auch hier der Organisationsaufwand hoch, schließlich müsse das Netz von jemandem betrieben werden. „Kommunen haben dafür im Normalfall nicht die Kapazitäten“, weiß der Energiemanager aus Erfahrung.

Einfacher, Grundstück mit Wärmesonde zu versehen

Einfacher sei es da, gleich jedes Grundstück bei der Erschließung mit einer Wärmesonde zu versehen. Die Kosten für die Bohrung ließen sich dann analog zu Wasser und Abwasser über die Erschließungskosten abrechnen. „Ob der Bauherr das Angebot dann auch nutzt, ist ihm überlassen.“ Auch Grundwasser-Wärmepumpen seien eine weitere Möglichkeit, die sich gemeinsam nutzen ließe, so Scharli.

Unabhängig vom Heizsystem am einfachsten umsetzbar für Gemeinden sei freilich, in Neubaugebieten Vorgaben hinsichtlich des Effizienzstandards der Häuser zu machen. Je besser dieser ausfalle, umso niedriger sei der Energieverbrauch. Habach etwa habe diesen Weg bereits erfolgreich gewählt, verwies der Experte.

Abwärme von Firmen aus Gewerbegebiet nutzen?

Im Gremium stieß Scharlies Vortrag auf reges Interesse, warf allerdings auch einige Fragen auf. So wollte Thomas Elste (Grüne) wissen, ob es sich rechnen würde im Fall des geplanten Baugebiets zwischen Zugspitz- und Bergwerkstraße die Abwärme von Firmen aus dem nahen Gewerbegebiet zu nutzen. Dazu müsste man die Unternehmen genauer anschauen, antwortete der Energiemanager. Werde dort täglich produziert oder nur von Montag bis Freitag, was zur Folge hätte, dass am Wochenende auch keine Wärme zur Verfügung stünde? „Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert“, sagte Scharli. Als Energiewende Oberland stehe man gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Überhaupt gebe es sicher einige Gebiete in Peiting, wo ein Wärmenetz Sinn mache. „Das müsste man genauer untersuchen“, sagte der Experte, der dabei auf die Möglichkeit eines Energienutzungsplans hinwies. Dieser gebe einen Überblick über die momentane und künftige Energiebedarfs- und Energieversorgungssituation einer Gemeinde. Die Erstellung werde mit 65 Prozent gefördert, sagte Scharli auf Nachfrage von Christian Lory (Unabhängige).

Kritik an Dämmmaterial: Irgendwann „fliegt uns der Müll um die Ohren“

Andreas Barnsteiner nahm die Diskussion zum Anlass, um sich über eine seiner Meinung nach unschöne Folge des Energiesparens beim Bauen aufzuregen. Irgendwann müsse das ganze Dämmmaterial entsorgt werden. „Der Müll fliegt uns dann um die Ohren.“ Das freilich wollte Scharli so nicht stehen lassen. In vielen Fällen würden bereits ökologische Dämmstoffe verwendet. „Bei der Energiewende muss man sich immer für alles rechtfertigen, was woanders keine Rolle spielt.“

Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU) bedankte sich am Ende bei Scharli für die „spannenden Ansätze“. Einen Beschluss fasste das Gremium nicht.

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