Schüler steigen in den Schulbus ein
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Bei der Schulweg-Beförderung mit dem Bus gibt es immer wieder Probleme.

Von Peiting zur Realschule nach Schongau

Wegen 100 Metern: Eltern müssen Mehrkosten für Schulbus aus eigener Tasche bezahlen

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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100 Meter Fußweg trennen Lorena (10) aus Peiting von einer kostenlosen Schulwegbeförderung zur Realschule nach Schongau. Weil der Schulweg mit der Bahn gefühlt eine Weltreise ist, tragen ihre Eltern die Mehrkosten selbst.

Peiting – Für Lorena ist es das erste Jahr an der Realschule Schongau – alles neu. Auch für ihre Eltern ist so einiges neu, obwohl Lorena nicht das erste Kind in der Familie ist, die die Schule besucht. Auch Lorenas Schwestern gingen zur Realschule in Schongau. Die Kostenübernahme für den Schulweg: kein Thema.

Neues Schuljahr, neues Glück. Mama Barbara Frisch traut ihren Augen kaum: Lorena darf nicht mehr mit dem Bus in die Schule fahren, wie es ihre älteren Schwestern immer durften. Denn zwischenzeitlich hat sich etwas geändert: Die per jure festgelegte Grenze von drei Kilometern Schulweg wird bei Familie Frisch um hundert Meter unterschritten.

500 Meter Fußweg sind zu kurz

Konkret: Lorena wohnt am Kenzenweg in Peiting. Macht – inklusive Fußmarsch über die Peitnach – 500 Meter Fußweg zur Bushaltestelle an der Bergstraße. Tatsächlich ist der Bus pro Monat aber um ein paar Euro teurer als der Zug. Und genau hier liegt das Problem: Lorenas Schulweg-Pensum ist mit der kurzen Strecke unterschritten.

Denn: Zum Bahnhof Peiting-Nord sind es zwar laut Google-Maps für einen Erwachsenen 16 Minuten und 1,3 Kilometer. Ein Kind mit schwerem Schulranzen läuft aber wahrscheinlich noch wesentlich länger als die veranschlagten 16 Minuten für einen Erwachsenen ohne Ranzen. Mama Barbara Frisch hat überschlagen: Von Zuhause bis zum Bahnhof in Peiting und vom Bahnhof bis zum Schulzentrum Schongau ist die Fünftklässlerin mindestens eine halbe Stunde nur zu Fuß unterwegs. Dasselbe gilt logischerweise für die Rückfahrt.

Die Mutter rechnet vor: „Die Schule geht um 7.50 Uhr los. Um 6.10 Uhr müsste Lorena losgehen, damit sie pünktlich ankommt.“ Ihr trauriges Fazit: „Kein Berufstätiger geht drei Kilometer zu Fuß zur Arbeit.“ Schon gar nicht ein zehnjähriges Mädchen in den dunklen Wintermonaten.

Bei beiden Schwestern wurde der Schulbus vom Landratsamt anstandslos bezahlt

Die erste Reaktion von Dreifach-Mama Barbara Frisch: „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Schließlich war das Thema Bus für die zwei älteren Schwestern geritzt. Kostenübernahme für die Schulwegbeförderung von Peiting zur Realschule Schongau: kein Problem, alles bezahlt. Und dann die böse Überraschung: Alles vorbei. Per Fußmarsch statt 500 Meter zum Bus, dreimal länger zum Zug für die Jüngste.

Das Landratsamt Weilheim-Schongau indes handelt nicht willkürlich. Vielmehr richte man sich dort nach einer Gesetzgebung, die seit dem Schuljahr 2019/20 greift. Trotzdem hat die Dreifach-Mama Einspruch eingelegt. „Ich bin natürlich erstmal aus allen Wolken gefallen“, sagt sie. Die zwei Geschwisterkinder fahren problemlos per Buskarte in die Realschule und dann das.

Tatsächlich trifft die Problematik viele Eltern in Peiting. Die wenigsten haben wie Frisch Widerspruch eingelegt. Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamts Weilheim-Schongau, erklärt: Der Kreis verlange bei allen Schülern, die zwischen der Bahn- und dem Linienbus wählen können, „eine Zuzahlung der Differenzkosten zwischen der teureren Busbenutzung und der kostenmäßig günstigeren Benutzung der Bahn“. Dies betreffe alle Schüler, „für die die Benutzung der Bahn zumutbar ist“.

Landratsamt verweist auf Gesetzeslage

Dies sei dann der Fall, „wenn der Wohnort sich innerhalb der zumutbaren Restwegstrecke um den Bahnhof befindet“. Die Krux in besagtem Falle: „Die zumutbare Restwegstrecke beträgt bei Schülern ab der 5. Jahrgangsstufe insgesamt drei Kilometer.“

Rehbehn erklärt: Der Restweg setze sich zusammen aus dem Weg vom Wohnort zum Bahnhof am Wohnort sowie aus dem Weg vom Bahnhof (am Schulstandort) und der Schule. „Der Landkreis ist verpflichtet, die notwendige Beförderung zur nächstgelegenen Schule sicherzustellen.“ Diese sei – man beruft sich auf die Gesetzeslage – diejenige Schule der gewählten Schulart, Ausbildungs- und Fachrichtung, die mit dem geringsten Beförderungsaufwand erreichbar ist. Die maßgebliche Komponente ist eine finanzielle, nicht eine räumliche oder eine zeitliche. „Im Hinblick auf den zu beachtenden Grundsatz der Wirtschaftlichkeit ist ein Aufgabenträger nicht verpflichtet, allen Beförderungswünschen Rechnung zu tragen.“

Tatsächlich will man sich seitens des Landkreises nicht ausschließlich auf die Rechtslage berufen: Ganz abgesehen von der Rechtslage biete man immerhin eine „freiwillige Wahlmöglichkeit (RVO-Bus oder Bahn): Der Landkreis erhalte in den Fällen der Zuzahlung (wie etwa bei Familie Frisch) eine reduzierte pauschale Zuweisung durch den Freistaat Bayern. „Uns ist aktuell kein anderer Landkreis in Bayern bekannt, der eine derartige Wahlmöglichkeit eröffnet“, so Rehbehn.

Trotzdem sieht auch Familie Frisch für sich keine andere Wahl: Lorena darf mit dem Bus fahren. Das reißt mit immerhin 240 Euro pro Jahr ein Loch in die Kasse der fünfköpfigen Familie. Die vielen hundert Fußmarsch-Meter der Tochter zur Schule in Schongau weniger sind es der Familie aber wert.

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