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Günther Neureuther nach dem Gewinn der Silbermedaille in Montreal, als er in Peiting empfangen wurde.

Günther Neureuther aus Peiting war einer der besten Judokämpfer seiner Zeit

Was macht der Olympia-Zweite von 1976 heute?

Günther Neureuther holte als Judoka 1976 die Silbermedaille bei Olympia in Montreal. Wie sieht sein Leben heute aus?

Peiting – Er war nicht nur deutschlandweit, sondern auch international einer der besten Judokämpfer seiner Zeit: 1976 holte er bei der Sommerolympiade in Montreal die Silbermedaille, acht Jahre später bei den Spielen in Los Angeles kam Bronze hinzu. 1984 wurde er zudem noch Europameister, doch seine sportliche Karriere ist inzwischen für Günther Neureuther „überhaupt nicht mehr so präsent“, wie er selbst sagt: „Manchmal denkt man natürlich zurück. Aber das Ganze ist schon eine ziemliche Weile her“, blickt der 62-Jährige ohne große Wehmut auf seine aktive Karriere als Judoka zurück.

Zuhause in Peiting erinnert noch der Pokalschrank in der Diele an die Erfolge. Erst heuer im April bekam Neureuther ehrenhalber den 8. Dan verliehen, das macht ihn natürlich stolz: „Ich denke in meinem Alter gibt es da sonst keinen mehr in Deutschland, der so einen Meistergrad hat.“ Aber wie gesagt, Neureuther trauert der Judo-Vergangenheit nicht nach: „Es war eine schöne Zeit, aber auch die Zeit jetzt ist schön.“ Die Heimatzeitung erreicht Neureuther daheim am Telefon, als er gerade von einer Hörnle-Skitour heimgekehrt ist. Im Mai 2016 hat der vierfache Familienvater bei der Polizei aufgehört und sich in den Ruhestand verabschiedet. Da bleibt nun viel Zeit für Freizeitaktivitäten, ausgedehnten Urlaubsreisen – bevorzugt in den sonnigen Süden – und die fünf Enkelkinder: „Da ist man a bisserl beschäftigt“, erzählt Neureuther schmunzelnd.

Wie seine aktive Sportlerzeit hat er auch seine berufliche Karriere gedanklich abgeschlossen. „Bei der Polizei war es super. Aber die Arbeit wurde zuletzt immer anstrengender und die personelle Ausstattung immer weniger. Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Von 2002 bis zu seinem Ruhestand war Neureuther in der Schongauer Polizeiinspektion beschäftigt – oder, wie er es scherzhaft formuliert, „bei der RIPO, der ,Richtigen Polizei‘“. Zuvor war er jahrelang mehr oder weniger formal als Bereitschaftspolizist eingruppiert: „Ich konnte mich da voll auf den Sport konzentrieren.“ Nach der Judokarriere war Neureuther bei der Bereitschaftspolizei noch als Ausbilder und Einsatztrainer tätig. Sowohl die sportliche als auch die berufliche Laufbahn hat der gebürtige Steingadener ohne schwerwiegende körperliche Blessuren überstanden: „Wir sind im Training oft ans Limit gegangen. Für das, was ich da gemacht habe, bin ich mit meiner Gesundheit sehr zufrieden. Ich kann mich nicht beschweren“, bilanziert Neureuther, der lediglich einen Kreuz-bandriss und eine Operation an der ramponierten Schulter über sich ergehen lassen musste.

Eine hohe Auszeichnung im Judo-Bereich wurde Neureuther (links) heuer im April zuteil. Er bekam ehrenhalber den 8. Dan. Rechts: Gerd Egger, Präsident Bayerischer Judoverband.

Ob der einstige „Stier von Peiting“ – so wurde Neureuther während seiner aktiven Zeit in den Medien genannt – heute noch jemanden auf die Matte legen könnte? „Eher nicht“, fällt die Antwort skeptisch aus: „Mein Sohn macht auch Judo. Da komm’ ich mit der Kraft und Kondition nicht mehr nach. Ich hätte keine Chance gegen ihn – und es wäre zu gefährlich.“

Ohne Sport geht es bei Neureuther aber natürlich nicht. Bei den Spielen des EC Peiting ist er regelmäßig in der Eishalle live dabei, und im Fernsehen werden sämtliche Sportarten angeschaut, „solange eine wirkliche sportliche Leistung dahintersteht“.

Handball hat es Neureuther dabei besonders angetan: „Das ist ein super Kampfsport.“ Ach ja: Seit 2011 bekleidet der Ex-Judoka übrigens noch beim TSV Peiting das Präsidentenamt: „Da hat man auch a bisserl was zu tun“, klingt es fast niedlich, wenn Neureuther über die Funktionärsarbeit im 2500 Mitglieder starken Verein spricht. Aber ganz bescheiden relativiert er seine Rolle: „Wir haben beim TSV Abteilungen, die ziemlich selbstständig arbeiten.“

Ein Dauerjob soll das Präsidentenamt für Neureuther nicht werden: „Ich bin der Meinung, dass es alle zehn Jahre einen Wechsel geben sollte. Man verschleißt sich gedanklich, und die Jungen bringen neue Ideen.“

Ist 2021 also Schluss? „Das kann ich heute definitiv so noch nicht sagen“, lässt sich Neureuther aber ein Türchen offen.

Bernhard Jepsen

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