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Legten für eine Stunde ihre Arbeit nieder: Die Mitarbeiter der Schongauer Strumpffabrik, die gestern Mittag zum Warnstreik angetreten sind. Manuela Mayrginther (am Mikrofon) ergriff als Vertrauenskörper für Arbeitnehmer als erste das Wort.

Warnstreik vor Schongauer Strumpffabrik 

Kampf um mehr Lohn und Altersteilzeit

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Die Mitarbeiter von Hanes Global Supply Chain Germany GmbH, ehemals Belfein, haben am Donnerstagmittag für je eine Stunde ihre Arbeit niedergelegt und gestreikt. Ihr Ziel: Deutlich mehr Lohn und der Erhalt der Altersteilzeit, die komplett abgeschafft werden soll.

Schongau – Momentan sind 23 Mitarbeiter der Schongauer Strumpffabrik Hanes Global Supply Chain Germany GmbH 60 Jahre oder älter. Einige davon buckeln seit mehr als 30 Jahren in dieser sonnenlichtarmen Halle, hätten sich einen vorzeitigen Renteneintritt wahrlich verdient. Doch damit sieht’s derzeit nicht gut aus.

„Ich arbeite seit 37 Jahren hier, bin sogenannte Strickerei-Mitarbeiterin und seit 20 Jahren auch Mitglied im Betriebsrat. Über die Höhe meines Gehalts möchte ich nicht sprechen. Eines kann ich aber sagen: es ist zu niedrig.“

Bislang war die Altersteilzeit-Quote bei gerade Mal zwei Prozent gelegen – das entspricht in der Schongauer Strumpffabrik zwei Mitarbeitern. Und nun sieht die aktuelle Tarifrunde der Textil- und Kleidungsbranche sogar vor, die Altersteilzeit komplett abzuschaffen. „Das geht gar nicht“, sagt Philip Kränsel von der IG Metall, der vor dem Werkstor der Firma mit Grillwurst, Rockmusik und alkoholfreien Heißgetränken zum Warnstreik aufgerufen hatte.

Mehr als 60 Mitarbeiter, hauptsächlich aus der Frühschicht, der Rest aus der Spätschicht, folgten seinem Ruf und machten an der Pforte mit Trillerpfeife, Ratsche, Plakaten, Fahnen und Cappis ihrem Unmut Luft. Neben der Abschaffung der Altersteilzeit sieht der neue Tarif zwar eine Lohn- und Gehaltserhöhung ab 1. Juni 2017 vor, allerdings von nur mickrigen 1,4 Prozent. „Was viel zu wenig ist, da allein die Inflationsrate schon 1,9 Prozent beträgt“, so Kränsel. Die zweite Lohn- und Gehaltserhöhung um 2,5 Prozent soll erst zwölf Monate später erfolgen, am 1. Juni 2018 – insgesamt wären das 3,4 Prozent mehr Geld in knapp zwei Jahren.

Die Mitarbeiter von Hanes Global Supply Chain Germany GmbH wollen definitiv mehr und fordern im Namen der IG Metall eine Lohnerhöhung von insgesamt 4,5 Prozent. Und hätten gerne auch eine Altersteilzeit-Quote von mindestens 4,5 Prozent. „Das würde zumindest den sechs Leuten entsprechen, die sich dafür interessiert haben“, sagt Thomas Schweiger, Mitglied in der Tarifkommission.

Einige dieser erfahrenen Mitarbeiter wissen allerdings auch, dass die sprichwörtlich „fetten Jahre“ schon länger vorbei sind, machen sich entsprechend wenig Hoffnung auf mehr Gehalt und den Erhalt bzw. eine höhere Altersteilzeit-Quote.

„„Als Strumpfmaschinen-Mechaniker übe ich einen ähnlichen Beruf aus wie in der klassischen Metallindustrie. Trotzdem, obwohl wir zur IG-Metall gehören, verdienen wir einige Hundert Euro weniger als zum Beispiel bei Hoerbiger.“

Günther Wolf (60) aus Sachsenried hat 1973 in der Firma seine Ausbildung angefangen und arbeitet bis heute dort. Er kann sich bestens daran erinnern, als „vor mehr als 25 Jahren“ der komplette Strumpf noch in Schongau bzw. Altenstadt (bei Vatter) hergestellt wurde. Heute würden im Altenstadter Werk nur noch meterlange zusammenhängende Rohlinge entstehen, die letztlich in der Slowakei und zum Teil in Rumänien ausgefertigt werden.

Weil das Lager momentan ohnehin voll ist, wurde die Produktion sogar etwas zurückgefahren. Ausgerechnet jetzt nach mehr Lohn und Gehalt fordern, ist aus Wolfs Sicht nicht wirklich der beste Zeitpunkt. Trotzdem hofft er auf die 4,5 Prozent und eine höhere Altersteilzeit-Quote.

Generell hat die Textilindustrie in Deutschland einen schweren Stand. Die Hanse Global Supply Chain Germany GmbH ist aus dieser Branche die einzige Fabrik im Landkreis Weilheim-Schongau. Die meisten Textil- und Bekleidungsfirmen, deutschlandweit, produzieren seit einigen Jahren schon billig im Ausland. Bevorzugt in Indien. Davor haben Wolf und einige seiner Kollegen am meisten Bedenken – dass sich das Altenstadter Werk irgendwann nicht mehr rechnet, ebenfalls komplett ins Ausland verlagert wird.

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