Die Friedhofsgebühren in Peiting steigen kräftig.
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Die Friedhofsgebühren in Peiting steigen kräftig.

Marktgemeinderat

Wegen hohem Defizit: Peiting erhöht Friedhofsgebühren kräftig

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Weil das Jahresdefizit der beiden gemeindlichen Friedhöfe deutlich gestiegen ist, muss die Gemeinde Peiting an der Gebührenschraube drehen. Kurios: Besonders stark gehen die Kosten für zwei Bestattungsarten nach oben, die bislang noch gar nicht angeboten werden.

Peiting – Spätestens alle vier Jahre müssen die Gebühren von Bestattungseinrichtungen neu kalkuliert werden – so schreibt es das Kommunalabgabengesetz vor. Zuletzt war dies in Peiting 2017 erfolgt. Damals gingen die Gebühren kräftig nach oben und zwar so, dass es dem früheren Gemeinderat Gerhard Heiß Angst und Bange wurde. „Wir müssen schauen, dass die Gräber auch für Leute mit niedrigem Einkommen bezahlbar bleiben“, warnte er. Man kann davon ausgehen, dass Heiß, würde er heute noch im Gremium sitzen, diese Warnung in der jüngsten Sitzung wiederholt hätte. Denn erneut muss der Markt die Bestattungsgebühren auf beiden Friedhöfen deutlich erhöhen.

Das ging aus der neuen Kalkulation hervor, die die zuständige Verwaltungsmitarbeiterin Heidi Hiemer dem Gremium präsentierte. Diese wies für den Zeitraum von 2017 bis 2020 ein Minus von rund 244 000 Euro aus, was einem Jahresdefizit von rund 61 000 Euro entspricht. Die Ursachen dafür seien vielschichtig, sagte Hiemer. Neben allgemeinen Preissteigerungen und höheren Personalkosten, spielten auch die Zahl und Art der Bestattungen eine Rolle, erklärte sie. So habe sich der Trend zur Urnenbestattung auch in den vergangenen vier Jahren fortgesetzt. Betrug ihr Anteil an den Bestattungen 2006 noch 20 Prozent, waren es 2017 bereits 56 Prozent. „Mittlerweile sind wir bei 64 Prozent angelangt.“ Dass immer mehr Gräber leer bleiben, bekommt auch der Gemeindesäckel zu spüren. Rund 87 000 Euro beträgt der Eigenanteil, den der Markt jährlich zu tragen hat.

Beispielrechnungen zeigen Anstieg der Preise

Hiemer hatte auch Beispielrechnungen parat, wie sich die nötige Erhöhung der Gebühren auf die Bestattungspreise auswirkt. So schlägt die durchschnittliche Erdbestattung eines Erwachsenen mit einem neu zu erwerbenden Einzelgrab ab 2022 2189 statt bislang 1755 Euro zu Buche bei einer angenommenen Ruhefrist von zehn Jahren – ein Anstieg von 25 Prozent. Eine Familiengrabstätte wird um 21 Prozent teurer und steigt von 2105 auf 2549 Euro. Am günstigsten bleibt die Urnen-Erdbestattung mit künftig 1284 statt 1118 Euro (plus 15 Prozent).

Für Stirnrunzeln sorgte bei Franz Seidel (BVP), dass die Gebühren für eine Urnengrabstätte in der Urnengrabanlage und für eine Urnen-Bestattung unter Bäumen in der Beispielrechnung mit 34 bzw. 30 Prozent den kräftigsten Sprung nach oben machten. Doch dafür hatte Hiemer eine überraschende Erklärung parat. Beide Bestattungsformen würden bislang noch gar nicht angeboten, sagte sie. Die bei der letzten Kalkulation angesetzten Kosten seien deshalb nur geschätzt gewesen und nun noch einmal genauer berechnet worden.

Neues Friedhof-Konzept nur in Teilen umgesetzt

Tatsächlich sind die beiden Bestattungsformen Teil des neuen Friedhof-Konzepts, das der Gemeinderat 2017 beschlossen hatte. Umgesetzt worden sind davon allerdings bislang nur die Urnen-Stelen. Wie Kämmerer Christian Hollrieder erklärte, sei man mit den Baumbestattungen mittlerweile soweit, dass diese voraussichtlich ab nächstem Jahr angeboten werden könnten. Statt neue Bäume zu pflanzen, soll nun der vorhandene Baumbestand genutzt werden. Das spare einerseits Kosten, mache aber andererseits den Einsatz eines Saugbaggers nötig, um beim Aushub die vorhandenen Wurzeln nicht zu schädigen. Für die Realisierung der Urnengrabanlage konnte Hollrieder auf Nachfrage der SN noch keinen Termin nennen. Im Haushalt seien die nötigen Arbeiten aber berücksichtigt.

Einwände gegen die vorgelegte Kalkulation der Verwaltung gab es diesmal nicht. Einstimmig segnete der Gemeinderat die neue Friedhofsgebührensatzung ab. Sie tritt am 1. Januar 2022 in Kraft.

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