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Wegen drohender 2Gplus-Regel: Verzweifelte Wirte starten Aktion - mit alarmierendem Signal

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Licht aus in der Zechenschenke: Wirt Peter Egger sieht zappenduster im „Stollen“.
Licht aus in der Zechenschenke: Wirt Peter Egger sieht zappenduster im „Stollen“. © privat

Peitings Wirte machen das Licht aus – und zwar alle gleichzeitig. Die Aktion soll zeigen, wie es aussehen könnte, wenn die Corona-Auflagen für die Gastro noch strenger werden: Zappenduster.

Peiting – Peitings Wirte wollen am Montagabend aufzeigen, wie es werden könnte, wenn „2G“ oder „2Gplus“ weiter für einen Besuch in der Gastronomie gelten: Pünktlich um 20 Uhr sollen in allen Gaststätten – vom Ortskern bis hin zur Zauberhütte in Birkland, alle Lichter ausgeschaltet werden. Eine Aktion mit Symbol-Charakter, die für die Wut und die Ausweglosigkeit steht, die in der Branche herrscht. Das Signal: Bald gehen bei uns die Lichter aus.

2Gplus in der Gastronomie: Wirte starten Aktion - „Sind keine Pandemie-Treiber“

Initiiert hat das Ganze Monika Pummer vom Gasthof Dragoner. „Die Sperrstunde war für uns schon richtig hart.“ Dann auch noch 2G. Aber 2Gplus? Da hört’s auf, sind sich die Wirte einig. Wer geht schon spontan zum Essen, wenn er vorher einen aktuellen Negativ-Test aus der Apotheke vorlegen muss. „Wir verstehen, dass es keine Riesen-Partys geben sollte“, so Pummer. Aber zum Essen gehen? Das muss drin sein. „Wir sind keine Pandemie-Treiber“, betont sie. Sperrstunde und 2Gplus: „Das wird für einige Betriebe sicher der Genickschuss sein.“

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Yanek Kozak, Chef im Café Central. Auch er weiß nicht, wie es bei riesigen Umsatzeinbußen weitergehen soll. Auch die Personal-Decke wird immer dünner: „Drei Leute haben sich schon was anderes gesucht.“ Das Problem: Sollte der Laden wieder anlaufen, fehlen im die Arbeitskräfte. „Personal wächst nicht auf den Bäumen.“ Lockdown, strenge Regeln, Lockdown light, noch strengere Regeln. „Wir haben echt lange durchgehalten, jetzt wird’s echt schwierig langsam.“

Corona in Bayern: Wirte befürchten 2Gplus - „Es ist eine Katastrophe“

„Es wird eng“, sagt Peter Egger von der Traditions-Gaststätte Zechenschenke. Viele Gäste würden aus Angst nicht mehr essen gehen. Mit zehn Essen pro Tag kann sich kein Wirt über Wasser halten. Und die großen Feiern: freilich alle abgesagt.

„Wir werden irgendwann zumachen, weil es sich nicht mehr rechnet“, sagt Thomas Schäffler vom Gasthaus Buchberger im Ortskern. „2G hat schon viel kaputt gemacht. 2G plus würde uns den Rest geben.“

Auch Oliver Gayk von „Ollis Schnaidbergstuben“ klingt nicht gerade positiv gestimmt. Kaum hatte er das Restaurant übernommen, kam auch schon Corona. Dann eine Riesen-Baustelle. Und jetzt wieder Corona. Fast alle Weihnachtsfeiern waren ihm abgesagt worden. „Und man merkt richtig, dass die Leute sehr verunsichert sind wegen 2G.“ Dann gibt es wieder Ältere, die ihren Impfausweis zu Hause vergessen haben und zurückfahren müssen. Kein Wunder also, dass da vielen der Appetit auf ein Essen in der Gaststätte vergeht.

Licht aus im Dragoner. Wirtin Monika Pummer sagt: „Wir sind keine Pandemie-Treiber“
Licht aus im Dragoner. Wirtin Monika Pummer sagt: „Wir sind keine Pandemie-Treiber“ © privat

Dramatisch auch die Lage bei Bärbel Schlamp vom Saliterhof in Peiting. Riesig investiert haben sie und ihr Mann erst vor wenigen Jahren – in eine moderne, große Gastronomie, die dieser Tage vor allem eines ist: leer. Gerade mal 30 Prozent des eigentlichen Umsatzes hat sie hier noch. „Und auch Kurzarbeitergeld vom Amt für die Mitarbeiter haben wir noch nicht gesehen.“ Woche für Woche überlegt man hier, wie es weitergehen soll, kann. Sie fürchtet: „Es wird zappenduster.“

Corona-Regeln in Bayern: Dramatische Lage in Gastronomie - „Wird zappenduster“

Weltuntergangs-Stimmung auch in der Zauberhütte in Birkland. Statt rappelvoller Zauberabend ist der Umsatz wie weggezaubert. Mit den 80 Prozent Umsatzeinbußen, die Robert Astleitner zu verzeichnen hat, „können nicht mal die laufenden Kosten gedeckt werden“. Und auch dem Personal geht so langsam die Puste aus. Kurzarbeitergeld und fehlendes Trinkgeld haben ein tiefes Loch in den Geldbeutel gerissen. „Wenn es dann im Mai, Juni wieder losgeht, dann haben wir hier niemand mehr.“

2G plus in Bayern: „Branche wird dazu benutzt, Boostern voranzutreiben“

Sollte es so weitergehen, oder gar weitere Einschränkungen für die Gastronomie geplant werden, „dann können wir komplett zusperren.“ Und das, obwohl auch Astleitner fest davon überzeugt ist: „Restaurants sind sicherer als der Partykeller zu Hause.“

Schlimm findet es Astleitner auch, dass die Maßnahmen die Spaltung der Gesellschaft noch weiter vorantreiben würden. „Keiner hat mehr Verständnis für die Maßnahmen“, sagt er und bezieht sich dabei die (fehlenden) Gäste, die Wirte und das Personal. „Die Branche wird einfach wieder mal dazu benutzt, das Boostern voranzutreiben.“

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